Fahndungen, Festnahmen und Fingerabdrücke – Die Kriminalinspektion in Wittlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Polizeiarbeit Teil 8 : Fahndungen, Festnahmen und Fingerabdrücke – Die Kriminalinspektion in Wittlich

In Wittlich gibt es viele Einheiten der Polizei, die es sonst in der Region an keinem anderen Standort gibt. Im achten Teil der TV-Serie geht es um die Aufgaben der Kriminalinspektion.

Morgens um 4 Uhr klingelt das Telefon der Kriminalpolizei (Kripo) in Wittlich. Ein Mensch ist in der Nacht gestorben, die Umstände sind noch ungeklärt. Die Beamten von der Schutzpolizei, die von der Polizeiinspektion aus zum Einsatzort geschickt wurden, fordern die Kollegen der Kripo an. Dort angekommen finden die Polizisten überall auf dem Boden Unterlagen, herausgezogene Schubladen und Ordner vor, die Wohnung sieht durchwühlt aus. Der Tote liegt im Wohnzimmer, seine Finger berühren leicht eine Waffe auf dem Boden, als sei sie ihm aus der Hand gerutscht. Die Beamten beginnen also mit dem Sichern von Beweisen, wie zum Beispiel Fuß- oder Fingerabdrücken, Reifenspuren, Körperflüssigkeiten oder Haaren. Danach bringen sie sie zur Auswertung. Denn klar ist der Fall nicht: Ist die verwüstete Wohnung ein Zeichen dafür, dass jemand Fremdes in der Wohnung war? Handelt es sich um einen Suizid oder um Fremdeinwirkung?

So ungefähr kann ein Einsatz für die Beamten der Kriminalpolizei in Wittlich aussehen. Die zentrale Frage für die Polizisten ist dabei immer: Hat hier eine Straftat stattgefunden oder nicht? Das ist das erste, was Bernd Rehm, Erster Kriminalhauptkommissar und Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Wittlich, zur Arbeit der Kripo erklärt. Um diese wichtige Frage zu beantworten, fangen die Beamten an, den Ort des Geschehens zu untersuchen und beispielsweise die Todesursache in Erfahrung zu bringen. Stirbt ein Mensch und der herbeigerufene Arzt stellt eine ungeklärte oder sogar unnatürliche Todesursache fest, versucht die Kripo herauszufinden, was die Gründe dafür gewesen sein könnten. Denn mögliche Gründe gibt es viele – darunter Mord, Totschlag, Suizid, Drogenmissbrauch oder auch ein Unfall.

Aber nicht nur bei Todesermittlungen wird die Kriminalpolizei auf den Plan gerufen, sondern grundsätzlich bei allen Fällen, die in den Bereich der mittleren bis schweren Kriminalität fallen. Dafür ist die Inspektion in sieben Kommissariate aufgeteilt, die auf ihr jeweiliges Fachgebiet spezialisiert sind.

Kriminaloberkommissar Michael Schöler (rechts) nimmt Fingerabdrücke, um sie in die Datenbank aufzunehmen. Foto: TV/Marlene Bucher

Für die Todesermittlungen ist das Kommissariat 1 zuständig. Abgesehen davon kümmern sich die Beamten dieses Fachbereichs aber auch um Vermisstenfälle oder Brände. Bei Brandermittlungen müssen die Polizisten herausfinden, was die Brandursache war und ob es sich um Brandstiftung handelt.

Das Kommissariat 2 kümmert sich um Fälle von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Auch das Verbreiten pornografischer Schriften, Zuhälterei, exhibitionistische Handlungen oder Vergewaltigungen fallen in deren Zuständigkeitsbereich. Bernd Rehm sagt: „Vor allem im Internet verbreiten sich pornografische Schriften sehr schnell. Das gleiche gilt leider auch für Kinderpornografie.“

Für die Rauschgiftdelikte ist das Kommissariat 3 zuständig. Rehm erzählt: „Aus diesem Fachbereich komme ich ursprünglich, ich war aber auch schon in verschiedenen anderen. Jeder hat da sein Spezialgebiet und wird dann auch dementsprechend eingesetzt.“ Vor allem, weil das Zuständigkeitsgebiet der Wittlicher Kriminalinspektion an Luxemburg und Belgien grenzt, ist der Rauschgifthandel über die Grenze hinaus ein relevantes Thema für die Polizeibeamten. Aber auch im Inland ermitteln die Beamten des dritten Fachbereichs unter anderem bei gewerbsmäßigem Rauschgifthandel oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BTMG).

