Ferienpark "Marina Weingarten": Wer macht wem Druck?

Ferienpark "Marina Weingarten": Wer macht wem Druck?

Werden Weinbergsbesitzer in Zell und Briedel unter Druck gesetzt, damit sie ihre Grundstücke an einen Ferienparkinvestor verkaufen? Das zumindest behauptet eine Bürgerinitiative.

Zell/Briedel. Die Bürgerinitiative (BI) "Erhalt der Kulturlandschaft Zeller Hamm" erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verbandsgemeindeverwaltung Zell und die Projektgesellschaft "Marina Weingarten". Dabei geht es um das 30 Hektar große Weinbergsgelände zwischen Zell-Kaimt und Briedel, auf dem ein holländischer Investor 200 Ferienhäuser bauen will. Derzeit laufen die Verhandlungen zum Grundstückserwerb. Wir haben die Verantwortlichen zu den Vorwürfen befragt.

Vorwurf 1: Laut BI sind mehr als fünf Winzer nicht bereit, ihre Weinberge zu verkaufen. Die BI geht davon aus, dass mehr als 30 Parzellen nicht verkauft werden.

Was die Verwaltung sagt: Fünf Grundstückseigentümer haben verbindlich erklärt, nicht verkaufen zu wollen. Mit einigen Eigentümern stehen noch Verhandlungen an; andere wiederum haben sich noch gar nicht zu einer Verkaufsbereitschaft geäußert.

Vorwurf 2: Die BI sagt, es werde "bewusst der falsche Eindruck erweckt, der Grunderwerb sei schon in trockenen Tüchern und es stehe der Realisierung nichts mehr im Wege".

Was die Verwaltung sagt: Bürgermeister Karl Heinz Simon erklärt, er habe in allen Infoveranstaltungen und Ratssitzungen betont, dass es erst Klarheit in punkto Realisierung gibt, wenn das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist. Bisher sei nie der Eindruck erweckt worden, der Grunderwerb sei schon "in trockenen Tüchern".

Vorwurf 3: Laut Bürgerinitiative wird das Problem mit den Tauschflächen bagatellisiert. Viele dieser Ersatzflächen entsprächen von der Lage und der Bewirtschaftung her nicht den Vorstellungen der Winzer, behauptet der BI-Vorstand.

Was die Verwaltung sagt: Die bisherigen Gespräche haben ergeben, dass nicht alle Tauschwünsche erfüllt werden können. Dadurch erhöht sich die Zahl der nicht verkaufsbereiten Winzer. Andererseits haben Planungsrunden gezeigt, dass das Ferienparkgebiet verschoben werden kann. Dadurch fallen die Grundstücke, die nicht verkauft werden, ohnehin aus der Planung raus. Letztlich kann die Zahl der Weinberge, die in das Projekt integriert werden, erst nach Abschluss der Verhandlungen genannt werden. Daraus ergibt sich dann der Zuschnitt des Plangebietes.

Vorwurf 4: Nicht verkaufsbereite Grundstückseigentümer sind nach Information der Bürgerinitiative von "involvierten Stellen" unter Druck gesetzt worden - durch Anrufe und Fristsetzungen.

Was die Verwaltung sagt: Die Projektgesellschaft "Marina Weingarten" hat ein privates Sachverständigenbüro beauftragt, das die Grundstückskaufverhandlungen führt. Der VG-Verwaltung liegen keine Hinweise vor, dass Eigentümer unter Druck gesetzt worden sind. Bürgermeister Simon betont: "Für Gespräche, an denen Vertreter der Verbandsgemeindeverwaltung beteiligt waren, weise ich diesen Vorwurf ausdrücklich zurück."