Justiz : Fehlende Reue, mangelnde Einsicht

Drogen, Körperverletzung, Beleidigung: Ein junger Mann hat sich vor dem Jugendschöffengericht verantworten müssen. Bei fast allen angeklagten Taten war Alkohol im Spiel – was sich nun auch im Urteil widerspiegelt.

() Er hat sich geschlagen, Polizisten beleidigt und verletzt sowie illegal Drogen gekauft: Wegen mehrerer Taten hat ein 19-Jähriger gestern in Wittlich vor Gericht gestanden. In der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht hat er mehrfach anderen die Schuld für seine zahlreichen Taten gegeben, nie aber sich selbst.

Eines der Verfahren, wegen einer gemeinsamen Körperverletzung, für die sich der 19-Jährige mit zwei Freunden verantworten musste, wurde gestern vorläufig eingestellt. Für alle anderen Taten wurde der Angeklagte jedoch bestraft.

Die Anklage: Die Verlesung der Anklageschrift vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Wittlich hat am Dienstag fast zehn Minuten gedauert. Drei jungen Männern, die in Wittlich oder der Verbandsgemeinde Wittlich-Land leben, wurden folgende Taten zur Last gelegt: Das Trio, zwischen 19 und 21 Jahre alt, soll im vergangenen Sommer gemeinsam einen jungen Mann geschlagen haben. Zudem soll der 19-jährige Hauptangeklagte mehrfach Menschen verletzt haben und mehrfach Widerstand gegen die Polizei geleistet und auch die Beamten tätlich angegriffen haben.

Auch soll der damals 18-Jährige  im Trierer Palastgarten Drogen gekauft und konsumiert haben sowie einem Bekannten ein Handy gestohlen haben.

Die Aussagen: Die Polizisten, die von dem jungen Mann angegriffen und beleidigt worden waren beziehungsweise gegen die er Widerstand geleistet haben soll, sagten vor Gericht ausnahmslos das Gleiche über den Angeklagten. Wenn er nüchtern sei, könne man durchaus mit ihm sprechen. Sei er jedoch angetrunken, was er nach seiner eigenen Aussage bis vor drei Monaten regelmäßig war, sei kein Herankommen an ihn möglich gewesen, so die Polizisten. Er habe sich im Rausch gegen alle Befehle und Aufforderungen gewehrt, die Beamten erheblich und fortlaufend beleidigt und auch verletzt. Auch einen Freund seines ehemaligen Vermieters soll der 19-Jährige, der während der Tat 1,95 Promille hatte, nach einer gemeinsamen Feier angegriffen und verletzt haben.

Weiterhin soll er sich, so die Jugendgerichtshelferin, nicht an Regeln von Ämtern gehalten haben, die Schule trotz guter Noten und guter Aussichten auf einen Abschluss abgebrochen haben, und er gehe derzeit keiner geregelten Arbeit nach. Als er wegen des Kaufs von Cannabis zehn Sozialstunden leisten musste, habe er diese Auflage nach fünfeinhalb Stunden ebenfalls unerlaubt abgebrochen.

Das Urteil: Die Auflagen, die der junge Mann nun erfüllen muss, sind wesentlich höher. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Josef Thul verurteilte den jungen Mann wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte, tätlichem Angriff auf Polizisten, fahrlässigem Vollrausch sowie wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln zu acht Monaten Jugendstrafe auf Bewährung. Letztere ist auf zwei Jahre ausgesetzt. Als Auflagen bekommt der 19-Jährige einen Bewährungshelfer und darf keinen Alkohol und keine Drogen konsumieren, was er bei regelmäßigen, gerichtlich angeordneten Kontrollen nachweisen muss.

Zudem wurde er zu einer Woche Warnschussarrest verurteilt. Als Warnschussarrest wird ein Jugendarrest bezeichnet, der von Gerichten als Ergänzung zu einer zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe verhängt werden kann, wenn der Richter zu der Auffassung gelangt, dass eine Bewährungsstrafe allein dem straffälligen Jugendlichen das Unrecht seines Verhaltens nicht deutlich genug vor Augen führen würde.

 Ausschlaggebend war für das Gericht bei der Bemessung der Strafe auch, dass der Angeklagte während der Verhandlung keine Spur von Reue oder Einsicht gezeigt habe. Da halfen dem Angeklagten auch die Krokodilstränen nicht, die er vergoss, als der Richter ihm nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und seines Verteidigers das letzte Wort erteilte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.