Es kommt wieder Zug rein

Die Thalfanger Kultkneipe im Alten Bahnhof macht sich auf, ihr Abstellgleis zu verlassen. Sofern die Handwerker zügig vorankommen, könnten sich die Türen dort noch in diesem Jahr wieder öffnen - auch für Übernachtungsgäste.

Thalfang. Es tut sich wieder was am Thalfanger Bahnhof. In dem komplett eingerüsteten und nahezu vollständig entkernten Gebäude sind fast täglich Handwerker zugange. Weitgehend fertig ist der große Hof, auf dem schon Bäume heranwachsen. Das um sie herum verlegte Pflaster, über das Besucher stufenlos in den Bahnhof gelangen, passt zum Bruchsteinmauerwerk des historischen Bahnhofs.
Regionale Gerichte


Ebenso wie die Mauer, die den Platz zu den Bahngleisen hin begrenzt. Sie ist gerade so hoch, dass es sich auf ihr gemütlich sitzen lässt, was bei Biergartenwetter aber nicht nötig sein wird. Denn dann sollen Tische und Stühle auf der Terrasse stehen.
Denn Torsten Schmidt, seit 2013 Eigentümer des Gebäudes und des riesigen Grundstücks (Extra), hat dort einiges vor. Vor allem will er, dass wieder Leben einkehrt in den in früheren Zeiten weithin bekannten Kultur-Bahnhof. Freunde von Kunst und Musik sollen dort erneut auf ihre Kosten kommen - ebenso wie Genießer und Urlauber. In den oberen Stockwerken des Bahnhofsgebäudes und der sich anschließenden Güterhalle lässt er daher Gästezimmer einrichten. Einschließlich weiterer Zimmer in einem in der Nähe von ihm gekauften Haus will er künftig 25 Betten anbieten.Für die Bahnhofsgaststätte stellt er sich eine gute Küche mit "gescheitem regionalem Essen" vor. Außerdem soll es ein möglichst breit gefächertes Angebot für Einheimische wie für Gäste. Neben Konzerten, Vorträgen, Ausstellungen, Wein- und Whiskyverkostungen könnten dort etwa auch Tagungen sowie Yoga-, Koch- oder Instrumentenkurse stattfinden. "Eben alles, was einem so Spaß macht", sagt Schmidt.
Allerdings will er nichts aufpfropfen. Das inhaltliche Konzept soll vielmehr langsam wachsen: "Es geht nicht darum, hier ein tolles UFO landen zu lassen", bremst er etwaige Erwartungen.
Der aus Thalfang stammende 39-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt. Er kennt sich aus mit Musik, Events und allem, was so angesagt ist. Als einer von zwei Geschäftsführern der Kölner Unternehmensberatung Yadastar mit mehr als 40 Mitarbeitern hat er weltweit geschäftlich zu tun.
Das Bahnhofsprojekt ist allerdings Schmidts Privatvergnügen. Mit Vernunft und Überschaubarkeit habe das wenig zu tun, räumt er ein. Als in aller Welt aktiver Hunsrücker möchte er einfach dazu beizutragen, dass sich in seinem Heimatort etwas tut. Schließlich habe Thalfang nicht nur landschaftlich viel zu bieten, sondern liege auch in der Nähe berühmter Weinanbaugebiete, was aber die Auswahl an Ausschankweinen nicht erahnen lasse. Außerdem möchte er an die glanzvollen Zeiten des einst mit viel Liebe betriebenen Musikbahnhofs erinnern. Argumente wie das, es sei schwer, auf dem Land etwas aufzubauen, lässt er nicht gelten. "Wer wie ich viel reist, weiß, wie kulturelle Ödnis wirklich aussieht", sagt er.
Ein Glücksfall für das historische Gebäude ist Schmidts Herz für bauliche Besonderheiten wie das wunderschön geschwungene Giebel-Fachwerk. Statt etwaige Mehrkosten zu befürchten, freut er sich, wenn unerwartet, "was Hübsches zum Vorschein kommt".
Bauherr und Denkmalamt wurden sich daher verhältnismäßig schnell auch in Detailfragen einig, sodass die Baugenehmigung seit Anfang des Jahres vorliegt. Schmidt ist zuversichtlich, noch in diesem Jahr eröffnen zu können. Bis dahin werde er in Umbau und Sanierung des Bahnhofs einen höheren sechsstelligen Eurobetrag investieren. Über das europäische Leaderprogramm steht eine Förderung in Höhe von etwa 94 000 Euro in Aussicht.Extra

Der Thalfanger Bahnhof erlebte seine erste Renaissance in den frühen 1980er Jahren. Junge Leute um den verstorbenen früheren Heidenburger Ortsbürgermeister Dietmar Jäger renovierten in Eigeninitiative das Gebäude. In dem von ihnen betriebenen Musik- und Kunstbahnhof traten teils renommierte Gruppen und Solisten wie "The Lords" oder Konstantin Wecker auf (der TV berichtete). Um 1990 erwarb der spätere Wahl-Thalfanger Christof Meiler den "Musikbahnhof", den er in den folgenden Jahren mehr oder weniger regelmäßig, oft auch nur sporadisch wie etwa für Konzerte, öffnete. Seit einigen Jahren steht das Anwesen allerdings leer. urs