FDP stellt Kandidaten für Kreistagswahl in Bernkastel-Wittlich auf

Kommunales : Die Liberalen setzen auf die Mitte

Die FDP im Landkreis Bernkastel-Wittlich hat in Bernkastel-Kues  ihre Kandidaten für den Kreistag gewählt. Nach 35 Jahren  Mitgliedschaft im Kreistag überlässt Dirk Richter dem Finanzexperten Robert Wies den ersten Listenplatz.

„Irgendwann muss mal Schluss sein. Ich gehöre dem Kreistag seit 1984 an und habe das jetzt 35 Jahre lang gemacht. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, die Liste in dieser Wahl nur noch von hinten anzuführen,“ sagt Dirk Richter aus Mülheim, der im Landkreis Bernkastel-Wittlich als diskussionsfreudiges liberales Urgestein gilt und schon viele Debatten mit den großen Parteien ausgefochten hat.

Kreisvorsitzender Frank Klein leitet die Wahl  der Bewerber für den Kreistag im Zylinderhaus in Bernkastel-Kues und überlässt die Eröffnungsrede dem   Ehrenvorsitzenden Dirk Richter. Der  blickt  zurück und skizziert das Programm der Liberalen für den Wahlkampf. „Wir sehen in Bernkastel-Wittlich Licht am Ende des Tunnels, auch wenn der Bernkasteler Tunnel momentan noch gesperrt ist,“ sagt Richter augenzwinkernd. Nach Jahren des Stillstands seien in den vergangenen Monaten wichtige Straßenprojekte in Angriff genommen worden.

Der Ausbau der Kreisstraßen, die Einrichtung von flächendeckendem schnellem Internet und auch der Ausbau von Kitas und Schulen seien große Aufgaben, um den Landkreis weiter zu entwickeln.

Richter bezieht auch klare Stellung zur aktuellen Kontroverse um Feinstaubgrenzwerte: „Der ländliche Raum hat auch mit Mobilität zu tun. Der derzeitige Krieg gegen das Automobil ist nicht unser Weg. Wir wollen den Leuten die Mobilität nicht nehmen. Das hat auch was mit Freiheit zu tun“.  Immerhin gebe es nun den Stundentakt im Öffentlichen Personennahverkehr, wobei Richter hofft, dass dieser auch angenommen werde und das nicht am Ende leere Busse durch die Landschaft fahren.

Der 72-jährige Mülheimer  erinnert dabei auch an heftige Kreistagsdebatten der Vergangenheit: „Wir haben uns in der Energiewende im Kreistag kontrovers positioniert, denn es ist nicht alles Gold, was glänzt. Windkraft und Biogas - das sind für den Städter bequeme Themen. Aber auf dem Land ist das auch mit Beeinträchtigungen der Landwirtschaft verbunden.“

Es dürfe nicht sein, dass es für Landwirte günstiger sei, Mais für Biogasanlagen anzubauen als Nahrungsmittel.  Auch die Windkraft sieht Richter kritisch, die auch mit einer Entwertung von Häusern und Grundstücken in der Nähe der Anlagen verbunden sei. „Was den Ranzenkopf betrifft, haben sich unsere Wege mit der CDU getrennt.“

Robert Wies, den die Versammlung neben weiteren 47 Kandidaten gewählt hat, erinnert sich an den Anfang seiner politischen Karriere: „Ich bin 1984 in die FDP eingetreten. Da hat Dirk Richter zu mir gesagt: Der Wies schafft beim Finanzamt, der kann Zahlen!“ Dass er bei der Stadtbürgermeisterwahl vor vielen Jahren in Bernkastel-Kues als Gegenkandidat zu Wolfgang Port  verloren hatte, hatte ihn damals nicht überrascht und er sieht es dennoch positiv: „Einer alleine da vorne? Das ist nichts! Die Leute müssen in der Politik immer eine Wahl haben.“

Wies will dann auch die Politik der FDP im Kreis fortführen, die sich als eine Partei der Mitte sieht, die bisweilen auch zwischen den Positionen der CDU und SPD vermitteln will.

Auf den Top 5 der Liste, die bei einem ähnlichen Wahlausgang wie in der vorangegangenen Legislaturperiode auch eine reale Chance auf einen Sitz haben, finden sich neben Robert Wies Frank Klein (Morbach), Willi Müllers (Kröv), Hannelore Reuter-George (Traben-Trarbach) und der ehemalige Morbacher Kurt Müllers, der nun in Brauneberg lebt.  Als Newcomerin   hat die Versammlung die 23-jährige Vorsitzende der Jungen Liberalen Mara Gudelj (gesprochen Gudeli) aus Neumagen gewählt, die als kaufmännische Angestellte im elterlichen Betrieb arbeitet und Betriebswirtschaftslehre an der Uni Trier studiert.

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