Falsch aufgestelltes Gesellschaftssystem

Falsch aufgestelltes Gesellschaftssystem

Ende der letzten Woche war in den Medien zu lesen und zu hören, dass sich Deutschland auf einen drastischen Klimawandel einstellen muss. Bis Ende dieses Jahrhunderts soll die mittlere Jahrestemperatur voraussichtlich um zwei bis drei Grad steigen.

Umweltminister Gabriel warnte auf Grund der jüngsten Szenarien von Klimaforschern, dass "der letzte deutsche Gletscher bis 2020 auf der Zugspitze verschwunden sein wird". Einer Modellrechnung des Umweltbundesamtes zu Folge, könnte bis zum Jahre 2100 die durchschnittliche Jahrestemperatur um 1,5 bis 3,7 Grad Celsius über den vergleichbaren Werten der Zeit zwischen 1960 und 1990 liegen und nach internationalen Klimaberichten wird die globale Temperatur ohne drastisches Umsteuern bis zum Ende des Jahrhunderts um zwei bis fünf Grad steigen. Gabriel betonte, dass die EU bis 2020 ihren Kohlendioxid-Ausstoß um 30 Prozent reduzieren müsse, allein Deutschland bis zu 40 Prozent. Aber wie soll Deutschland das schaffen, wenn allein der Straßenverkehr ein Fünftel des gesamten Kohlendioxidausstoßes ausmacht? Unser Gesellschaftssystem ist meines Erachtens falsch aufgestellt! Ob Freizeit, Arbeit, Einkaufen, gesellschaftliches und kulturelles Leben - alles wird in Zentren konzentriert, und die Politik erwartet von den Bürgern mehr Flexibilität und vor allem steigende Mobilität. Aber was heißt das besonders für Menschen in unserer strukturschwachen Region Eifel-Mosel-Hunsrück? Es heißt, dass wir, um von einem Ort zum anderen zu kommen, mit dem Fahrzeug "pendeln" müssen, denn unsere Region ist mehr als dürftig mit ÖPNV-Angeboten ausgestattet. Wir müssen, um unsere Arbeitsplätze zu erreichen oder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, immer wieder auf den motorisierten Individualverkehr zurückgreifen. Es ist dringend nötig, Schritte hin zu mehr Dezentralisierung zu wagen! Es muss wieder möglich werden, wohnortnah zu arbeiten und wohnortnah einkaufen zu können, um sich mit dem Bedarf für das tägliche Leben einzudecken. Es bedarf einer gewaltigen Anstrengung aller, um die Dezentralisierung einzuleiten, aber wir haben keine Wahl. Wir müssen, und da hat der Leiter des Potsdamer Instituts für Klimaforschung, Hans Joachim Schellnhuber, Recht, Stadt- und Landleben neu erfinden. Hans Jörg Krames, Wittlich

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