Fleiß, Courage und Gottvertrauen

MORBACH/MERSCHEID. (iro) Schöne, aber auch harte Zeiten hat Cilli Schneider aus Morbach erlebt, die heute, Donnerstag, ihren 100. Geburtstag im Kreis ihrer Lieben verbringt. Fleiß, Courage und Gottvertrauen haben sie ihr Leben lang begleitet.

Eigentlich sei die Mutter von Ängsten geplagt gewesen, erinnert sich Sohn Gerhard. "Aber wenn es galt, ging sie durch wie ein Panzer", beschreibt er den Mut seiner Mutter Cilli, die heute, Donnerstag ihren 100. Geburtstag feiert, anhand eines Beispiels. Als der Hunsrück nach dem Zweiten Weltkrieg von den Franzosen besetzt war, wurde auch Merscheid nicht verschont. Die Militärpolizei habe Kartoffeln requirieren wollen und die Bevölkerung aufgefordert, die Erdäpfel "mitten auf die Straße schütten" . Die Frist verstrich. Die Kriegerwitwe Cilli Schneider folgte der Anweisung nicht. Als die Soldaten kamen, erklärte die couragierte Frau, ihre beiden Kinder würden die Kartoffeln brauchen. Dank ihres lothringischen Vaters konnte sie sich verständlich machen. Nach einem längeren Disput verließen die Besatzer unverrichteter Dinge das Haus. Trotz der teils schweren Zeiten, die sie erlebte, habe sie der Lebensmut nie verlassen. "Der Herrgott hat es immer gut mit mir gemeint", bekommen die Kinder häufig zu hören. Geboren wurde Cilli Schneider, geborene Hell, in Völklingen. Ihr Vater kam aus Lothringen und arbeitete als Steinmetz in der Völklinger Hütte. Bereits als junger Mann wurde er wegen einer Steinstaublunge erwerbsunfähig, erzählt Gerhard Schneider, der Sohn der Jubilarin. Deshalb zog die junge Familie 1910 nach Merscheid, wo die Familie der Mutter lebte. Man hielt sich dort mit einer kleinen Landwirtschaft über Wasser. Das Ehepaar hatte insgesamt sechs Kinder. Sie durchzubringen, war kein Zuckerschlecken. Wegen der bitteren Armut der Familie wurde die kleine Cilli von der kinderlosen Tante adoptiert. Nach der Volksschule arbeitete sie zunächst in einem gastronomischen Betrieb in Morbach. Später war sie einige Jahre in Saarbrücken und Düsseldorf in Stellung. Eine Zeit, an die sich sich stets gern erinnert, weiß Tochter Maria. 1939 heiratete die Jubilarin den Landwirt Gerhard Schneider aus Langweiler. Viel Zeit war dem jungen Paar nicht beschieden. Bereits 1940 wurde der Ehemann eingezogen. Er wurde in Weißrussland durch Granatsplitter schwer verwundet und blieb vermisst. Aus der kurzen Ehe gingen zwei Kinder hervor. Unter schwierigen Bedingungen baute Cilli Schneider in den Jahren 1952/53 in Merscheid ein Wohnhaus, finanziert mit einer kleinen Rente und den Einnahmen durch Näharbeiten und Landwirtschaft. Anfang der 1960er-Jahre betätigte sie sich erneut als Bauherrin, diesmal in der Morbacher Windstraße, wo sie heute im gemeinsamen Haushalt mit Tochter Maria lebt. Bis in ihrer hohes Alter ist sie interessiert am Dorfgeschehen und an politischen Fragen. Den Jubeltag verbringt die 100-Jährige im Kreise ihrer Familie. Es gratulieren zwei Kinder, eine Schwiegertochter und zwei Enkelkinder.

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