Fledermäuse verhindern Heilstollen im Steinkaulenberg

Fledermäuse verhindern Heilstollen im Steinkaulenberg

Der im Idar-Obersteiner Steinkaulenberg geplante Heilstollen ist an den Auflagen gescheitert. Auf die Fledermäuse, die in dem Stollen überwintern, muss viele Monate im Jahr Rücksicht genommen werden.

Idar-Oberstein. Den Heilstollen für von Allergien und Atembeschwerden geplagte Menschen im Steinkaulenberg wird es nicht geben. Die Edelsteinminen GmbH hat das Projekt abgehakt. Grund: Weil der frühere Schürfstollen verschiedenen Fledermausarten als Winterquartier dient, hätte er nur vom 1. April bis zum Ende der Herbstferien geöffnet werden dürfen.
12 500 Euro investiert


Wegen dieser Auflage der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord als Aufsichtsbehörde könne ein erfolgreicher Betrieb nicht gewährleistet werden, hat die Gesellschaft Oberbürgermeister Bruno Zimmer mitgeteilt. Denn der Pollenflug bei bestimmten Gräsern und Gewächsen setze bereits Ende Januar oder Anfang Februar ein. Eine Öffnung ab April geht deshalb "völlig an der Sache vorbei". Die Edelsteinminen GmbH bedauert diese Entwicklung sehr, "zumal uns bereits Kosten von rund 12 500 Euro entstanden sind", wie sie mitgeteilt hat.
Die für das Vorhaben bereits bewilligten Zuschüsse sollen jetzt umgelenkt werden, beschloss der Stadtrat Idar-Oberstein jetzt bei drei Enthaltungen. Und zwar in die Weiherschleife, wo für rund 300 000 Euro öffentliche Toiletten entstehen sollen. "Aus dem Heilstollen wird ein Toilettenhäuschen", kommentierte Wolfgang Augenstein (LUB) zugespitzt. Wobei es aus seiner Sicht andere Stellen in der Stadt gibt, "wo sie dringender gebraucht würden". Zudem ist aber auch eine Aufwertung des Ausstellungsgebäudes und des Shops vorgesehen.
Etliche trauerten im Idar-Obersteiner Stadtrat aber noch dem Aus für den Heilstollen nach. "Schade", brachte SPD-Sprecherin Elisabeth Jost die Stimmung auf den Punkt. Und beantragte - nicht ernst gemeint und mit einem gewissen Sarkasmus - "ein Denkmal für die Fledermaus". Auch Bernhard Zwetsch (FDP) sieht durch die Auflagen "die Prioritäten auf den Kopf gestellt". Weil es in dem Stollen genügend Ausweichmöglichkeiten für Fledermäuse gebe, "tut es mir weh, dass das Projekt scheitert".
Es wäre nach Meinung von Wolfgang Röske (CDU) eine wertvolle Facette im Bereich Gesundheitstourismus gewesen. "Fledermäuse sind bei der Suche nach geeignetem Ersatzwohnraum intelligenter, als viele Naturschützer vermuten", stichelte er.
Fledermäuse kontra Mensch


Lothar Jockenhövel (CDU) schließlich kann nicht nachvollziehen, "dass Fledermäuse einen höheren Stellenwert haben als heilbedürftige Menschen". Der Stollen biete Allergikern allerdings nur für die Zeit des Aufenthalts Linderung, stellte Dr. Michael Graf (FDP) aus medizinischer Sicht klar. Im Freien treten die Beschwerden dann umgehend wieder auf, erläuterte er.
Es bleibe letztlich nichts anderes übrig, als die gesetzlichen Auflagen zu akzeptieren, argumentierte Alexander Reinert (LUB).
Nach Aussage des Oberbürgermeisters hätten die Richtlinien aber einen Ermessensspielraum gelassen. Entscheidend sei letztlich gewesen, wie die unterschiedlichen Interessen gewichtet wurden. kuk