Fackelschein im Fluss

Tausende Zuschauer verfolgten ein feucht-fröhliches Treiben auf der Mosel, das so alt ist wie der Weihnachtsmarkt. Zum 37. Mal sorgten 180 Fackelschwimmer für den bislang publikumsstärksten Tag des Weihnachtsmarktes. Auf der Bernkastel-Kueser Moselbrücke herrschte Betrieb wie beim Weinfest.

Bernkastel-Kues. "Sie kommen, sie kommen", geht ein Aufschrei durch die Menschenmenge. In der Ferne ist auf der glitzernden Wasseroberfläche eine weithin leuchtende Kette aus tanzenden Lichtern zu sehen, und jede Menge roter Nikolausmützen werden sichtbar. Der Geruch brennender Fackeln liegt in der Luft. Fröhliche Rufe begleiten den leuchtenden Lindwurm im Fluss. Gleichzeitig ertönen weihnachtliche Bläserklänge vom Boot des Bernkasteler Rudervereins, der mit dem Nikolaus an Bord seine Runden vor dem Cusanusstift dreht. Auch die Glocken von St.Michael, die die Nikolausmesse einläuten, mischen sich in die Melodien der Bläser.Eine ganz besondere Atmosphäre


Dieses Spektakel auf der Mosel lässt sich ein teils weit angereistes Publikum in keinem Jahr entgehen. Der Sporttaucherclub "Oktopus" ist Ausrichter dieser Großveranstaltung.
Über die wachsende Anzahl der Zuschauer und die große Teilnehmerzahl aus Taucher- und Rettungsschwimmergruppen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland freuen sich nicht nur die Organisatoren Petra und Klaus Keukert. Es waren erneut rund 180 Teilnehmer, die sich in Trocken- und Nassanzügen zunächst am Kueser Hafen bereit machen für die Moselreise flussabwärts bis zum Tiefenbach am Bernkasteler Moselufer. Für ihre Sicherheit sorgen stets die Wasserschutzpolizei sowie zwei Boote mit Aktiven der Freiwilligen Feuerwehren Mülheim und Brauneberg.
"Es war wunderbar", schwärmt Monika Schmidt, als sie aus den Fluten steigt. Mosella Alexandra und Karnevalsprinzessin Diana vom KV Huckebein stimmen ihr zu. Während Schmidt zum sechsten Mal dieses besondere Ereignis miterlebte, war es für die beiden "Hoheiten" die sognannte "Wassertaufe". Thomas Schmitt von der Freiwilligen Feuerwehr Bernkastel hat sie zu dem feuchten Spaß überredet. Der Feuerwehrmann selbst ist "Wiederholungstäter", so wie Wolfgang Pastor. Beide sind seit 15 Jahren mit Begeisterung dabei.
Am Ufer wärmt sich eine Tauchergruppe die Hände am Feuer aufeinandergestapelter Fackeln. Währenddessen wärmt sich die Engländerin Carol Jull am Stand von "Oktopus" mit Glühwein auf. Zum vierten Mal stieg sie ins Wasser und sagt: "Wonderful, I feel very good". (Wunderbar, ich fühle mich sehr wohl). Die 60-Jährige hat auch ihren Sohn Stewart überredet, mitzumachen. Vielleicht traut sich im nächsten Jahr auch Carols Ehemann Terry mitzuschwimmen. Auch wenn die Strecke im Fluss aufgrund der geringen Strömung etwas anstrengend war, sind nur strahlende Gesichter zu sehen.
"Das Schönste unserer Tour ist die besondere Atmosphäre in der Gemeinschaft und der fantastische Blick vom Wasser aus auf die erleuchtete Burg und die weihnachtlich strahlende Stadt", sagt ein Fackelschwimmer. Für die wartenden Kinder aber ist das Schönste die Ankunft des Nikolaus mit seinen Geschenken.Extra

Ein Taucheranzug schützt den Körper des Tauchers im Wasser vor Unterkühlung. Die ersten Anzüge bestanden aus Leder und Metall (Anfang des 15. Jahrhunderts), seit Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Gummi verwendet, und seit 1954 wird vor allem Neopren eingesetzt. Unterschieden wird zwischen Nass-, Halbtrocken- und Trockenanzügen, die auf unterschiedliche Weise vor Auskühlung schützen. Zur besseren Kälteisolation wird der Anzug zudem mit Taucherhandschuhen, Füßlingen und Kopfhaube ergänzt. mbl