Es kommt auf die Eltern an

Deutschland und die Bildung: ein unendliches Thema, das mit der Pisa-Studie an Brisanz gewinnt. In Bernkastel-Kues wird darüber diskutiert, ob die Grundschule in Kues verpflichtende Ganztagsschule wird.

Ein Vorreiter in Sachen Ganztagsschule: die Cusanus-Grundschule. TV-Foto: Clemens Beckmann

Bernkastel-Kues. Die Cusanus-Grundschule in Kues ist Vorreiter in Sachen Ganztagsschule. Seit dem Schuljahr 2002/2003 besteht das Angebot. 67 Prozent der derzeit 224 Mädchen und Jungen nehmen es wahr.Die hohe Akzeptanz hat dazu geführt, dass das Mainzer Bildungsministerium und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) der Schulleitung den Vorschlag für eine verpflichtende Ganztagsschule gemacht haben. Betroffen wären 2008 nur die Erstklässler. Alle übrigen Klassen blieben in ihrer jetzigen Form bestehen. Erst in vier Jahren wären alle vier Klassenstufen betroffen. Rektorin Stephanie Reiter betont, dass aber noch kein entsprechender Antrag gestellt wurde. Eltern, die das Angebot nicht wahrnehmen möchten, müssten ihre Kinder in den Grundschulen in Wehlen oder Lieser anmelden. Der kostenlose Transport ist gewährleistet.Stephanie Reiter begrüßt das Angebot. "Wir könnten den Schulalltag weit besser als bisher dem kindlichen Biorhythmus anpassen und die durch die neuen Bildungsstandards geforderten Unterrichtsinhalte und Schlüsselqualifikationen in konzentrierten Kleingruppen anbieten", sagt sie. Sie will auch den Eltern eine Brücke bauen, die dem Modell skeptisch gegenüberstehen. So könnten deren Kinder über Mittag auch für zwei Stunden nach Hause. Schulelternbeirat, der Hauptausschuss der VG und die Grundschulleiter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues haben sich einstimmig für das Vorhaben ausgesprochen. Es habe viele Gespräche gegeben, sagt Schulelterbeirats-Vorsitzender Martin Schuler. Er glaubt, dass sich die verpflichtende Ganztagsschule durchsetzt. Auch die Mehrheit der Eltern (29 von 41) der Kinder, die im kommenden Jahr eingeschult werden, hat ihre Kinder für die Ganztagsschule angemeldet. Allerdings geschah das zu einer Zeit, als das Angebot für eine verpflichtende Ganztagsschule noch nicht vorlag. Am kommenden Donnerstag wollte sich auch der Verbandsgemeinderat mit der Thematik beschäftigen. Dies hat Eltern auf den Plan gerufen, die ihre Kinder weiterhin von 8 bis 13 Uhr unterrichten lassen wollen.Die Verwaltung reagiert. "Es gibt noch Informationsbedarf. Wir wollen keine Kampfabstimmung und nicht über die Köpfe der Eltern entscheiden", sagt Bürgermeister Ulf Hangert. Deshalb wird das Thema von der Tagesordnung abgesetzt. Morgen, Mittwoch, sollte eine Infoveranstaltung für Eltern stattfinden. Weil der VG-Rat das Thema absetzt, wird sie auf den 16. Januar verschoben. "Die Diskussion muss erst einmal sacken", sagt die Rektorin.