Fans außer Rand und Band

BERNKASTEL-KUES. Rund 500 meist jugendliche Fußballfans erlebten auf der Großleinwand auf dem Karlsbader Platz eine mitreißende Begegnung zwischen Deutschland und Ecuador.

Wenn es auch am Schluss nicht 9:0 hieß, wie sich Simon auf seine Stirn geschrieben hatte, so jubelten die Fußballfans auf dem Karlsbader Platz der deutschen Nationalelf dennoch enthusiastisch zu. Tanzend auf Tischen und Bänken genossen die meist jugendlichen Fans den Sieg der deutschen Mannschaft. An diesem Nachmittag stand für die jungen Leute der Fußball ganz oben auf dem "Stundenplan". "Hausaufgaben werden später gemacht, auch wenn's dann schwer fällt", sagen einige junge Fußballfans. Tipps fürs Torverhältnis machen die Runde. Die Schüler aus der Werkstufe der Rosenbergschule machten sich mit Manuela Kappes als "farbechte" Deutschlandfans singend auf den langen Weg durch die Weinberge vom Kueser Plateau hinunter zur Großleinwand nahe der Mosel - ganz nach dem Motto: "Was ein echter Fan, dem ist kein Weg zu weit." Manuela Kappes hatte sich in eine Deutschlandfahne gewandet, ganz zu Ehren der Nationalelf entschloss sich die Hosenliebhaberin, schwarz-rot-goldene (Rock)Farbe um die Hüften zu bekennen. Kein Weg zu weit war auch Guido Lotz, der mit dem Zug von seiner Arbeitsstätte in Koblenz nach Hause und mit seinem Sohn Nicolas zum öffentlichen Ort des Fußballgeschehens eilte. Das Fußballfieber grassierte in allen Alterstufen, auch wenn die jüngere Generation aufgrund der Uhrzeit in der Überzahl war. "Schmetterlinge im Bauch" hatte Hilde Dahlheimer, die sich bisher alle Spiele auf der Leinwand angesehen hat. "Die Gemeinschaft, das Mitfiebern, die Euphorie und die Spannung, einfach super!", beschreibt sie die Atmosphäre. Die 73-Jährige tippt natürlich auf einen Sieg der Deutschen. Einen Tisch weiter halten Nils Fass und Frederic Servatius den Atem an - Tor! Hüte, Schals, Flaggen und Arme - alles fliegt in die Luft. Ein euphorischer Blick auf die Leinwand - auch wenn das Bild nicht alles hergibt. Je sonniger das Wetter, desto trüber die Sicht. Deutschland, Deutschland ist aus aller Munde zu hören. Doch halt, es gibt unter der einheitlich schwarz-rot-goldenen Menge einen einsamen Außenseiter, der ganz fest an Ecuador glaubte. Anel Dzubur, Sohn ecuadorianischer Eltern, tut lauthals kund, dass sein Herz für Gelb-Blau Rot schlägt. Dass "unsere Jungs" aber Weltmeister werden, daran hat nicht nur Friseurmeisterin Elke Mickel keinerlei Zweifel. Christian Böhm , mit schwarz-rot-goldenem Haarschopf, drückt ganz fest für Deutschland die Daumen. "Die spielen gut, die haben beste Chancen, ins Finale zu kommen." Fritz Lord , gut behütet in den Deutschlandfarben, fiebert mit seinen Freunden auf dem Karlsbader Platz mit der Deutschen Mannschaft: "Die sind super, die schaffen den Sieg." Manuela Kappes glaubt an den Einzug der deutschen Elf ins Finale, sie ist mit ihrer Klasse von der Rosenbergschule/Plateau nach Bernkastel gezogen: "Mit solchen Fans im Rücken muss unsere Elf einfach siegen."