Es funkelt ohne Bling-Bling

Wittlich · Auf Einladung des Jazzcubs gastierte der gebürtige Wittlicher Christoph Adams mit dem Projekt "Smokin’ Piano Joint" im Casino. Die rund 80 Zuhörer riefen ihn am Schluss mit ihrem Applaus zu Zugaben zurück: Sein Programm mit dem Titel "Songin’ along" hat sie begeistert und berührt.

Mit Freude beim Konzert: Christoph Adams. Foto: Karin Brand-Picard

Foto: (m_kreis )

Wittlich. Gute Musik! Das klingt banal, aber wer Christoph Adams Spiel im Casino gehört hat, hat einfach gute Musik gehört, Musik, die gut tut. Etwa der Dame in einer Ecke des hohen Casino-Saals, der wie aus der Zeit gefallen wirkt, mit seiner samtrot gemusterten China-Restaurant-Tapete und den kleinen Kronleuchtern. Sie hat den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen, als regneten die Melodien leicht auf sie hinab wie eine Dusche. Andere sitzen still um den Flügel herum, lehnen an Stehtischen. Viele sind ergraut, der 50-jährige Pianist ist einer der jüngsten. Doch so wie der Ort ein wenig aus der Zeit entrückt, geschieht es mit Adams Musik: Alle scheinen die perlenden Klänge, die irgendwie leise und kostbar leuchten ohne laut zu blinken, zu genießen. "Alone together", "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" klingen an: Doch die Stücke, an die sich der Komponist anlehnt, wie er selbst sagt, muss man nicht (wiederer)kennen, um ihrem Zauber zu erliegen. Dabei gibt ihnen die große, tiefgehende Könnerschaft erst die schimmernde Leichtigkeit.
Perry Morris Robinson, US-amerikanischer Jazzklarinettist, hat vor fast 20 Jahren über Adams Arbeit gesagt: "His compositions are gems of rare beauty" (seine Kompositionen sind Edelsteine von seltener Schönheit). Stimmt. Die Klänge sind von frischer Eleganz. Es funkelt ohne Bling-Bling, wie Wellen über tiefem Meer. Eine Sprache der Töne, die berührt. Auch als jeder im Publikum vielleicht an einen Menschen denkt, der gegangen ist: Mit einem Blues wie schwarzer Perlmut würdigt Christoph Adams einen am Tag vor dem Konzert gestorbenen Jazz-Musiker, den er kannte. Diesen Schlagzeuger, ein Amerikaner in Berlin, begleiten nun Töne der Erinnerung wie Männer in rabenfederdunklen Anzügen. Kein karger, rauher Blues, ein schwer beeindruckender trotzdem: Mancher wippt leicht mit den Fußspitzen, mit dem Kopf. Viele Herzen der Hörer sind bestimmt leicht hypnotisiert.
Zu Beginn hat Adams wie ein großer, kluger Junge mit Grau im Haar vor allen gestanden, gesagt, dass er sich freue, dass so viele gekommen seien. Später begrüßt er einen Mann, der gleich hinter ihm sitzt, dessen Da-Sein ihn besonders freut: Stefan Katona, in dessen "Melodie Piano Bar" in Köln Christoph Adams oft Gelegenheit hatte zu spielen. Man hört, wie dankbar der Musiker für dieses musikalische Zuhause war und ist.
Sein erstes musikalisches Zuhause in Wittlich prägte auch ein Mann, an den sich einige beim Konzert erinnern: Rolf Kaienburg, dessen legendäres Gasthaus Kaienburg auch lange Jahre Konzertsaal des Jazzclubs war. Es ist längst abgerissen, sein Besitzer gestorben. Geblieben ist ein Klavierstück als kleine Hommage an Rolf Kaienburgs eigenes Spiel auf den schwarzen, den weißen Tasten. Das freut viele im Publikum, das nun gleichsam alterslos einfach durch die gute Musik einen schönen Abend zusammen erlebt. Er wird mit Zugaben verlängert. Und vielleicht mit der neuen CD Songin' along zum Smokin' Piano Joint Projekt, die viele haben wollen und die Christoph Adams zum Schluss signiert. sos