Es geht um’s Gewinnen

MALBORN. Bei einer Bürgerversammlung im Gasthaus Bremm zeigten sich die Anlieger der Morbacher Gemeindestraßen "Auf der Buhs" und "In der Träf" am Mittwochabend kämpferisch. Sie streben weiterhin ein Bürgerbegehren an, mit dem ein vom Gemeinderat geplanter Straßenausbau verhindert werden soll.

Thekla Petto versteht die Welt nicht mehr: Die 82-jährige gebürtige Malbornerin wohnt an der Gemeindestraße "Auf der Buhs". Jetzt wird sie zur Kasse gebeten. "Ich soll 10 000 Euro für den Ausbau meiner Straße hinlegen, ich bin doch Rentnerin", klagt Petto. Nicht einmal 500 Euro stünden ihr im Monat zur Verfügung, sie habe auch niemanden, der sie unterstützen kann. Es ärgere sie kolossal, dass die Situation älterer Anwohner bei der Entscheidung zum Ausbau der Straße nicht berücksichtigt worden sei. Petto ist eine von knapp 40 Besuchern der Bürgerversammlung, die sich wehren wollen: gegen den Plan des Malborner Gemeinderats, die Straßen "Auf der Buhs" und "In der Träf" auszubauen sowie gegen die aus ihrer Sicht zu hohen Beitragskosten für den insgesamt 550 000 Euro teuren Straßenausbau. 50 Prozent davon sollen die Anlieger aus eigener Tasche finanzieren. Auf einzelne Anlieger könnten nach Angaben der Bürgerinitiative damit Kosten in Höhe von bis zu 30 000 Euro zukommen. Hubert Schu, ein selbständiger Dorfentwicklungsplaner, den die Bürgerinitiative als Berater engagiert hat, fasst zusammen, was die Anlieger an den Plänen des Gemeinderats stört: Der Straßenausbau sei vollkommen überdimensioniert - ein Ausbau mit Gehweg und einer Straßenbreite von 5,50 Metern bei Straßen mit mäßigem Verkehr absolut nicht notwendig. Auch müsse nicht der gesamte Unterbau der Straßen erneuert werden. Prüfbericht sorgt bei den Anliegern für Unverständnis

Deshalb hat Schu einen abgespeckten Alternativplan ausgearbeitet - allerdings unter dem Vorbehalt, dass ihm die genauen Daten nicht von der Verwaltung der Verbandsgemeinde (VG) Thalfang zur Verfügung gestellt worden seien. Geschätzte Kostenersparnis gegenüber dem Plan des Gemeinderats: 40 bis 70 Prozent. Aus diesen Gründen strebt die Anliegergemeinschaft ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid an, mit denen der Plan des Gemeinderats verhindert werden soll (der TV berichtete). Ein Antrag wurde bei der Gemeinde eingereicht und von der VG-Verwaltung Thalfang auf seine Zulässigkeit geprüft. Vor zwei Tagen kam das Ergebnis: Ein Bürgerbegehren gegen die geplanten Baumaßnahmen sei nicht zulässig, da es sich bei den Straßen nicht um öffentliche Einrichtungen im Sinne der Gemeindeordnung handele. Der Prüfbericht sorgt bei den Anliegern für Unverständnis: "Wir sind da völlig anderer Meinung", sagt Bürgersprecherin Manuela Strassen. Außerdem habe nicht die Verwaltung, sondern ausschließlich der Gemeinderat über die Zulässigkeit eines Bürgerbegehrens zu befinden. Das soll bei einer Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag, 5. September, um 20 Uhr im Gasthaus "Bernard" geschehen. Falls das Begehren abgelehnt wird, wollen Strassen und ihre Mitstreiter nicht aufgeben: "Dann legen wir bei der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich Widerspruch gegen die Entscheidung des Gemeinderats ein. Sollten wir damit auch scheitern, geht es weiter zum Verwaltungsgericht." Aber auch eine andere Alternative ist aus Sicht der Anlieger möglich: Der Gemeinderat nimmt die Anregungen der betroffenen Anlieger ernst, und man setzt sich sich noch einmal zusammen und redet über das Alternativkonzept. "Letztendlich geht es ja nur gemeinsam", sagt Strassen. Doch Daniel Bier (Freie Wählergruppe Bier), der als einziges Ortsgemeinderatsmitglied bei der Bürgerversammlung erschienen ist, dämpft die Erwartungen. Bier, der seine Rolle im Rat selbst als "Einzelkämpfer" bezeichnet, sieht die Fronten verhärtet: "Nach meiner Einschätzung geht es nur noch darum, wer gewinnt."

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