Euphorie leicht gebremst

MORBACH. Morbach geht es finanziell bestens: Die Gewerbesteuereinnahmen erreichen 2006 mit voraussichtlich 9,9 Millionen Euro Rekordniveau (der TV berichtete). Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung bremste Bürgermeister Gregor Eibes jedoch die Euphorie: "Der Schuss kann auch nach hinten losgehen."

Die Zahlen des Nachtragshaushalts 2006, der vom Morbacher Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung im Versammlungsraum der Hauptschule Kurfürst Balduin einstimmig beschlossen wurde, beeindrucken: 9,9 Millionen Euro, rund 100 000 mehr als noch 2005, soll die Gewerbesteuer im Jahr 2006 in die Morbacher Gemeindekasse spülen. Gegenüber dem ursprünglichen Haushaltsentwurf für 2006 hat Gemeindekämmerer Berthold Staudt damit sogar 1,4 Millionen Euro mehr in seiner Kasse. Über dieses Spitzenergebnis freuten sich die Mitglieder des Morbacher Gemeinderats fraktionsübergreifend. Vor allem den Morbacher Betrieben und allen Menschen die dort arbeiten, habe man diese tolle Nachricht zu verdanken, waren sich alle Parteien einig. Doch Bürgermeister Gregor Eibes bremste die Euphorie ein wenig: "Unter dem Strich verbleiben der Gemeinde Morbach von den Mehreinnahmen nur rund 50 Prozent." Denn die Mehreinnahmen bedeuten auch: Die Kreis- und Gewerbesteuerumlage steigen. Das Problem: Diese Umlagen werden erst 2007 fällig. Statt rund sechs Millionen Euro im Jahr 2006 müssen die Morbacher im kommenden Jahr dann voraussichtlich 7,4 Millionen Euro abführen - das entspricht einer Steigerung um 1,4 Millionen Euro. Bei stagnierenden oder gar rückläufigen Steuereinnahmen im kommenden Jahr kann das den Haushalt 2007 laut Eibes stark belasten: "Der Schuss kann auch nach hinten losgehen."Geringster Schuldenstand seit 1989

Trotzdem freut sich auch der Bürgermeister über die Mehreinnahmen, für die damit zusammenhängende stärkere Belastung im kommenden Jahr habe man schließlich ausreichend Rücklagen gebildet. Und das Mehr in der Kasse hat Gemeindekämmerer Berthold Staudt im Nachtragshaushalt 2006 folgendermaßen verplant: Statt die Schulden wie ursprünglich vorgesehen nur um knapp 400 000 Euro zu tilgen, ist nun eine Sondertilgung von 550 000 Euro vorgesehen. Damit sinkt der Schuldenstand um insgesamt rund eine Millionen Euro von zirka sechs auf dann rund fünf Millionen Euro - das ist der geringste Stand seit 1989. "Die Sondertilgung macht diesmal allerdings nur Sinn, weil im kommenden Jahr die Zinsbindung einiger Kredite abläuft", sagt Staudt. Somit werden für die vorzeitige Tilgung kaum zusätzliche Kosten fällig. Im Gegenteil: "Im Folgejahr sparen wir rund 100 000 Euro Tilgung und nochmal zirka 40 000 Euro Zinsen", freut sich der Gemeindekämmerer. Auch weitere Eckdaten des Nachtragshaushalts 2006 lassen sich sehen: Ein ausgeglichener Haushaltsentwurf, ein Vermögenshaushalt mit einem Volumen von rund 5,6 Millionen Euro (2005: 4,5 Millionen Euro) und Investitionen in einer Größenordnung von knapp 4,7 Millionen Euro (200 000 Euro mehr als im vergangenen Jahr). Das entspricht einer Investitionsquote von voraussichtlich weit über 80 Prozent. Und das Entscheidende: die hohen Investitionen werden komplett ohne neue Kreditaufnahme gestemmt. Ein kleiner Wermutstropfen: Im Nachtragshaushalt mussten die Einnahmen durch Veräußerung von Vermögen im Vergleich zum ursprünglichen Haushaltsentwurf um knapp 300 000 Euro auf nunmehr rund 270 000 Euro korrigiert werden. Dazu Eibes: "Im Bereich ,Verkauf von Bauland' war 2006 sicherlich eines der schlechtesten Jahre."