Exhibitionisten und wilde Bullen

WITTLICH. Polizisten sehen die Stadt aus einem ganz eigenen Blickwinkel. Wolfgang Labusch erzählt unseren Lesern auf einer kleinen Rundfahrt, wo was los ist, war oder auch sein wird in Wittlich.

Auf dem Weg vom Büro an den Wagen weist Wolfgang Labusch rüber zum Minarett in der Morgensonne. "Deshalb hieß mein Job früher ,Kontaktbeamter'", sagt er: "Eine wichtige Aufgabe ist das dauernde in Kontakt bleiben mit den Gruppen der Stadt, zum Beispiel mit den Türken." Zwar heißt der Job heute "Bezirks- und Kriminaldienst", doch das Kontakthalten bleibt an vorderster Stelle. Deshalb fährt Labusch heute zunächst zum Ortstermin in den Oberen Sehlemet: Beim Treffen mit Verantwortlichen der Stadt wird beraten, wie die Reparatur der zerstörten Deckschicht zu organisieren ist. Weiter geht es an der AOK vorbei. "Auf dem Parkplatz war mal einer der Treffpunkte für junge Russlanddeutsche, die aber keinem etwas getan haben", erzählt Labusch. Es geht weiter zum Bungertkreisel, für Labusch eine gelungene verkehrstechnische Lösung. Wir nehmen die Ortsumgehung in Richtung Salmtal. "Hier gab es vor 15, vielleicht 20 Jahren drei Tote bei einem Flugzeugabsturz", erinnert sich Labusch, als wir den ehemaligen französischen Sportplatz passieren. In Höhe des Kasernenkreisels fällt ihm der ausgebrochene Bulle ein, der in Richtung Innenstadt unterwegs war und seinerzeit einen quergestellten Streifenwagen demolierte. Glück für die drinnen sitzenden Kollegen, dass nicht mehr passierte. Richtig liebenswert sei die Stadt geworden, begeistert sich Wolfgang Labusch im Karree Boxtelstraße. Abgesehen von wenigen Ausnahmen, und die säßen gerade wieder mal im Gefängnis, sei doch hier die Welt noch in Ordnung. 1972 war der Pfälzer zur Ausbildung hergekommen, für ein halbes Jahr, aus dem ein ganzes Leben wurde. An der Ampel Bergweilerweg/Trierer Landstraße warten wir auf grün. "Früher begleiteten wir hier die Grundschulkinder über die Straße." Nur noch wenig Unfälle mit Kindern in der Stadt

Heute ist dieser Dienst durch die Schulwegbegehung mit den Erstklässler ersetzt. Eine absolut sinnvolle Sache, weiß Labusch: Unfälle mit Kindern passieren seitdem kaum noch in der Stadt, wo der Nachwuchs an die Gefahren des Verkehrs gewöhnt ist. Im Vorbeifahren weist er mit dem rechten Daumen in den Stadtpark. "Da hab ich vor ein, zwei Jahren einen Exhibitionisten in schwarzen Damenstrümpfen aus dem Gebüsch geholt." Täglich kontrolliert er den Wohnmobilparkplatz im Sportzentrum. Immer wieder gibt es Ärger, weil Leute einfach in die Natur sch.... "Dies wird wohl die nächste Baustelle." Wir passieren die Himmeroder Straße, fahren den Sporgraben hinauf, weiter durch die Kalkturmstraße über den Rollkopf. Ein besonderer Schwerpunkt für häusliche Gewalt? Labusch schüttelt den Kopf. "Nein, die findet ausnahmslos in allen Stadtvierteln statt." Am Ende gehen wir auf einen Kaffee, vorbei am ZOB, ja, da hat es einige Schlägereien gegeben. Labusch genießt das Päuschen am Pariser Platz, wird von rechts und links gegrüßt: Man kennt ihn. "Oft erzählen mir in solch entspannten Situationen die Leute, wo sie der Schuh drückt." Und das nicht nur während der Dienstzeit und nicht immer nur aus dem Arbeitsgebiet, das Labusch zugewiesen ist. Wie die Dame, die gleich eine Handvoll Zeitungen abonnierte, "... weil dieser junge Mann doch so nett war", und sie gar nicht zahlen konnte. Ehrensache, dass er die Kündigung des Vertrages aufsetzte.