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Ferienfreizeit: Seit 15 Jahren werden in Hupperath Träume aus Lehm gebaut

Ferienfreizeit: Seit 15 Jahren werden in Hupperath Träume aus Lehm gebaut

Eine Ferienfreizeit, bei der zehn Tage lang ein selbst gebautes Lehmdorf im Mittelpunkt steht, ist in der Region einzigartig. Und das schon zum 15. Mal.

Afrikanische Trommelklänge und zweistimmiger Gesang von Kindern - das hört man, wenn man in das Lehmdorf beim Hupperather Spielplatz kommt.

Knapp 80 Kinder ab acht Jahre und mehr als 20 Betreuer sind in diesem Jahr mit dabei. Das Motto: Musik bewegt. In der Praxis heißt das: Bewegungsspiele, trommeln und singen.

Kinder können T-Shirts bemalen, Noten werden notiert. Und natürlich wird mit Lehm gearbeitet. In diesem Jahr werden die beiden bereits bestehenden Gebäude renoviert und ein neuer Pizzaofen gebaut. Darum haben sich vor allem die Jugendlichen gekümmert. Sie haben die Steine besorgt und organisiert, dass ein Rahmen geschweißt wurde. Die Jüngeren werden dann den Lehm und die Lehmziegel anbringen.

In diesem Jahr haben die Teilnehmer sogar Ziegel selbst gebrannt. "Wir wollen hier nicht alles vorgeben, sondern die Kinder und Jugendlichen sollen selbstständig und lösungsorientiert arbeiten", erklärt Wally Spang, Hauptorganisatorin des Lehmdorfs. Daneben sollen die Kinder mitbestimmen und -gestalten können. Das fängt bereits im Januar an, wenn sich Betreuer und Kinder erstmals treffen. Es wird über Projekte gesprochen und die Kinder können Vorschläge machen, auch zur Essensauswahl.

Anja Stolz, die sich mit einem vierköpfigen Team um die Verpflegung kümmert, berichtet: "Da stehen auch mal Roastbeef oder Spanferkel zur Debatte, aber wir müssen das auch umsetzen können. Bei Döner, Käsespätzle, Wraps oder Smoothies ist das schon eher möglich." Sie ergänzt: "Es wird frisch und mit Bioprodukten gekocht."
Beim Lehmdorf gibt es jedes Jahr ein Leitmotiv, das manchmal von der Sportjugend übernommen wird, die als Dachverband fungiert. In den vergangenen Jahren war das beispielsweise Disney oder Indianer. "Beim Indianer-Motto haben wir die Ferienfreizeit sogar mit einem Pferd eröffnet", erinnert sich Betreuerin Barbara Müller.
Da es nicht möglich ist, 80 Kinder gleichzeitig auf dem Platz des Lehmdorfs zu beschäftigen, hat sich in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Aktionsprogramm entwickelt. Es gibt einen Besuch auf einem Bauernhof mit Übernachtung, einen Waldtag, einen Tag an und in der Salm. Es werden Fahrradtouren gemacht, Freizeitparks besucht und es wird Wasserski gefahren.

"Naturerfahrung und Nachhaltigkeit erleben sind für uns ebenfalls wichtige Bestandteile der Freizeit. Wir haben schon Schokoladenriegel selbstgemacht von der Kakaobohne an, machen Käse auf dem Bauernhof und waren bei einem Imker zu Besuch", sagt Wally Spang. Für viele Kinder seien das neue Erfahrungen. "Alleine schon die Berührungsängste gegenüber dem Lehm zu überwinden ist für manche ein Erlebnis", so die Erzieherin, die im örtlichen Kindergarten arbeitet. Die meisten Kinder sind mehrere Jahre dabei, so wie Sophie Falkenburg. Sie sagt: "Es wird nie langweilig, weil jedes Jahr neue Sachen gemacht werden und für unterschiedliche Altersgruppen Angebote da sind."

Für das Lehmdorf zahlen die Kinder 40 Euro. Aktionen, für die Geld nötig ist, beispielsweise Wasserski oder der Besuch im Freizeitpark, können sie extra dazu buchen. "Aber es sind maximal 100 Euro für zehn Tage", sagt Wally Spang.

Ermöglicht wird das Lehmdorf, das die Spielvereinigung Minderlittgen-Hupperath zusammen mit dem Musikverein Hupperath veranstaltet, durch den ehrenamtlichen Einsatz der Helfer und Zuschüsse von der Kreisverwaltung, der Verbandsgemeinde und der Sportjugend. "Es ist auch toll, wie wir von den Hupperather Firmen und Privatleuten unterstützt werden. Egal wo wir nachfragen, die Türen stehen uns immer offen", freut sich Barbara Müller.
Wer Interesse hat, sich das Geschehen im Lehmdorf einmal anzusehen, kann das am heutigen Freitag, 14 Julli, tun. Dann ist ab 16 Uhr das Abschlussfest, zu dem auch die Öffentlichkeit eingeladen ist.