Fitnesstraining für den Ortskern

Habt ihr das gelesen? Ins ehemalige Uhrengeschäft in der Morbacher Biergasse soll künftig ein Café einziehen. Und nicht gerade irgendeines. Nein, ein Café Heimat soll es werden. Es handelt sich um das Eltenhaus von Morbachs berühmtesten Sohn, Edgar Reitz.

Dem Mann, der mit seinem "Heimat"-Epos den Hunsrück in aller Welt bekanntgemacht hat. Er berichtete vom Leben von Hunsrückern in einem fiktiven Dorf namens Schabbach.

Der Film sorgte seinerzeit für Furore. Auch deshalb, weil viele Hunsrücker mitspielten. Böse Zungen behaupten, dass die ins Auge gefassten Schauspieler unseren Dialekt trotz langen Trainings nicht hinbekamen. Ja, ja, manche üben ihr Leben lang, und man hört trotzdem, dass sie nicht von hier stammen.

Mit dem geplanten Café, das finde ich schon interessant. Denn im eigentlichen Geburtshaus von Reitz am Unteren Markt ist heute tatsächlich ein Café. Ob da künftig dann wieder ein Uhrengeschäft hinkommt? Möglich wäre das schon. Mein Hermann mutmaßt, dass das Ganze möglicherweise mit dem Vitalisierungsprogramm zusammenhängt, mit dem die Gemeindeväter den Ortskern beleben wollen. Vitalität hat schließlich mit Bewegung zu tun. Das sagt zumindest meine Gymnastiklehrerin. Nur wer sich regelmäßig bewegt, bleibt gesund, mobil und vital. Dann wundern wir uns auch nicht mehr, wenn künftig das Brillengeschäft mit dem Kinderladen, die Metzgerei mit dem Fahrradgeschäft und die Bäckerei mit dem Elektrohändler tauscht. So bleibt nicht nur der Ortskern vital, sondern auch die Bürger, die schließlich immer wieder suchen müssen, wo sich der Fachhändler ihrer Wahl jetzt befindet. Und mittendrin steht der Fitnesstrainer auf dem Unteren Markt, der dem Morbacher Bürgermeister so verdächtig ähnlich sieht und der mit seiner Trillerpfeife das Tempo fürs Zirkeltraining vorgibt.

Hoffentlich springt bei so viel Vitalität für die Morbacher noch ein neues Kino heraus. Dann können sie sich künftig wenigstens die gesamte "Heimat" anschauen, hofft eure