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Feinster Jugendstil begeistert noch heute

Feinster Jugendstil begeistert noch heute

Vor 102 Jahren wurde im klassizistischen Eckhaus Brücken straße/Moselstraße erstmalig ein Geschäft eröffnet. Die Ausstattung präsentierte sich im feinsten Jugendstil, und der begeistert auch heute noch die Kunden.

Traben-Trarbach. (GKB) "Das war damals Karbachs Eck, eine Metzgerei", weiß Konrad Weinzheimer, der mit seiner Mutter das Gebäude 1983 erwarb. 50 Jahre lang, von 1939 bis 1989, hatte Röschen Imig ein Fischgeschäft in dem einstmals von der Wiesbadener Firma Steinberg & Vorsanger mit glasierten und ornamentierten Fliesen ausgestatteten Verkaufsraum. Regale wurden in die Fliesen gedübelt, die mit ihren Weiß-, Blau- und Grüntönen für optische Kühle und Frische sorgten. Als Konrad Weinzheimer Hausherr wurde, gab es viel zu sanieren. 120 000 D-Mark investierte er gemeinsam mit dem Frankfurter Geschäftsmann Michael Baldauf und dem Landesamt für Denkmalpflege in den Jugendstilladen. "Die Plättchen an der Wand waren kaputt und mussten nachgemacht werden", erinnert sich Weinzheimer. Bis zu 200 Mark pro Stück kosteten die Einzelanfertigungen, die im Westerwald hergestellt wurden.Theke schwimmt beim Hochwasser davon

Die Trierer Glasmalerei Binsfeld widmete sich der Decke, baute die Opalglasplatten aus und erneuerte die grünen Ornamente. 1992 erhielt das Geschäft eine neue, dem Jugendstil nachempfundene Tür, die die Traben-Trarbacher Schreinerei Grube anfertigte. Auch die mit einer Marmorplatte abgedeckte Theke mit ihrer prächtig ornamentierten Frontseite musste, so Weinzheimer, "auf Vordermann gebracht" werden. Ihr wurde das Jahrhunderthochwasser von 1993 zum Verhängnis: Die Ladentür war ausgehängt worden, um sie vor den Fluten zu retten und die in aller Eile auf Klötze hochgestellte Theke machte sich mit der Mosel davon. "Durch die starke Strömung, die auch im Inneren des Ladens herrschte, wurde sie von den Wellen hochgehoben und trieb durch die offene Tür ab. Einzelne Kacheln wurden später auf der B 53 unterhalb der Moselbrücke gefunden", stand am 5. Janaur 1994 im Trierischen Volksfreund. "In Reil wurde sie angeschwemmt", sagt Weinzheimer. Beschädigt und verdreckt wurde ihr wahrer Wert nicht erkannt, und Helfer entsorgten sie mit anderem Treibgut.Später veranlassten zwei Geschäftsleute einen Nachbau aus Holz, der dem Original täuschend ähnlich sah. Diese Theke zierte einen Delikatessen-Laden. Anschließend eröffneten drei Traben-Trarbacher Winzer ein Weinkontor in dem Geschäft und danach wurden Backwaren verkauft. Jetzt hat sich der Kreis geschlossen, Sabine Müller aus Irmenach hat sich vor zwei Wochen selbstständig gemacht und verkauft Fisch im feinen Jugendstil-Ambiente.