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Fast jeden Tag ein Einsatz: Die Bilanz der Wittlicher Feuerwehr

Fast jeden Tag ein Einsatz: Die Bilanz der Wittlicher Feuerwehr

Egal ob der Brand an einem Wohnhaus, vollgelaufene Keller, Lkw-Unfälle oder eine Katze, die nicht mehr vom Dach kommt: Die Wittlicher Feuerwehr ist zur Stelle, wenn es brenzlig wird. 2016 so oft wie lange nicht mehr.

Seit neun Jahren ist Christian Vollmer Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich. In seiner Amtszeit hat er schon viel gesehen. Doch 2016 sei das Jahr mit den meisten Einsätzen gewesen, das er in seiner Zeit als Feuerwehr-Häuptling von Wittlich erlebt habe. Insgesamt habe die Feuerwehr 308 Mal ausrücken müssen (Stand: 30. November 2016). Ein Grund für die vielen Einsätze sei der starke Regen im Frühjahr gewesen. Die Lieser sei über- und die Keller in den Häusern vollgelaufen. Aber auch Lkw-Unfälle auf der Autobahn hätten die Wehr beschäftigt.

Im März sei beispielsweise auf der A1 in Höhe der Abfahrt Wittlich-Mitte ein mit zwölf Tonnen Äpfel beladener Sattelzug umgekippt. Der habe sich dabei den Tank aufgerissen, Diesel und Äpfel waren über die Straße verteilt. Daneben seien es aber auch Brände gewesen, die die freiwilligen Feuerwehrleute des Stadtgebietes 2016 in Schach gehalten hätten. Vollmer erinnert sich an einen Brand in der Wittlicher Innenstadt. Die Bewohner seien vom Balkon gesprungen. Wie durch ein Wunder sei dabei niemand verletzt worden. Das Haus hingegen sei vollständig ausgebrannt.

Zudem fällt dem 49-Jährigen seit einiger Zeit auf, dass die Feuerwehrleute immer öfters Türen zu Wohnungen öffnen müssten, in denen ältere Menschen tot aufgefunden würden. "Tragisch ist nicht der Tod, sondern die Tatsache, dass diese Menschen alleine sterben mussten", sagt Vollmer. Gegenüber diesen tragischen Ereignissen scheinen Tierrettungen eine willkommene Ablenkung für die Männer und Frauen der Feuerwehr zu sein. In der Wittlicher Innenstadt habe eine Katze von einem Dach gerettet werden müssen, weil sie es alleine nicht mehr geschafft habe, herunterzukommen. Die Feuerwehr sei mit der Leiter angerückt und habe das Tier wieder sicher zurück auf den Boden geholt.

Dort steht die Freiwillige Feuerwehr Wittlich derzeit mit beiden Füßen: Sie verfügt über 140 Wehrleute. "Personell sind wir gut besetzt. Wir konnten sogar noch aufstocken", erzählt Vollmer stolz. Und das nicht nur beim Personal.

2016 sei ein neues Fahrzeug im Wert von 300.000 Euro angeschafft worden, das es ermögliche, auch dort zu löschen, wo es nur wenig Wasser gebe. Das sogenannte PTLF-4000, was soviel heißt wie Pulver-Tank-Lösch-Fahrzeug, ist neben 4000 Liter Wasser auch mit Speziallöschmitteln wie CO2 und Löschpulver beladen. Außerdem ist die Feuerwehr in Wittlich die einzige Wehr im Landkreis Bernkastel-Wittlich, die ein solches Fahrzeug besitzt. Für 2017 soll ein Vorausrüstwagen gekauft werden, welcher beispielsweise bei Verkehrsunfällen zum Einsatz käme. Kostenpunkt: etwa 120.000 Euro.

Laut dem Wehrleiter ist es aber auch die Logistik, die die Feuerwehr in Wittlich so stark macht. Dazu zähle beispielsweise eine einheitliche Ausbildung der Wehrleute an den vier Standorten des Stadtgebietes in Wengerohr, Neuerburg, Lüxem sowie der Innenstadt. Problemlos könnte so ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau, die sich während eines Notfalls in der Nähe einer der vier Stationen befinde, auch dort ihren Dienst antreten.

Für 2017 wünscht sich Vollmer, dass dieses universelle Prinzip verbessert und die einheitliche Ausbildung sowie die technische Ausstattung der Wittlicher Feuerwehr vorangetrieben wird.
Meinung Mehr Freiraum für freiwillige Feuerwehrleute

von Sebastian Grauer

Der Einsatz der freiwilligen Feuerwehrmänner und -frauen ist ganz wichtig. Das Engagement in der örtlichen Feuerwehr lobenswert. Deswegen müssen die Arbeitgeber der Feuerwehrleute auch akzeptieren, wenn diese wegen eines Einsatzes, ihren Arbeitsplatz oder Dienstort spontan verlassen müssen. Sie setzen sich schließlich nicht in die Kneipe, sondern löschen Brände und retten Menschenleben. Daran dürfte auch der Arbeitgeber Interesse haben, sollte es mal in der eigenen Firma brennen. Denn auch dann sind es zumindest in Wittlich, Freiwillige, die bereitstehen und ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen.
s.grauer@volksfreund.de