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Es regt sich Widerstand gegen neue Stromtrasse

Es regt sich Widerstand gegen neue Stromtrasse

Der Protest gegen den Bau einer neuen Hochspannungsleitung vom Hunsrück nach Osburg wächst. Mehrere Gemeinden entlang der möglichen Trassen kündigen heftigen Widerstand an, sollte die Firma Westnetz die Kabel in Ortsnähe nicht unterirdisch verlegen. Das Genehmigungsverfahren soll Ende 2013 beginnen.

Thalfang. Gemeindevertreter im Hochwald und Hunsrück sind besorgt. Die RWE-Tochterfirma Westnetz plant eine 18 Kilometer lange 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung zwischen Thalfang und Osburg. Über die neue Trasse soll Windenergie-Strom aus dem Hunsrück ins Verteilernetz eingespeist werden (der TV berichtete).
Für den Verlauf der Leitung sind drei Hauptvarianten (siehe Grafik) im Gespräch. Sie führen zum Teil wenige Hundert Meter an Orten in den Verbandsgemeinden Ruwer, Hermeskeil und Thalfang vorbei. Bei der nördlichsten Trasse läge die Freileitung direkt zwischen Lorscheid, Herl und Farschweiler. "Dagegen werden wir massiv Widerstand leisten", kündigt Farschweilers Ortschefin Silke Bigge an. "Wir wären von drei Seiten durch Stromkabel eingekesselt", klagt Gemeinderatsmitglied Elke Morgen. Die Wohnqualität werde darunter leiden, der Grundstücksverkauf "fast unmöglich". Noch mehr beunruhigt die Gemeindevertreter das elektromagnetische Feld der Stromleitung. "Da kommt eine gewaltige Abstrahlung runter", warnt Lorscheids Ortschef Ludwig Welter. "Das Gesundheitsrisiko wollen wir unseren Bürgern nicht zumuten", betont Bigge. Das ist auch für die möglicherweise betroffenen Orte der VG Thalfang der Hauptgrund, oberirdische Leitungen abzulehnen (siehe Extra). Auch Thalfangs Ortsbürgermeister Burkard Graul kündigt Widerstand gegen solche Stromtrassen nah am bewohnten Gebiet an. Immerhin sei Thalfang ja auch Luftkurort. Graul: "Die Leitung soll unterhalb vom Sportplatz gerade mal 300 bis 400 Meter vom Neubaugebiet entfernt verlaufen."
Bevor es so weit kommt, muss die Leitung in zwei Verfahren von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord genehmigt werden (siehe Extra 1). Die Landesbehörde prüft zunächst im Raumordnungsverfahren, welche Trasse die geringsten Folgen für Mensch, Natur und Umwelt hat. Westnetz will den Start des Verfahrens Ende 2013 beantragen, teilt Sprecher David Kryszons mit. Derzeit werde die Raum- und Umweltverträglichkeit aller Trassen untersucht. Die SGD entscheide, welche davon im folgenden Planfeststellungsverfahren weiter geprüft werde.
Erdkabel fordern alle betroffenen Ortsgemeinden dort, wo die Leitung bis 500 Meter an die Orte heranreicht. Das kann Westnetz laut Sprecher Kryszons aber erst prüfen, wenn ein Streckenverlauf feststeht. Erst dann seien die Abstände zu Siedlungen ermittelbar. Kosten seien derzeit auch nur "grob abzuschätzen". Für eine Erdverkabelung lägen sie mit vier Millionen Euro pro Kilometer "über dem Vierfachen der vergleichbaren Freileitung mit 0,9 Millionen Euro". Laut Energiewirtschaftsgesetz müsse der Leitungsbau "wirtschaftlich" sein. Die SGD Nord könne aber eine teilweise Erdverkabelung festlegen. Mehrkosten würden umgelegt. Den Zahlen der Westnetz traut der Herler Ortschef Artur Jäckels nicht: "Ein unabhängiges Institut müsste das schätzen", fordert er. Laut Bürgermeister Bernhard Busch, der die kommunale Federführung hat, können die Ortsgemeinden dies beauftragen. "Sie tragen dafür aber die Kosten." Die Zahlen würden von der Genehmigungsbehörde geprüft. Busch: "Wir fordern mit Nachdruck Erdkabel in Ortsnähe."
Das Verfahren dauert fünf Jahre. Die Gemeinden können darin ihre Einwände gegen das Projekt vorbringen. So lange wollen sie aber nicht warten: "Wir brauchen jetzt eine Diskussion", sagt Gisela Backes, Beigeordnete in Farschweiler. Sie plädiert für eine Bürgerversammlung mit Vertretern von Westnetz. Für die hat der Thommer Ortschef Hans-Peter Michels eine klare Botschaft: "Für Erdkabel gäben wir sofort unser Okay. Westnetz könnte sich ein langes Verfahren sparen."
Extra

Für die neue Stromtrasse ist ein Raumordnungsverfahren bei der Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Nord nötig. In dem Verfahren wird die grobe Trassenführung festgelegt. Landesplaner stellen fest, ob das Vorhaben den Zielen der Raumordnung entspricht. Das Verfahren endet mit einem raumordnerischen Bescheid. Im zweiten Verfahrensschritt wird die Trasse im Detail geplant, und es werden die Kosten ermittelt. Die Pläne werden dann in den Gemeinden ausgelegt, Bedenken können geäußert werden. Sind alle rechtlichen Anforderungen eingehalten, endet das Verfahren mit dem Planfeststellungsbeschluss. cwebExtra

In der VG Thalfang betrifft die Trasse Thalfang, Lückenburg, Burtscheid, Breit, Gielert, Schönberg und Talling. Diese Dörfer haben Erdkabel gefordert. Kurios: In Breit und Talling wird befürchtet, dass oberirdische Leitungen den Bau von Windrädern verhindern, doch der Strom soll ja durch die Trasse geschickt werden. mai