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Experten brechen eine Lanze für Nationalparks

Experten brechen eine Lanze für Nationalparks

50 Experten haben sich in Birkenfeld getroffen, um zu diskutieren, wie sich das Thema Wildnis besser in der Öffentlichkeit vermarkten lässt. Schwerpunkt der zweitägigen Tagung war, wie man Einwendungen gegen Schutzgebiete begegnen kann.

Birkenfeld/Thalfang/Hermeskeil. Karl-Friedrich Sinner war 13 Jahre Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. "Als ich die Aufgabe 1998 in Grafenau übernommen habe, war kurz zuvor die Fläche des Nationalparks gegen teils massiven Widerstand verdoppelt worden", berichtet der 70-Jährige. Als er dann in den Ruhestand gegangen sei, waren die Menschen dankbar, dass mit dem Schutzgebiet wichtige Impulse für die Regionalentwicklung gesetzt wurden. Trotzdem gibt es oft eine ablehnende Haltung gegen die Ausweisung von Schutzgebieten, sagt Manuel Schweiger. Der Wildnisreferent der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die zusammen mit dem Freundeskreis Nationalpark Hunsrück zu der Tagung in Birkenfeld eingeladen hatte, betont, dass es bei der Ausweisung von großräumigen Schutzbereichen wichtig sei, die Bevölkerung in den Prozess mit einzubeziehen. "Das ist für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald vorbildlich umgesetzt worden", sagt Schweiger. 50 Kämpfer für Wildnisgebiete haben in Birkenfeld verschiedene Kommunikationsstrategien entwickelt, wie den Ängsten - etwa vor Brennholzknappheit, vor dem Verlust von Arbeitsplätzen oder der ungebremsten Ausbreitung des Borkenkäfers - begegnet werden kann. Sachargumente allein würden die Skeptiker nicht überzeugen, weiß Maria-Christina Nimmerfroh. Die Journalistin rät, auch die emotionale Ebene anzusprechen. Ein Aspekt, den auch Karl-Friedrich Sinner unterstreicht.
"Das Thema Wildnis ist mit Urängsten verknüpft. Hänsel und Gretel finden im Märchen aus ihr nur zurück, weil sie sich mit Steinen ihren Rückweg markieren. Sie konfrontiert uns mit dem Tod", sagt der frühere Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Dabei könne man von der Natur lernen, dass sie sich auch dann entwickelt, wenn der Mensch nicht eingreift. So beschreibt er, wie der Fischotter, nachdem er fast ausgestorben war, sich Anfang der 2000er Jahre wieder im deutsch-tschechischen Grenzgebiet ansiedelte, "dank des Borkenkäfers".
Eine Entwicklung, mit der niemand nach dem Absterben großen Fichtenflächen gerechnet habe. "Aber nachdem in den Bächen der Forellenbestand wuchs, fühlte der Fischotter sich plötzlich wieder sehr wohl." Marcus Foerster, Mitglied im Vorstand des Fördervereins Nationalpark Senne-Eggegebirge, nimmt von der Tagung viele Ideen mit. "Ich werde mich weiter für die Ausweisung eines Nationalparks auf dem Truppenübungsplatz südlich von Bielefeld einsetzen. Die Geschwindigkeit, mit der das Schutzgebiet im Hunsrück ausgewiesen wurde, beweist, dass die Menschen auch ein Herz für die Wildnis haben." itzExtra

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat für Wildnisentwicklungsgebiete folgende Kriterien aufgestellt: "In Deutschland gibt es in der Zukunft wieder großflächige Wildnisgebiete (Zielkorridor 2 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands bis zum Jahre 2020), in denen Entwicklungsprozesse natürlich und ungestört ablaufen und die weitere Evolution der Arten und Lebensgemeinschaften stattfinden kann." Das entspricht den Forderungen der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, auf deutsch: Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen). Deutschland wird in dieser Nichtregierungsorganisation vom Bundesumweltministerium vertreten. itzExtra

"Willkommen im Urwald von morgen" - unter dem Motto steht das erste Jahresprogramm des Nationalparks Hunsrück-Hochwald, das Umweltministerin Ulrike Höfken und ihr saarländischer Amtskollege Reinhold in Mainz vorstellt haben. Zu 365 Veranstaltungen lädt der Nationalpark 2016 ein. Im Schnitt können Besucher jeden Tag im Jahr einen Termin im Park wahrnehmen. Im Urwald von morgen können wilde Buchenwälder, einzigartige Hangmoore, steinige Rosselhalden oder Spuren der Kelten erkundet werden. "Erstmals gibt es auch einen gemeinsamen Veranstaltungskalender für die ganze Nationalpark-und Naturpark-Region", sagte Höfken. Naturpark Saar-Hunsrück, das Hunsrückhaus und der Nationalpark gehen gemeinsame Wege. Die Veranstaltungsprogramme finden Besucher nun in den Touristinformationen der Region. red