Fasten bringt fette Umsätze

MORBACH/MÜLHEIM/BOLLENDORF. Voll im Trend sind Wellness- und Gesundheitsthemen im Urlaub. Nicht nur zur klassischen Fastenzeit bringen entsprechende Pauschalen innovativen Hoteliers volle Auslastung. Bayern gilt als "Fastenmekka", die Region Trier muss nachziehen.

Wer denkt, eine reichhaltige Gastronomie sei ein unbedingtes Muss für eine erfolgreiche Hotellerie, liegt neuerdings bisweilen falsch: Drei Anbieter in der Region machen für ihre Kollegen vor, was süddeutsche Gastgeber schon lange erfolgreich praktizieren. Jens Schiffmann aus Mülheim/Mosel, Lissa Armbruster aus Morbach/Hunsrück und Saskia Braun vom Hotel Ritschlay in Bollendorf/Südeifel setzen auf den Gesundheitstrend und bieten aufwändige Fastenwochen an, die vor allem in den klassisch weniger ausgelasteten Wintermonaten für eine ausreichende Gästezahl sorgen. Derzeit hat das ganzjährig auf Wellness und Ernährungsthemen spezialisierte Landhaus Schiffmann die Bettenkapazität voll ausgelastet, und zum Jahreswechsel 2004/2005 steht ebenfalls kein opulentes Festmahl an, sondern auf vielfachen Gästewunsch gibt es das Silvesterfasten, das schon jetzt zur Hälfte ausgebucht ist: "Um Mitternacht öffnen wir dann eine Magnumflasche Sprudel." Das Hotel Ritschlay konzentriert sich im Frühjahr und im Herbst jeweils vier Wochen lang voll auf Fastende, bei Lissa Armbruster ist ein Großteil der Zimmer selbst in der andernorts flauen Nebensaison mit Fastenden belegt. "Bei uns machen diese Gäste 61 Prozent des Umsatzes aus, 5800 Übernachtungen jährlich generieren wir allein über das Fasten", erläutert Schiffmann mit Blick auf eine sorgfältig geführte Statistik, die ebenfalls preisgibt, dass bei ihm 81,9 Prozent der Gäste Frauen sind, in der Regel von 30 bis älter als 50 Jahren. "Das sind normalerweise keine gestressten Hausfrauen, sondern relativ gut betuchte Berufstätige in mittleren bis gehobenen Jobs", bestätigt Armbruster diesen Trend. Die Damen und vereinzelten Herren lassen nicht nur viel Geld in ihrem Hotel, sondern auch in der gesamten Region, beobachtet Schiffmann.Gesunde Zutaten von regionalen Erzeugern

"Wenn in den Wintermonaten Winzer oder Boutiquen Zulauf haben, dann handelt es sich dabei meist um unsere Gäste", schildert er die Rückmeldung der regionalen Gewerbetreibenden. Er hat 15 Mitarbeiter fest angestellt, die als Krankenschwester, Masseur oder Diplomsportlehrer für das körperliche Wohl bei den Fastenwochen sorgen. Zudem ist er dank der vielen Fastengäste in der Lage, im neuen Berufsbild der Kosmetikerin auszubilden. "Das ist eine Riesenchance für Jugendliche in der Region, wir hatten enorm viele Bewerbungen." "Man hat vielleicht weniger Materialaufwand als mit normaler Gastronomie", begegnet Lissa Armbruster dem gängigen Vorurteil, man bekomme bei einem Fastenurlaub fast Nichts für viel Geld, "aber der Personalaufwand ist ungleich intensiver". Zudem seien die Gemüse für entsprechend leichte Brühen und die Tees notwendigerweise so hochwertig, dass hieran nicht gespart werden könne. Die gesunden Zutaten stammen überwiegend von regionalen Erzeugern, wiederum mehr Wertschöpfung, die vor Ort bleibt. Der klassische Fastenurlaub dauert im Übrigen mindestens sieben Tage und fällt nicht unter die Kategorie der Kurztrips, die ansonsten die Verweildauer der Gäste prägt und innerhalb der Woche nicht die volle Auslastung bringt. Armbruster, Braun und Schiffmann sind durch eigene Fastenerfahrungen auf die Idee gekommen, solche Ferien in ihren Häusern anzubieten, alle drei haben sich als Fastenleiter qualifiziert. Schiffmann ist zugleich Vorstandsmitglied der Deutschen Fastenakademie und hat sich im Internet 28 Domains mit Fasten im Titel gesichert, so dass man beinahe zwangsläufig auf sein Landhaus trifft. Er wäre froh, wenn mehr Kollegen die lukrative Nische besetzten und dafür sorgten, dass die Region Trier ein weiteres Mekka für gesundheitsbewusste Urlauber wird. Saskia Braun, die seit zehn Jahren eng mit den luxemburgischen "Faastewanderfrënn" kooperiert, merkt jedoch an, dass man als Hotelier am besten selbst überzeugter Fastender sein sollte, weil der Restaurantsektor zeitweise als Verdienstquelle ausfalle: "Man muss sein Haus während der Angebote komplett auf das Fasten umstellen, eine Mischung mit normalen Urlaubern geht nicht."