Es wird wieder gebabbelt und geschwätzt

Es wird wieder gebabbelt und geschwätzt

Es wird wieder "gebabbelt, geschwätzt und Mussik gemacht". Seit mehr als 20 Jahren sind die moselfränkischen Mundarttage eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe an der Mittelmosel. Start in diesem Jahr ist am Samstag, 8. Oktober.

Kröv/Bernkastel-Kues/Neumagen-Dhron. Im Süden Deutschlands wird der Dialekt mehr gepflegt als im Norden. Mittendrin, im Westen, ist die moselfränkische Mundart beheimatet. Sie lebt jedes Jahr bei den Mundarttagen auf. Das Gemeinschaftsprojekt der Verbandsgemeinden Neumagen-Dhron, Bernkastel-Kues und Kröv-Bausendorf - die Verbandsgemeinde (VG) Traben-Trarbach ist im vergangenen Jahr ausgestiegen - erfreut sich auch im 23. Jahr seines Bestehens größter Beliebtheit.
Etwa 30 000 Besucher, schätzt Ulf Hangert, Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, haben in all den Jahren die Veranstaltungen besucht. Stets finden sie in den Wintermonaten und im Frühjahr statt, zu einer Zeit, zu der nur wenige Gäste an der Mosel Urlaub machen. Vermutlich hätten auch die wenigsten Fremden etwas davon, denn das moselfränkische Platt ist für Außenstehende nur schwer zu verstehen.

Programm für Einheimische


"Es sind in erster Linie auch Veranstaltungen für Einheimische", sagt Otto Maria Bastgen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf. Sinn und Zweck sei es, den moselländischen Dialekt, der von Ort zu Ort verschieden ist, zu pflegen und zu erhalten. "Dialekt gibt Heimat und ist wesentlicher Bestandteil der regionalen Identität", stimmt sein Amtskollege Ulf Hangert zu.
Gudrun Hüls-Beth aus Kröv, eine Verfechterin des Moselfränkischen, berichtet, dass zumindest in ihrem Heimatort in vielen Familien noch Dialekt gesprochen wird. Der ist in dem Ort, so Bürgermeister Bastgen, sogar "Amtssprache" in den Gemeinderatssitzungen. Und Bastgen räumt mit einem Vorurteil auf. Vielfach würde heute in den Familien kein Dialekt mehr gesprochen, weil die Eltern befürchten, ihre Kinder würden dann in der Schule benachteiligt. Bastgen: "Das Gegenteil ist der Fall."
Dafür gibt es sogar wissenschaftliche Belege. Peter Honnen vom Amt für rheinische Landeskunde in Bonn und Spezialist für Sprachen des Rheinlands, ist der Meinung: Wer mit einer Sprache und einem Dialekt aufwachse, besitze ein besseres Denkvermögen. Gudrun Hüls-Beth, lange Lehrerin in Kröv, sagt: "Kinder, die Dialekt gesprochen haben, konnten die schönsten Aufsätze schreiben. Die hatten einfach ein besseres Sprachgefühl." sim
Die Auftaktveranstaltung (Eintritt 12 Euro) unter dem Motto "Eefel trifft Honsreck unn der Muusel" ist am Samstag, 8. Oktober, 20 Uhr, im Kelterhaus Schorlemer in Zeltingen-Rachtig. Vorverkauf: Mosel-Gäste-Zentrum Bernkastel-Kues, Telefon 06531/500190. Die weiteren Veranstaltungen: Sonntag, 6. November, Moselfränkischer Mundartabend in Kröv; Samstag, 12. Dezember, Mundart-Weinprobe im Bürgerhaus Piesport; Ende November/Anfang Dezember: fünf Aufführungen der Mundart-Theatergruppe des Heimatvereins Monzelfeld in der Bürgerhalle Monzelfeld; Freitag, 25. November, Mundart-Weinprobe in Brauneberg-Filzen; März/April 2012: sechs Mundart-Theateraufführungen mit dem Theaterverein "Minheimer Kuckuck"; sechs Mundart-Theateraufführungen im Gemeindehaus Burgen mit dem Burgener Bühnchen. sim