Filmkultur: „Moselfahrt aus Liebeskummer“

Filmkultur : Liebeskummer als Moselwerbung

Das Saufbähnchen, die Mosel vor der Begradigung, das Weinfest der Mittelmosel: Wer erleben will, wie die Kulturlandschaft Mosel 1953 ausgesehen hat, kann das in einem restaurierten Film erleben.

Da hat sich das kommunale Moselkino in Bernkastel-Kues einen ganz besonderen Klassiker gesichert: Ab dem 26. September ist dort der Film „Moselfahrt aus Liebeskummer“ aus dem Jahr 1953 zu sehen. „Was sich heute dem Titel nach eher seicht, fast wie der Name einer Schnulze anhört, war im Jahr der Veröffentlichung ein Renner“, sagt Hermann Lewen, bis 2011 Geschäftsführer des Moselkinos. „Da hat die Crème der damaligen deutschen Stars mitgespielt. Der Film ist bundesweit gelaufen“, ergänzt er. Zu den Schauspielern gehörten Will Quadflieg, Elisabeth Müller, die später unter anderem in Filmen mit den Hollywoodstars Robert Mitchum und Robert Taylor mitgewirkt hat, sowie John van Dreelen und der damalige Kinderstar Oliver Grimm.

Der Film vom bedeutenden Filmregisseur Kurt Hoffmann handelt von einem Historiker, der sich aus Liebeskummer alleine auf eine Moselfahrt begibt, sowie von einer alleinerziehenden Mutter, die nach dem Unfalltod ihres Mannes mit ihrem fünfjährigen Sohn ihre Hochzeitsreise noch einmal aufleben lassen will. Als der Junge in Trier seiner Mutter ausbüxt, gerät er an den Historiker, was die beiden Erwachsenen schließlich zusammenführt.

Lewen hatte einst in einem Antiquitätenladen in München das originale Filmplakat entdeckt und sich in der Folge auf die Suche nach dem Film begeben. Ein erster Anlauf, die Filmrolle restaurieren zu lassen, um ihn in Bernkastel-Kues zeigen zu können, schlug fehl. Doch zehn Jahre später hat es zur Freude von Lewen dann doch geklappt. „Der Film ist für die Mosel ein kulturhistorisches Dokument“, sagt er.

Denn dort ist der Fluss zu sehen, wie er nur noch den älteren Einheimischen in Erinnerung ist. Die Mosel hatte damals noch keine Staustufen, das „Saufbähnchen“, das bis 1962 zwischen Koblenz und Trier fuhr, ist zu sehen. Zudem sind Szenen vom Festzug des Weinfestes der Mittelmosel aus dem Jahr 1953 in den Film integriert worden. Dazu haben die Kameras die Schilder zahlreicher Weinlagen an der Mosel eingefangen.

Vier Fünftel des 81 Minuten langen Films, der inzwischen digitalisiert worden ist, zeigen Außenaufnahmen der Kulturlandschaft Mosel zwischen Cochem und Trier. Dazu gehören neben Aufnahmen wie dem Panoramablick vom Zummet auf Trittenheim, dem Weingut Schorlemer im Schloss Lieser und der Porta Nigra auch Wiesen vollgehängt mit weißer Wäsche und heute altmodische Umgangsformen, die ebenso wie das Spitzbübische eines 50er-Jahre-Jungen die Kinozuschauer zum Schmunzeln bringen.

Kein Wunder, dass der Film 1954 ausgezeichnet worden ist mit dem Weinkulturpreis.

„Für uns ist es wichtig, ein Dokument der Zeitgeschichte zu behalten. Deshalb haben wir uns langfristig die Rechte gesichert“, sagt Leo Wächter, Geschäftsführer des Moselkinos.

Die Kosten sind zu zwei Dritteln durch Sponsoren gedeckt, ein Drittel teilen sich die Stadt und die VG Bernkastel-Kues. Über die genaue Höhe der Summe macht Wächter keine Angaben.

Zahlreiche Ortsgemeinden hätten bereits Interesse signalisiert, den Film zu zeigen, beispielsweise bei Seniorennachmittagen, sagt er.

Die Vorschaubilder, welche das Unternehmen Seitz Filmproduktion auf der Internetseite zum Film zeigt, sehen vielversprechend aus. Foto: TV/Christian Moeris

Lewen ergänzt: „Das ist touristische Werbung und kann überall laufen, beispielsweise in Hotels und auf Moselschiffen.“

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