1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

FDP-Politikerin Wagner will Manderscheider Burgen wieder aufbauen: „Nennt es ruhig eine verrückte Idee“

FDP-Politikerin Wagner will Manderscheider Burgen wieder aufbauen: „Nennt es ruhig eine verrückte Idee“

Rita Wagner, Vorsitzende der FDP-Fraktion im Verbandsgemeinderat Wittlich-Land, hat eine außergewöhnliche Idee: Sie will, dass die Manderscheider Burgen wieder aufgebaut werden. Mit Mut und Kreativität könne ein solches Projekt in 25 bis 30 Jahren realisiert werden.

Als Rita Wagner auf der Sitzung des VG-Rates Wittlich-Land im Rahmen ihrer Haushaltsrede in wenigen Sätzen andeutete, man könne doch die Manderscheider Burgen wieder aufbauen, schauten viele Ratsmitglieder etwas ungläubig, einige lächelten oder schüttelten den Kopf. Rita Wagner weiß, dass ihre Idee ziemlich fantastisch und abenteuerlich klingt. Für die meisten sei ein solches Projekt unvorstellbar, sagt sie, ergänzt aber selbstbewusst: "Und wenn mich jemand wegen der Idee für verrückt hält, empfinde ich das als Kompliment." Sie sei jetzt über 60 Jahre alt, das Projekt Manderscheider Burgen-Aufbau habe sie schon seit über zehn Jahren im Kopf. Wagner: "Es wird Zeit, dass ich endlich den Anstoß gebe."

Die Idee, eine mittelalterliche Burg aufzubauen, ist nicht neu. Rita Wagner verweist auf das Burgbauprojekt Guédelon in der französischen Gemeinde Triegny, 150 Kilometer südöstlich von Paris. Dort entsteht auf freiem Feld eine mittelalterliche Burg. Baubeginn war im Jahr 1997, die Fertigstellung ist für das Jahr 2023 angepeilt.

Der Begründer des Projekts, Michel Guyot, hatte seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts einige Schlösser und Burgen in der Region restauriert und dabei Erfahrungen gesammelt. Mit der Burg Guédelon setzte er einen lange gehegten Traum in die Tat um. Nach vielen Vorbereitungen und einer längeren Suche nach einem geeigneten Platz, an dem ausreichend Baumaterialien wie Stein, Holz und Wasser zur Verfügung stehen, wurde 1997 in einem stillgelegten Steinbruch mit dem Bau begonnen.

Das Besondere: Dabei kommen Methoden des 13. Jahrhunderts zur Anwendung. Es wird so weit wie möglich auf moderne Technik wie Krane, Baumaschinen und Wasserwaagen verzichtet. 50 vollberufliche Arbeiter und in der Hauptsaison bis zu 16 Freiwillige sind dort tätig. Die Arbeiten ruhen von November bis März.

Zunächst wurde das Projekt als unseriös abgetan. Als sich die Ernsthaftigkeit und der zunehmende Baufortschritt abzuzeichnen begannen, förderten der Staat Frankreich und die EU Guédelon mit 2,5 Millionen Euro. Seit Auslauf dieser Förderung trägt sich das Großprojekt selbst durch Spenden, Eintrittsgelder, Merchandising und Gastronomie. Inzwischen besuchen Jahr für Jahr über 300.000 Menschen, darunter viele Schüler, die Baustelle.

Auch Rita Wagner denkt daran, Kinder und Jugendliche mit einzubeziehen. In Manderscheid gebe es eine Jugendherberge und ein Jugenddorf, außerdem könne man Mittelalterfreunde dafür begeistern. Wagner: "Es geht auch darum, Geschichte erlebbar zu machen."

Als Partner und Förderer kämen unter anderem die EU, die Handwerkskammer, Denkmalpflege und Universitäten infrage. Außerdem sei eine Zusammenarbeit mit Luxemburg und Frankreich denkbar. Auf politischer Ebene hat sich Rita Wagner noch nicht weit vorgewagt. Ein Gespräch mit VG-Chef Dennis Junk hat es bislang gegeben. Der habe sich grundsätzlich offen gezeigt. Junk gegenüber dem TV: "Das Projekt in Frankreich zeigt, dass eine solche Idee nicht völlig utopisch ist. Auch der Bau der Hängebrücke Geierslay im Hunsrück ist zunächst als unrealistisch betrachtet worden. Heute ist sie eine der größten Touristenattraktionen im Land."

Seitdem die Manderscheider Burgen vom Eifelverein auf die Stadt Manderscheid übergegangen sind, ist man bemüht, die Burgen touristisch besser zu vermarkten. Junk: "Es lohnt sich immer, über kreative Vorschläge zu diskutieren."
Rita Wagner schlägt als nächstes vor, mit einer Delegation nach Frankreich zur Burg Guédelon zu fahren, um sich zu informieren und Anregungen zu holen. Extra

Die Manderscheider Burgen, Ober- und Niederburg, sind die Wahrzeichen der kleinen Eifelstadt. Ober- und Niederburg standen sich über viele Jahre feindlich gegenüber. Hier trafen die Herrschaftsbereiche des Kurfürsten von Trier und der Manderscheider Grafen aufeinander. Nur das enge Liesertal teilt die beiden Burgen voneinander und schafft so ein einzigartiges Ensemble von Natur und Kultur. Die Oberburg ist die älteste der beiden Burgen in Manderscheid. Ursprünglich im luxemburgischen Besitz ging die Oberburg 1147 an das Erzstift Trier über. Danach blieb sie bis zur Auflösung des Kurstaates und ihrer Zerstörung durch die Franzosen (1673) im Besitztum der Trierer. Die Niederburg, 1173 erstmals urkundlich erwähnt, war lange im Besitz des Manderscheider Grafengeschlechts. Sie stellt sich in ihrer Anlage als viel umfangreicher als die Oberburg dar. Sie wurde um 1800 von den Franzosen zerstört.