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Erstes Ziel: Alle Traumschleifen wandern

Erstes Ziel: Alle Traumschleifen wandern

Julia Bisdorf leitet seit zwei Wochen die Touristinformation in Hermeskeil. Gäste will die 32-Jährige vor allem über den Nationalpark und eine noch bessere Vermarktung der Wanderwege locken. Eine Zielgruppe hat sie besonders im Blick.

Hermeskeil In ihren ersten Tagen im neuen Job kann sich Julia Bisdorf über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. Seit 1. Oktober leitet die 32-Jährige die Hermeskeiler Touristinformation - und ein Termin jagt den nächsten. "Es ging gleich mit dem Bauernmarkt am 8. Oktober los, und jetzt am Sonntag organisieren wir eine Wanderung zum Prosterather Viezfest", berichtet Bisdorf beim Gespräch in ihrem neuen Büro am Langen Markt, gleich gegenüber dem Rathaus.
Dort eingerichtet ist sie zwar erst seit zwei Wochen. Erste Kontakte zu ihren Kollegen aus der Tourismusbranche hat sie aber schon im Sommer geknüpft: "Da war ich bei der Wanderwoche mit unterwegs. Das macht mir jetzt den Einstieg ein wenig leichter." Sie selbst stamme nicht aus dem Hochwald, sagt Bisdorf. Aber Verwandte, die sie in ihrer Kindheit häufig besucht habe. Seit zwei Jahren wohnt die 32-Jährige wieder in ihrer Heimatstadt Trier. Vorher lebte sie aus beruflichen Gründen in Frankfurt. Bisdorf hat Tourismus-Management in Worms studiert und einen Masterabschluss im Bereich Marketing. Zuletzt hat sie in verschiedenen Werbeagenturen gearbeitet.
Was sie an der Stelle in Hermeskeil gereizt hat? "Ich wollte wieder im Tourismus arbeiten - und fand es toll, dass sich eine Chance dazu in meiner Heimatregion geboten hat." Die Vielfalt der Natur rund um die Hochwaldstadt begeistere sie besonders, sagt die neue Tourismus-Chefin der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil. Dazu zählten die vielen Premium-Wanderwege, die sie möglichst bald selbst testen wolle. "Ich will alle fünf Traumschleifen wandern, das ist meine erste Mission", sagt sie und lacht. Das Wandern sei zweifellos ein touristischer Schwerpunkt, den es weiter zu stärken gelte. Dabei gehe es nicht um mehr Wege, sondern um eine noch bessere Vermarktung des Vorhandenen. "Den Saar-Hunsrück-Steig und die fünf Traumschleifen in der VG Hermeskeil kennt hier vor Ort jeder", sagt Bisdorf. Außerhalb der Region könne der Bekanntheitsgrad aber gesteigert werden. Den aktuellen "Wanderboom" sieht die 32-Jährige auch als Chance, mehr junge Gäste nach Hermeskeil zu locken. "Bei denen liegt Wandern voll im Trend. Viele zieht es raus aus der Stadt, um Stress und Hektik zu entfliehen."
Auch das Radfahren biete noch Potenzial, ist Bisdorf sicher. Der Ruwer-Hochwald-Radweg sei ein beliebtes Ziel. Durch die mit Motor ausgerüsteten E-Bikes seien die Urlauber aber in der Lage, deutlich längere Strecken zu fahren. Auch dafür gebe es in der Umgebung Angebote, beispielsweise die neuen Routen durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Das 2015 gegründete Schutzgebiet quasi vor der Hermeskeiler Haustür sieht Bisdorf als "ganz wichtiges Thema". Vor wenigen Wochen seien die ersten Hotels, Restaurants und Ferienwohnungen als Partnerbetriebe des Parks zertifiziert worden. "Aus unserem Bereich war niemand dabei. Es wäre schon gut, wenn wir da künftig auch etwas anbieten könnten."
In der ersten Jahreshälfte 2017 entwickelten sich Gäste- und Übernachtungszahlen landesweit positiv - auch in der VG Hermeskeil. Das zeigt eine Publikation des Statistischen Landesamts (siehe Info). Laut Bisdorf bleibt die geringe Zahl der Übernachtungsbetriebe vor Ort dennoch ein Manko. "Es gibt zu wenig Hotels. Die braucht man, damit mehr Gäste von außerhalb auch länger bei uns bleiben." Dennoch seien kleinere Angebote wie Ferienwohnungen oder die geplanten Wohnmobilstellplätze am Labachweg in Hermeskeil wichtige Beiträge.
In den nächsten Wochen geht es für Julia Bisdorf vor allem darum, die Akteure vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, sich einen Überblick zu verschaffen. Große Projekte könne sie zwar noch nicht ankündigen, sagt sie. "Aber ein Ziel ist schon, jüngere Leute gezielter anzusprechen." In ihrem privaten Umfeld habe sie festgestellt, dass nur wenige wüssten, "was Hermeskeil und Umgebung so alles zu bieten haben". Ein Beispiel seien die im Winter organisierten Schneeschuhwanderungen. "Dafür fährt man sonst nach Bayern - aber es geht eben auch hier." Der Mädchenflohmarkt, seit zwei Jahren Teil des Hermeskeiler Bauernmarkts, sei ebenfalls ein gutes Angebot. Bisher sei das Interesse zwar verhalten, das liege aber möglicherweise am abgelegenen Standort in der Donatusstraße. "Wir werden den Flohmarkt künftig besser integrieren."
Längerfristig könne auch die Ansprache der Gäste über mobile Geräte und das Internet verbessert werden. Viele Wanderer zögen mit dem Handy los, nachdem sie sich die Route im Netz heruntergeladen hätten. "Da sind unsere Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft."Extra: ZAHLEN STEIGEN BEI GÄSTEN UND ÜBERNACHTUNGEN


Der Tourismus im Land hat sich in der ersten Jahreshälfte 2017 positiv entwickelt. Das geht aus der Veröffentlichung "Tourismus aktuell" des Statistischen Landesamts Rheinland-Pfalz hervor. Demnach gab es von Januar bis Juni mehr Gäste und mehr Übernachtungen als im Vorjahr. 3,9 Millionen Gästeankünfte wurden gezählt - ein Anstieg um 4,9 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich um 3,1 Prozent auf 9,6 Millionen. Dieser Trend spiegelt sich auch in den touristischen Kennzahlen für die Verbandsgemeinde Hermeskeil wider. Dort sank die Zahl der Gäste zwar zuletzt leicht von 15 745 (2015) auf 15 402 (2016). Dafür gab es bei den Übernachtungen einen Zuwachs um 1,3 Prozent von 35 552 (2015) auf 36 026. Im ersten Halbjahr 2017 wurden laut Statistischem Landesamt bereits 21 897 Übernachtungen gezählt. Im Vergleich zum selben Zeitraum 2016 ist das ein Zuwachs um 13,3 Prozent. Aktuell gibt es 30 Beherbergungsbetriebe mit 478 Betten. Mitgezählt wurden Privatquartiere und kleine Betriebe mit weniger als zehn Betten, aber keine Campingplätze.