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Familienstreit endet vor Gericht: 23-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Familienstreit endet vor Gericht: 23-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Ein wildes Fahrmanöver kommt einen 23-Jährigen teuer zu stehen. Das Amtsgericht Wittlich hat ihn unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt und ihm die Fahrerlaubnis entzogen. Auslöser für das Verhalten des jungen Mannes war die heimliche Beziehung seiner 17-jährigen Nichte mit einem verheirateten Mann.

Die 17-jährige Tochter trifft sich mit einem zehn Jahre älteren Mann. Ein Mann, der überdies verheiratet ist und keinen guten Ruf hat. Es ist naheliegend, dass Eltern nicht begeistert sind, wenn sie eines Sonntags erfahren, dass die Tochter trotz Verbots ihre Beziehung zu dem Mann heimlich aufrechthält.

Der Haussegen hing ordentlich schief an jenem Sonntag im April. Und für den Vater war klar: Den Freund der Tochter wollte er zur Rede stellen. Ein Vorhaben, das ordentlich in die Hose ging und letztlich darin endete, dass sich gestern der Onkel der 17-Jährigen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Straßenverkehrsgefährdung und Nötigung vor dem Wittlicher Amtsgericht verantworten musste. Der 23-Jährige wohnte mit seiner Nichte, seinem Bruder und dessen Frau unter einem Dach und kam an jenem verhängnisvollen Tag in dem Moment nach Hause, als die Nachbarin mitgeteilt hatte, dass sie die 17-Jährige mit dem älteren Mann gesehen habe. "Mein Bruder wollte zu dem fahren", berichtet der Angeklagte, "doch er war betrunken, deswegen habe ich gesagt, dass ich fahre."

Just als die beiden Männer ins Auto einsteigen wollten, kam die Tochter nach Hause. Doch statt deswegen von ihrem Vorhaben abzulassen, machten sich die Brüder auf den Weg zu ihrem Freund. Und auch die 17-Jährige stieg noch in den Wagen. "Alle waren auf 280, nicht nur auf 180", schildert der 23-Jährige die Stimmung während der Fahrt: Sein Bruder habe mit der Tochter gestritten, diese habe zurückgebrüllt und er selbst sei "schnell unterwegs" gewesen.

"Die Situation ist total entglitten", meint sein Verteidiger Ralph Schira. "Es liest sich wie ein Krimi, was da abgegangen ist", sagt Strafrichterin Silke Köhler über das, was folgte: In Höhe von Wittlich-Bombogen entdeckte die 17-Jährige das Auto ihres Freundes. "Das war ein dummer Zufall", sagt der Angeklagte, "meine Nichte schrie: ,Da ist er', mein Bruder hat geschrien - das war ein riesiges Durcheinander."

Als "unüberlegt" bezeichnet der nicht vorbestrafte Auszubildende sein dann folgendes Fahrverhalten; Strafrichterin Köhler dagegen nennt es "Wildwest-Manier": Der 23-Jährige überholte in viel zu schnellem Tempo zwei vor ihm fahrende Autos, bis er sich vor den Wagen des Mannes befand. Dann bremste er ab, zwang diesen damit zur Vollbremsung und stellte seinen Wagen quer auf die Fahrbahn. "Da hätte wer weiß was passieren können", sagt Köhler. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Die zwei Männer stiegen aus, wollten den Freund der 17-Jährigen zur Rede stellen. Diese allerdings lenkte die beiden ab, sperrte sich in den Wagen des Vaters ein, machte Anstalten, mit dem Auto davonzufahren und eröffnete ihrem Freund so die Möglichkeit, unbehelligt das Weite zu suchen.

Während das Mädchen schon eine Weile nicht mehr mit ihrem damaligen Freund zusammen ist, hat der Vorfall für ihren Onkel ein teures Nachspiel: Zu einer Geldstrafe von insgesamt 1200 Euro verurteilt ihn Strafrichterin Köhler. Außerdem muss er weitere drei Monate auf seine Fahrerlaubnis verzichten, die er bereits im Juli abgeben musste.