"Europa ist ein Geben und Nehmen"

TRABEN-TRARBACH. Gestern morgen schwärmten die meisten der 99 deutschen Europaabgeordenten in Schulen der Republik aus, um das Interesse der Jugendlichen an der Europäischen Union zu wecken und das Verständnis für die Funktionsweise Europas zu verbessern. Die Europaabgeordnete Christa Klaß aus Osann-Monzel sprach am Gymnasium Traben-Trarbach vor 100 Schülern.

Europa wächst und wird damit nicht nur größer und bedeutender, sondern auch immer undurchschaubarer. Wer weiß zum Beispiel, dass seit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien in die Europäische Gemeinschaft 27 Staaten diesem Bund angehören? Mehrere Schüler des Gymnasiums Traben-Trarbach haben es gestern beim Besuch der Europaabgeordneten Christa Klaß gewusst - was beweist, dass an der Schule der Europagedanke im Lehrplan eine nicht unwichtige Rolle spielt. Zahlreiche Projekte, unter anderem das "Comenius-Programm", werden in den unterschiedlichen Klassenstufen von der Schule durchgeführt. Und in den vergangenen zehn Jahren hatte die Schule Kontakt mit zehn europäischen Schulen. Rund 100 Schülerinnen und Schüler hatten sich gestern im Musiksaal des Gymnasiums versammelt, um mit Christa Klaß im Rahmen des von der Bundesregierung ausgerufenen EU-Projekttages über Europa zu diskutieren. Lehrer Karl-Josef Hammann blickte zu Beginn der eineinhalbstündigen Veranstaltung auf die jüngere Geschichte zurück. Er erinnerte an die Trümmerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg, an den Kalten Krieg und an den Mauerfall im Jahre 1989. Hammann: "Die Schule ist gefordert, die Leistungen Europas herauszustellen. Gleichzeitig müssen wir aber auch den Vereinigungsprozess kritisch begleiten." Christa Klaß sprach über die Anfänge der Europäischen Union, die zunächst dafür sorgen musste, "die Menschen satt zu machen und die Energieversorgung zu sichern". Heute stünden die Themen europäische Verfassung und die Erweiterung der Union sowie der Umweltgedanke im Vordergrund. Klaß: "Es gibt immer noch viele Länder, die beitreten wollen, sie wollen an unserem Wohlstand teilnehmen und vom freien Handel profitieren." Klaß ist sich bewusst, dass viele Menschen hierzulande wirtschaftliche Nachteile befürchten, wenn "arme Länder" der EU beitreten. "Aber", so Klaß, "es ist ein Geben und Nehmen. Und man knüpft neue Freundschaften." Ein Schüler meinte, Europa schotte sich gegenüber Ländern der Dritten Welt ab, ein anderer kritisierte, die EU verteile Subventionen an Empfänger, die es eigentlich nicht nötig hätten. Schließlich wurde auch die Tatsache angesprochen, dass inzwischen rechtsradikale Politiker im Europaparlament eine eigene Fraktion bilden. Klaß erwiderte, dass Europa auch eine "soziale Verantwortung" über seine Grenzen hinaus habe. Ferner müssten die Demokraten im Parlament den "Rechten" Widerstand leisten. Klaß: "Wir müssen dagegen halten und versuchen, demokratisch damit umzugehen."