Fledermäuse stoppen Bau von drei Windrädern bei Morbach

Fledermäuse stoppen Bau von drei Windrädern bei Morbach

Wasserschutz, Artenschutz, Landschaftsschutz: Das sind nur drei Aspekte, unter denen die Gegner des Baus von fünf Windkraftanlagen in Morbach ihre Einwendungen vorgebracht haben. In den kommenden Wochen sollen Nachuntersuchungen zu Fledermaus- und Vogelvorkommen veröffentlicht werden.

Morbach. Die große Überraschung gab es in Morbach gleich zu Beginn: Bei der Anhörung zu den eingereichten Einwendungen für den Bau von acht Windenergieanlagen in der Einheitsgemeinde wurde bekannt, dass drei der geplanten Windanlagen nicht gebaut werden.

Betroffen davon sind die beiden Anlagen oberhalb von Elzerath und Merscheid sowie eine auf der Gemarkung Haag. Der Grund: Bei ergänzenden Untersuchungen zu Fledermausvorkommen sind das Braune Langohr und andere Arten nachgewiesen worden, wie Ingo Ewald vom Ingenieurbüro für erneuerbare Energien in Oppenheim sagt. Er berät den Bauherrn, die Energie Bernkastel-Wittlich (EBW), eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Infolge der Untersuchungsergebnisse hat die Gesellschaft den Antrag auf Bau und Betrieb dieser Windräder zurückgezogen. Damit bleiben jetzt noch fünf Anlagen bei Haag übrig. Im Sitzungssaal des Morbacher Rathauses haben bei der Erörterung der Einwendungen gegen die Genehmigung dieser Anlagen 35 Bürger den 24 Vertretern von Kreisverwaltung, Forst, SGD Nord und Gutachtern verschiedener Fachrichtungen gegenübergesessen.

Fast vier Stunden lang sind die eingereichten Einwendungen vorgetragen, von den Einwendern ergänzt und von den jeweils zuständigen Behördenvertretern und Gutachtern kommentiert worden. Die Stimmung war sachlich, doch bemerkte man bei einigen Rednern auf beiden Seiten eine gewisse Anspannung. Einwendungen waren eingereicht worden von der Naturschutzorganisation Nabu, von der Bürgerinitiative Wald in Not aus Elzerath sowie von acht Privatpersonen. Dabei ist kaum ein Aspekt unerwähnt geblieben: die Planungen, die Beteiligung des Kreises an der EBW, obwohl sie Genehmigungsbehörde ist, bis hin zu den möglichen Auswirkungen auf Grundwasser, Landschaftsbild und Eiswurf sowie Waldbrandgefahr.

Ute Braun von der Kreisverwaltung hat die Vorwürfe eines Interessenkonflikts beim Prüfen und Genehmigen der Bauanträge von sich gewiesen. "Diese werden genauso geprüft wie bei anderen Antragstellern", sagt sie.
Der Elzerather Andreas Schleder hat die Gefahren eines Brandes der Anlagen herausgestellt. Als Wehrführer mache er sich Gedanken, wenn bei einem möglichen Brand die Teile in einen Umkreis von 500 Metern fliegen könnten und in einem trockenen Sommer der Wald brennen könnte. "Was können wir machen, um ein Inferno zu verhindern?", fragte er.

Die vorgesehenen Anlagen verfügten über eine automatische Brandlöschanlage, sagte Ingenieur Ingo Ewald. Gasflaschen mit Kohlendioxid, die das Feuer löschen sollen, seien eingebaut. Das von Schleder in den Raum geworfene "Horrorszenario" sei unrealistisch. Negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt wurden ebenfalls von Behördenvertretern zurückgewiesen. Nicht eine Anlage liege in einem Wasserschutzgebiet, sagt Wolfgang Künzer von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Die Wassergewinnung sei keiner unbeherrschbaren Gefährdung ausgesetzt. Es sei weit mehr gemacht worden als im Gesetz gefordert werde.

Einen großen Teil der Diskussion hat der Natur- und Artenschutz eingenommen. Sehr detailliert ist über korrekte Kartierungen von Vogelhorsten und Flugrouten von Schwarzstörchen und Mäusebussarden diskutiert worden. Rechtsanwalt Dieter Brauns, der die BI Wald in Not vertritt, hat die mangelhaften Methodiken bei der Erstellung der Gutachten beanstandet. Beispielsweise seien Zugvögel nur vormittags beobachtet worden. "Man meint, nachmittags und nachts hätten die Flugverbot", sagt er. Sabine Lütt vom Nabu hat fehlende Artenschutzgutachten bei der Offenlage kritisiert. Artenschutzfachliche Nachuntersuchungen betreffend Fledermäuse und Vögel würden inzwischen zusammengestellt, sagt Ute Braun von der Kreisverwaltung.
Demnächst könnten diese im Internet eingesehen werden. Den erforderlichen Link werde sie auf Antrag mitteilen. Jedoch kann Braun noch keinen Termin nennen, wann diese publiziert werden.Extra

Sabine Fass-Gronau, Vorsitzende der BI Wald in Not, kritisiert nach der Anhörung weiter die Dimension des "Windradindustrieparks" rund um den Ranzenkopf. Bis zu 50 Windräder können dort errichtet werden. Zwar sei es gut, dass drei wegfallen. Jedoch sei nach der Anhörung noch nicht alles geklärt. "Wir werden uns weiter der Sache widmen", sagt sie. cst

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