"Es müssen echte Argumente auf den Tisch"

"Es müssen echte Argumente auf den Tisch"

WITTLICH. "Wir schließen", steht seit einer Woche auf dem Fenster des attraktiven Geschäfts. Andere Läden in der Neustraße sind schon jahrelang dicht. "Einen Ruck" als Impuls für das Geschäftsleben, so ist der Stadtmarketingverein überzeugt, könne die Öffnung dieses Teils der Fußgängerzone für den Verkehr bringen.

Sie besuchen alle Fraktionen.Ihr Anliegen: Die Neustraße in Wittlichs Fußgängerzone soll wieder für den Verkehr geöffnet werden. Als Argumentationshilfe legen sie den Entscheidungsträgern im Rat die Studie "Wirtschaftsstandort Innenstadt" ans Herz. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Fußgängerzone, und genau das beschäftigt Udo Braun und Karsten Mathar für den Stadtmarketingverein. "Es müssen echte Argumente auf den Tisch, warum die Straße geschlossen bleiben soll. Ich bin zutiefst überzeugt, das werden sie nicht hinkriegen", sagt Udo Braun: "Alle Schwierigkeiten sind da. Wir müssen sehen, dass Wittlich da raus kommt, damit es eine attraktive Einkaufsstadt bleibt. Ich glaube, dass die Öffnung eine Voraussetzung dafür ist, dass ein Ruck durch die Kaufmannschaft geht, der Synergieeffekte nach sich zieht." Immerhin: "Entwicklung und Durchsetzung von im gesamtstädtischen Interesse zu erstellenden Konzepten zur Verbesserung der Standortqualität" oder auch "Optimierung der Rahmenbedingungen der lokalen Unternehmen in der Stadt" hat sich der Stadtmarketingverein, dessen Vorsitzender Udo Braun ist, als Ziel gegeben. Eine befahrbare Neustraße sei dabei eine Maßnahme. Dazu, dass CDU und Grüne dagegen sind und erst einmal auf einen Generalverkehrsplan pochen, sagt Udo Braun: "Ich frage mich, was da noch große Konzepte sollen, man muss nur wollen. Aber wir können uns vorstellen, dass man ein Grundverkehrskonzept schnell stehen hätte." Der Stadtmarketingverein sei zum Beispiel für einen Großkreisel am Busbahnhof ZOB. Liegen solle er an der Kurfürstenstraße etwa in Höhe des Fußgängerüberwegs am ehemaligen Haus Schumacher. Von dort könne dann die gewünschte Verkehrsverbindung von Ober- zu Unterstadt Richtung Post und weiter über Neustraße zur Himmeroder Straße geschaffen werden. Alternativen zu einer Verbindung Ober-/Unterstadt biete das Stadtbild ansonsten keine. Udo Braun: "Wir wissen nicht, ob wir mit der besseren Erreichbarkeit genau das Richtige haben. Aber eines ist sicher: Es ist nicht das Falsche." "Es ist ein Mosaiksteinchen. Aber bei den Geschäftsleuten ist der Zenit aufgrund mangelnder Kundenfrequenz erreicht. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist, dass Geschäfte überhaupt erreicht werde können", sagt Karsten Mathar und verweist auch auf die Studie, die 2004 vom Bayerischen Staatsministerium herausgegeben wurde. "Eine Fußgängerzone muss die vorhandenen Hauptkundenströme erschließen. Allein die Funktion als Fußgängerzone generiert keine neuen Kundenströme", steht dort. Gefordert wird unter anderem "mindestens ein starker Magnetbetrieb". "Der fehlt noch", sagt Mathar.Ungünstiges Verhältnis Innenstadt - grüne Wiese

Weiterhin wird in der Studie mit dem Verkaufsflächenverhältnis der Innenstadt zur "Grünen Wiese" argumentiert, das weniger als eins zu zwei betragen solle. In Wittlich rechnet man mit 13 675 Quadratmetern in der Innenstadt zu 37 344 "Grüne Wiese" zu 22 146 integrierte Lagen (wie Friedrichstraße) - hinzu kommt noch das Konversionsgebiet. Auf diese Fakten, die gegen die Fußgängerzone sprächen, weist Karsten Mathar hin und sagt: "Die Stadt muss wieder Kommunikationsmittelpunkt werden." "Letztendlich ist jeder seines Glückes Schmied. Aber man muss dazu die Wege haben", sagt Udo Braun, und Karsten Mathar ergänzt: "Leben heißt Bewegung, Stillstand heißt Tod." Zur anstehenden Diskussion im Rat sagen die Vertreter von Stadtmarketing: "Wir werden den Mehrheitsbeschluss zu respektieren haben, aber auf keinen Fall den Füller in die Schublade legen. Wird es abgelehnt, ist das ein Dauerthema für die Zukunft." Heute, 18 Uhr, berät der Wirtschafts- und Marketingausschuss über das Thema "Umwidmung der Fußgängerzone Neustraße in einen verkehrsberuhigten Bereich." Die Sitzung ist nicht öffentlich. Das Thema soll dann noch einmal im Stadtrat am 15. Februar auf den Tisch. Dazu liegen Anträge der FWG sowie der CDU gemeinsam mit den Grünen vor.