Fichten müssen weichen

THIERGARTEN. (urs) Die Hunsrückmoore bei Thiergarten sind schon ein Geheimtipp. Nachdem der Forst dort Fichten gefällt hat, haben auch künftige Generationen eine Chance, die einzigartige Pflanzenwelt dort bestaunen zu können.

In den Wäldern der Region verbergen sich ganz besondere Flächen, die Hunsrücker "Brücher". Laut "Brockhaus" ist ein solches Moorgebiet schlichtweg ein "mit Bäumen und Gesträuch bestandenes Sumpfland". Naturliebhaber wissen jedoch um die Faszination der Brücher. Mit ihrer einzigartigen Pflanzenwelt und den knorrigen Bäumen wirken sie wie Relikte aus einer anderen Welt. Dass sich solch bizarre Schönheit auch im Forstrevier Thiergarten verbirgt, ist allerdings nicht allzu bekannt. Aufmerksame Spaziergänger dürften jedoch die Flächen kennen, die derzeit aber stark gefährdet sind. Ein deutliches Anzeichen dafür ist das Pfeifengras, das die Flächen zusehends für sich vereinnahmt. Eine noch größere Gefahr für die Hunsrückmoore im Thiergartener Forst stellen jedoch die Fichten dar. Daher sind Mitarbeiter des Forstes diesen nun auf einer etwa fünf Hektar großen Fläche mit vereinten Kräften zu Leibe gerückt. Innerhalb weniger Tage haben sie die Bäumchen gefällt, die auf der Feuchtwiese schon Fuß gefasst hatten. Für die Brücher bahnt sich mit den Fichten der Anfang von Ende an. Denn Nadelhölzer entziehen dem Boden vermehrt Wasser, trocknen ihn unaufhaltsam aus. Das erste Opfer des schleichenden Prozesses ist die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt solcher Feuchtgebiete. Deren Verschwinden wäre auch ein Verlust für den Menschen. Denn es ist schon beeindruckend, wenn zwischen Moorbirke und Erle das Wollgras "fruchtet". Und wer etwas genauer hinschaut, entdeckt nicht nur Moosbeere und Sonnentau, sondern auch die faszinierende Vielfalt der Torfmoosarten. Auch Libellen und Fledermäuse schätzen solche Feuchtgebiete als Lebensraum. Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, welche Schmuckstücke sich da direkt vor ihrer Haustür ausbreiten, bedauert Margret Scholtes, Biotopbetreuerin des Kreises Bernkastel-Wittlich Süd. "Da sind Moore im Hunsrück - und keiner weiß es", wundert sie sich. Umso mehr freut es sie jedoch, den im Vergleich zu den Brüchern im Morbacher Raum weit weniger bekannten im Thiergartener Forst eine Chance geben zu können. Dass dafür die benötigten Gelder zur Verfügung stehen, hat verschiedene Gründe. Denn abgesehen von den Mittlen, die das Land für den Naturschutz zur Verfügung stellt, konnten in diesem Jahr über den Naturpark zusätzliche Mittel beantragt werden. Hinzu kommt, dass andere vorgesehne Projekte nicht hatten realisiert werden können. Angeregt hatte die Aktion in Thiergarten Hans Reichert. Als ehemaliger Lehrer am Gymnasium Hermeskeil weiß er um die Schönheit des Hunsrücks. "Ich kenne diese Moore seit 1965", erklärt Reichert, der es als sein Hobby bezeichnet, die Pflanzenwelt im Auge zu behalten. Daher hat er Scholtes auch auf eine weitere Fläche aufmerksam gemacht, auf der nach einem Windbruch Fichtenkronen liegen blieben, die das Moor nun bedrohen. Bernhard Buss, Leiter des Forstamts Hochwald, begrüßt die kurzfristig ermöglichte Aktion. Hangbrücher seien einfach eine Besonderheit des Hunsrücks.

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