Kolumne Liss : Familienpolitik

Ich will ja nichts sagen,

aber wie sich die Gemeinderäte zusammensetzen, das erstaunt mich immer wieder. Also erstens sind da einige Ehepaare vertreten. Gut, das hat es schon immer gegeben, und es spricht ja nichts dagegen, wenn sich beide politisch engagieren. Aber dann in verschiedenen Parteien? Zum Beispiel im Morbacher Gemeinderat: Da sitzt der Ulrich Anton inmitten der CDU-Fraktion, seine Frau Bärbel bei den Grünen. Oder im Thalfanger VG-Rat, wo Siegbert Ott die Interessen der CDU und seine Frau Petra die der SPD vertritt. Ich würde ja gerne wissen, wer bei denen zu Hause die Hosen anhat und ob man das im Rat dann auch merkt.

Aber noch mehr Verbindungen sind bei Eltern und ihrem Nachwuchs zu beobachten. Da gibt es die rebellischen Kinder, die nicht nach ihren Eltern kommen, wie Jonas Schwarz, der für die SPD neu in den Morbacher Rat gerückt ist und der von seinem Papa Tobias Schwarz von den grünen Bänken aus aufmerksam beäugt wird.

Und dann ist da der Nachwuchs, wo die politische Erziehung der Kinder im Sinne der Eltern besser geklappt hat, als im VG-Rat Thalfang, wo Burkhard Graul und Tochter Sandra Adam bei der SPD tätig sind.

Das ist übrigens kein ausschließliches Hunsrücker Phänomen, siehe in Bernkastel-Kues, wo Tochter Karina Wächter darüber abstimmt, was Papa Leo Wächter als künftiger Bürgermeister zu erledigen hat. Also für mich bekommt da der Begriff Familienpolitik eine ganz neue Bedeutung.

Die Morbacher Freien Wähler müssen natürlich da noch einen drauf legen. Denn Lisa Rech muss sich im Gemeinderat nicht nur gegen Vater Achim Zender, sondern auch noch gegen Schwiegervater Hans Josef Rech behaupten. Wenn die mal Kinder hat, dann sitzen in 18 Jahren bestimmt zwei Großväter, die Mutter und mindestens ein Enkelkind bei den Freien im Rat.

Das ist dann schon fast wie bei Fürsten und Königen: Irgendwann werden die Mandatssitze bestimmt vererbt,

meint Eure Liss