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Feucht-fröhliches Sommervergnügen

Feucht-fröhliches Sommervergnügen

Edgar Thomas aus Thalfang erinnert sich in der heutigen Dorfgeschichte an sommerliche Badevergnügen seiner Jugend in den 1940er Jahren.

Thalfang. (red) Auch in unserer Kindheit hat man in den Sommermonaten das Bedürfnis verspürt, sich im Wasser abzukühlen. Man träumte von den ersten Schwimmversuchen. Wir trafen uns fast täglich, die Jungen aus dem Oberdorf und Mitteldorf (die Ortsteile waren streng getrennt) im Garten von Pfarrer Petri "Parrschgoarde". Die Söhne von Pfarrer Petri gehörten auch dazu: Hans-Werner und Gerhard. Hans Werner war der Älteste von uns und somit unser Anführer.

Meist zog es uns "auf Schock", ein Paradies zum Spielen. Erwähnt sei die Schinderhanneshöhle, die uns zum Ausruhen und Verstecken diente.

Während einer Ruhepause in besagter Höhle, von der man einen schönen Blick auf das Langemer Tal mit seinem Bach hatte, der im Sommer fast nur ein Rinnsal war, schlug Hans-Werner vor, den Bach zu stauen, sodass ein Tümpel entstand.

Wir waren hellauf begeistert und stürmten zum Bach. Es wurde eine passende Stelle gesucht und wir begannen, mit Bachsteinen und Rasenstücken die Staumauer zu bauen. Mit welcher Begeisterung und vollem Einsatz das alles geschah!

Nach ein paar Stunden hatten wir so hoch angestaut (60 bis 70 Zentimeter), dass wir unsere Kleider auszogen und ins kalte Wasser sprangen. Viele hatten "Unterbuxen" an und andere keine. Die sprangen nackt hinein. Was für ein Vergnügen! Dieser Tümpel hieß ab sofort "Parrsch Hans-Werner seine Weiher".

Die Entwicklung nahm ihren Lauf, der Tümpel wurde zu klein, denn Unterdörfler durften jetzt auch zum Baden kommen. Wir stachen immer mehr Rasenstücke vom Bachufer ab, um die Staumauer zu erhöhen. Dadurch wurde der Weiher auch breiter und tiefer. Auf dem Heimweg ins Dorf wollte jeder angeben, wie weit seine Schwimmkünste gediehen waren. Mein Spruch: "Heute habe ich drei Schwimmstöße geschafft, ohne Bodenberührung!" Der absolute Höhepunkt.

Es kam zum Eklat, denn Thalfanger Bauern sahen im Abstechen der Wiese (fünf bis sechs Quadratmeter) den Futternotstand auf sie zukommen.

Wir wurden angezeigt und von der Polizei vorgeladen. Die Verhandlung und Vernehmungen fanden im Bürgermeisteramt durch Bürgermeister Schiffmann statt. Ein für Kinder Angst einflößender Herr. Mit lauter Stimme befragte er uns.

Eine wesentliche Aussage machte Gerhard Petri: "Ich habe nur zwei Woassem (Rasenstücke) abgestochen." Ich werde diese Aussage nie vergessen. Das Baden wurde ab sofort strengstens untersagt. Damit war "Parrsch Hans-Werner seine Weiher" gestorben. Wir wollten aber nicht auf das Vergnügen verzichten.

Die Karawane zog weiter am Bach entlang, bis man rund tausend Meter weiter auf den sogenannten "Schoafstümpel" stieß. In diesem Tümpel wurden in jedem Frühjahr vor der Schur die Schafe gewaschen.

Es war schon ein gestauter Tümpel, er entsprach auch unseren fortgeschrittenen Ansprüchen. Er war etwa 20 Meter lang, drei Meter breit und an der Mauer einen Meter hoch. Wir zogen täglich zum "Schoafstümpel". Eine tolle Abwechslung brachte das Bewerfen mit Batschklumpen (nasse, moorige Dreckstücke). Es hatte schon einen gewissen Flair, dass die "Damenwelt" aus Thalfang neugierig wurde und es sich auf der angrenzenden Liegewiese bequem machte, um uns vom sicheren Ufer aus zu bewundern.

Der Kriegssommer 1944 bereitete unserem Vergnügen ein jähes Ende. Die "Jabos" (amerikanische Jagdbomber) beschossen uns. Sobald wir das Geräusch des Anfluges hörten, flohen wir in das nahe gelegene Birkenwäldchen. Ein Teil unserer Jugendzeit, zu der die schönen Sommermonate gehörten, ging zu Ende.

Nach dem Ende des Krieges eröffneten wir die Badesaison in den Fischweihern im "Singenden Tal". Teils mit Fahrrädern, oder zu Fuß gelangten wir dorthin. Die dortigen Wassertemperaturen würde ich heute nicht mehr ertragen. Die Tümpel im Langemertal, die Weiher im singenden Tal werde ich nie vergessen.

Edgar Thomas, Thalfang