Feuer im Erdloch

An eine Episode, die sich nach dem Krieg ereignete, erinnet sich Jürgen Adam aus Deuselbach.

Deuselbach. Als am Ende des Krieges vermehrt alliierte Bomber am Hunsrückhimmel auftauchten und zum Beispiel statt der anvisierten Deuselbacher Eisenbahnbrücke Jostes Ölmühle in Schutt und Asche legten, beschlossen einige ältere Männer aus dem Dorf, im benachbarten Eichenwald, sozusagen als Bunkerersatz, Erdhöhlen auszugraben.

Nun, es blieb beim guten Willen, denn bald war der Krieg zu Ende. Eines dieser Erdlöcher, wohl vom Wonisch Vadder in den Hang getrieben, sollte später im Dorf eine gewisse Berühmtheit erlangen. Und das kam so:

An kalten Wintertagen hatten wir Schulbuben aus ihm eine schmücke altgermanische Wohnstätte errichtet, aus Holz, Flechtwerk und Stroh.

Eine riesige alte Blechtonne war zum Ofen umfunktioniert worden, und wir begannen heftig einzuheizen - mit schlimmen Folgen. Schon nach einer halben Sunde stand die strohbedeckte Unterkunft in hellen Flammen, Überhitzung würde man heute im Brandbericht sagen, und es bestand die Gefahr, dass der an den Eichenwald direkt anschließende Fichtenwald Feuer fing.

Panik! Wie ein Retter in höchster Not stand plötzlich der Keller Hans, der Dorfschullehrer, vor uns. Anstatt eine Schimpfkanonade loszulassen, ordnete er in aller Ruhe die nötigen Löschmaßnahmen an. Schließlich hatte er als Soldat so seine Erfahrungen gesammelt. Wir besorgten Eimer. Rasch war eine Löschkette vom Bach bis zur Brandstätte eingerichtet. Befriedigt sah der Hansheinz Keller, Pädagoge, Zeitungsschreiber, Heimat- und Auswandererforscher, seinen Schülern zu und konnte beobachten, wie die letzen Flammen von einem ätzenden Rauch abgelöst wurden, der noch lange durch das Bornwieser Tal wehte.