Das Kommissariat 4 beschäftigt sich mit dem Verbraucher- und Umweltschutz und den sogenannten Vermögensdelikten. Begriffe wie Betrug, Unterschlagung, Geldfälschung, Bestechung oder Untreue sind in diesem Fachbereich also an der Tagesordnung. Aber auch um Verstöße gegen das Tierschutz- oder Urheberrechtsgesetz kümmern sich die Beamten. Ein Beispiel für einen Fall der Kripo im Umweltschutz sind die Ölfässer, die kürzlich im Naturschutzgebiet in Binsfeld gefunden wurden.

Im Kommissariat 5 dreht sich alles um die Eigentumsdelikte. Vereinfacht gesagt: Diebstahl und Raub. Hier ermitteln die Polizisten unter anderem bei Bandendiebstahl oder auch bei räuberischen Erpressungen. Rehm erklärt: „Wir sind nicht für die ganz kleinen Diebstähle zusändig, das macht erst mal die Schutzpolizei. Aber sobald zum Beispiel ein Auto dafür aufgebrochen wird, sind wir an der Reihe.“

Sobald nach einem Täter gesucht wird, ist in der Wittlicher Kriminal­inspektion das Kommissariat 6 am Zuge. Gibt es ein Phantombild oder eine Täterbeschreibung, erstellen die Mitarbeiter dort beispielsweise Fahndungsplakate oder leiten weitere Fahndungsmaßnahmen ein. Zudem ist der Fachbereich für die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zum Schutz der Allgemeinheit zuständig, vor allem im Bezug auf gefährliche Rückfalltäter.

Und last but not least: Das Kommissariat 7. Es trägt den Namen Kriminaltechnik und umfasst dabei unter anderem die Arbeit am Tatort, also die Sicherung der Beweise und deren sichere Übermittlung an die zuständige Auswertungsstelle. Und auch die Datenverarbeitung darf nicht fehlen – darum kümmert sich der siebte Fachbereich ebenfalls.

Ein unschöner Aspekt der Arbeit in der Inspektion sind laut Rehm die Fälle, in denen jemand eine Straftat anzeigt, und sich dann später herausstellt, dass alles nur erfunden war. Leider komme so etwas ab und zu vor, beispielsweise in einem Beziehungsstreit, in dem der eine dem anderen so Schaden zufügen möchte. Der Dienststellenleiter sagt: „Man hat dann bereits Arbeit in den Fall investiert und Leute daran ermitteln lassen, deren Zeit man eigentlich sinnvoller hätte einsetzen können.“

Allerdings sei die Arbeit glücklicherweise auch im positiven Sinne sehr vielseitig. „Jeder Fall ist anders. Man weiß nie, was einen erwartet, wenn man zu einem Einsatz fährt. Das macht es so abwechslungsreich und interessant“, sagt Rehm. An seiner Arbeit schätze er, dass er selbstständig arbeiten kann. „Ich muss selbst entscheiden, was am wichtigsten ist und dann dementsprechend eins nach dem anderen erledigen und die Leute einteilen.“ Diese Entscheidungen zu treffen bedeute dabei gleichzeitig auch, Verantwortung zu übernehmen. Es lohne sich aber auch nach den 40 Jahren, die Rehm schon bei der Kripo dabei ist, jedes Mal wieder, sie getroffen zu haben – wenn mal wieder nach monatelangem Ermitteln ein Erfolg dabei herausspringt.

Die anderen Teile der Polizeiserie gibt es hier.

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