EU-Weinmarktreform eröffnet Moselwinzern auch Chancen

EU-Weinmarktreform eröffnet Moselwinzern auch Chancen

Mehr als 400 Besucher waren gestern zum Mosel-Weinbautag nach Bernkastel-Kues gekommen. Ihr besonderes Interesse galt den Ausführungen von Weinbauminister Hendrik Hering, der zur neuen EU-Weinmarktordnung sprach. Seine Bewertung: Die Erfolgsstory an der Mosel kann fortgesetzt werden.

Bernkastel-Kues. (sim) Mehrere Jahre wurde über die EU-Weinmarktordnung gestritten, am 1. August 2009 soll sie Realität werden. Das Schlimmste, da sind sich Mosel-Weinbaupräsident Adolf Schmitt und Weinbauminister Hendrik Hering einig, konnte verhindert werden. Und beide sehen sogar Chancen für das Anbaugebiet Mosel, und zwar dann, wenn es gelingt, im Rahmen eines neuen Bezeichnungsrechts die Herkunft Mosel als Qualitätsmarke zu profilieren. Die Möglichkeit dazu besteht, denn das neue System der Ursprungsbezeichnungen eröffnet den Anbaugebieten den Weg, neue Bezeichnungen in einem Schutzsystem, das weltweit gilt, zu etablieren.

Hering ist sich sicher: "Die Mosel kann mit der neuen Marktordnung deutlich machen, dass sie etwas Besonderes ist. Unsere Stärken sind die Regionen mit ihren ganz besonderen Identitäten." Hering erinnerte an die ursprünglichen Entwürfe zur EU-Weinmarktordnung. Die EU-Kommission habe ein grundlegend falsches Verständnis in Bezug auf den Weinbau. Hering: "Wein ist ein besonderes landwirtschaftliches Produkt und keine Massenware wie Reis oder Möhren."

Hering ist davon überzeugt, dass die Reform der Weinmarktordnung dazu genutzt werden könne, den Bürokratieabbau vor anzutreiben. Aufzeichnungs- und Meldepflichten könnten auf das notwendige Maß beschränkt werden. Überlegungen, eine Steuer auf Wein oder andere alkoholische Getränke zu erheben, wie sie kürzlich die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing ins Spiel brachte, erteilte der Minister eine klare Absage. Eine solche Steuer würde das Problem des Alkoholmissbrauchs bei Jugendlichen nicht ausräumen.

Wie wichtig gerade geschützte Ursprungsbezeichnungen für die Mosel sind, verdeutlichte die Wortmeldung von Weinbauverband-Vizepräsident Hubertus Klein. Die Pfälzer und Rheinhessen hätten in fünf Jahren den guten Namen des Dornfelders kaputtgemacht, jetzt geschehe das gleiche mit dem Riesling.

Dass dennoch die Mosel insgesamt auf einem guten Weg ist, zeigte der Auftritt zweier Jungwinzer, die derzeit die Weinbau-Fachschulklasse in Bernkastel-Kues besuchen. Dort werden zurzeit 23 angehende Betriebsleiter ausgebildet. Sascha Ebert und Franz Melsheimer stellten in einer Präsentation die Lehrinhalte der Schule dar.

Über die Podiumsdiskussion zum Thema EU-Weinmarktordnung, unter anderem mit dem Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes, Rudolf Nickenig, berichten wir morgen.