Festnahme am Tag nach dem Regen

RIVENICH/HETZERATH. Das gefährliche Zündeln hat wohl ein Ende: Die Kripo hat einen der Brandstiftung rund um Rivenich verdächtigen Mann gefasst, nachdem die Serie der Flächenbrände am Wochenende weiter ging. Der Gefasste wäre ein Wiederholungstäter. Er ist bereits wegen einer Brandserie im Jahr 2003 verurteilt worden. Zuletzt soll er am Samstag drei Brände gelegt haben.

Das Muster war ähnlich: Brand auf Brand auf den Feldern und Wegen rings um Rivenich in kurzen zeitlichen Abständen. So war es im August 2003 und jetzt im Juli 2006. Seit Mitte des Monats häuften sich die Alarmierungen der Feuerwehren rund um Rivenich.Die Kriminalpolizei ging schnell von Brandstiftung und einer Serie aus. Und als klar war, dass ein Unbekannter absichtlich zündelt, dachten viele im Dorf an den Sommer 2003, als es Flächenbrand auf Flächenbrand gab und schließlich ein junger Einheimischer die Brandstiftungen zugab. Er soll damals aufgefallen sein, weil er als einer der ersten beim Löschen behilflich sein wollte, und er soll - obwohl selbst kein Mitglied der Feuerwehr - stets gut informiert gewesen sein.

Der Mann war dann 2004 wegen Brandstiftung in minderschweren Fällen und weil er sich zudem im Sommer 2003 Kindern nackt gezeigt und ihnen obszöne Fragen gestellt hatte, zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt war der mittlerweile 35-Jährige wieder auf freiem Fuß und lebte bei seinen Eltern in Rivenich.

Unter der Hand wurde der ehemalige Brandstifter auch im Zuge der neuen Vorfälle verdächtigt. Bei einer Befragung im Ort kamen die Rivenicher häufig auf die Vorfälle aus 2003 zurück und auf die Tatsache, dass der damals Verurteilte frühzeitig aus der Haft entlassen und vor Ort sei. Trotz grundsätzlich klarer Kritik an jeder Art der Brandstiftung gab es in Rivenich auch verständnisvolle Stimmen für die Täterseite.

So sagte eine Dame, die nahe der Feuerwehrsirene wohnt und die vielen Einsätze hautnah erlebte: "Warum einer das macht? Vielleicht ist er unzufrieden, braucht ein bisschen Action, damit er sich ganz groß fühlt. Ich denke, dass machen Menschen, die kein großes Selbstbewusstsein haben. Die versuchen, sich wichtig zu machen und aufzufallen. Aber das ist krank. Sie bringen andere Menschen in Gefahr."

"Da geht kein Feuer von allein an"

Um die neue Serie aufzuklären, arbeitete die Kripo auch mit Wehrleuten zusammen. Als eine der ersten wussten denn auch die Mitglieder der Rivenicher Wehr, dass am Samstag nach dem letzten Brand jemand verhaftet worden sei.

Zuvor hatten Wehrleute und Bevölkerung nach der Serie von Flächenbränden (der TV berichtete) eine Woche Ruhe. Dann hatte die örtliche Feuerwehr gemeinsam mit den benachbarten Kollegen am Samstag wieder drei Einsätze. Kurz nach 15 Uhr brannte es am Wirtschaftsweg zwischen Rivenich und Hetzerath eine Stunde später stand ein mit Stroh beladener Anhänger unter der Autobahnbrücke Rivenich in Flammen. Kaum war dieser Brand um 16.39 Uhr gelöscht, brannte es in der Nähe des Sendemastes auf dem Fuchsberg von Rivenich. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Hetzerath, Rivenich, Salmtal und Neumagen löschten und setzten auch auf Wasserfässer der Firma Wey, um den Flächenbrand zu kontrollieren.

Wieder konnte Trockenheit und Selbstentzündung als Brandursache ausgeschlossen werden. So sagt denn auch Rivenichs Bürgermeister Günter Thul: "Am Samstag hat es drei Mal gebrannt. Davor war es die ganze Woche ruhig. Aber am Freitag hat es auch 20 Liter geregnet, da geht kein Feuer von allein an, das ist mit Sicherheit gelegt worden." Als er am Montag morgens am Telefon vom TV erfährt, dass die Kriminalpolizei einen Verdächtigen gefasst hat, sagt der Ortschef: "Dann ist die Bevölkerung erleichtert, und es freut sich die ganze Gemeinde, wenn der gefasst ist." Bis dahin wird nur hinter vorgehaltener Hand vermutet, dass es sich um denselben Mann handeln könnte wie 2003. Am Montag Nachmittag gibt dann die Kripo die offizielle Presseerklärung heraus und bestätigte, dass man nach bisherigen Ermittlungen davon ausgehe, mit einem Wiederholungstäter zu tun zu haben. Im übrigen lag sowohl 2003 als auch 2006 der jeweils letzte Brandherd auf dem zwischen Rivenich und Neumagen-Dhron gelegenen Fuchsberg. Damals wie heute hat die Polizei kurz darauf den Verdächtigen gestellt.

Eine weitere Brandstiftung meldet die Kripo von der Feldkapelle am Radweg aus Dreis. Dort wurde in der Nacht von Samstag, 29. Juli, zum Sonntag, 30. Juli, wurde ein Feuer gelegt, das Altar und Sandsteinkreuz beschädigte. Weiterhin wurden Blumenvasen zertrümmert. Es sei einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass das Feuer nicht auf den Dachstuhl übergegriffen hat, so die Kripo, die den Schaden auf 2000 bis 3000 Euro schätzt. Hinweise: Kriminalpolizei, Telefon 06571/95000.