Fleiß und Ausdauer sind gefragt

Mehr als 60 Jugendliche und viele Erwachsene haben sich im Wittlicher Haus der Jugend über den Weg in eine Ausbildung informiert. Der ist für Migrantenkinder weiterhin manchmal noch sehr steinig.

Wittlich. Fast jeder fünfte Jugendliche mit Migrationshintergrund im Kreis Bernkastel-Wittlich verlässt die Schule ohne Abschluss. In Trier sind es nur knapp sieben Prozent. Mit dieser schockierenden Zahl startete Christiane Nels vom Jugendmigrationsdienst der Caritas in die Gesprächsrunde im Wittlicher Haus der Jugend. Mit der Veranstaltung Emma (siehe Extra) will der Arbeitskreis Integrationspartner Wittlich Mut zum Sprung ins Berufsleben machen.
Trotz dieser erschreckenden Zahl streben 21 Prozent der Migrantenkinder mit Haupt-, 40 Prozent mit Realschulabschluss und sogar fast ein Fünftel mit Hoch- oder Fachhochschulreife auf den Ausbildungsmarkt oder ins Studium. Und sie werden dringend gebraucht.
Ressentiments vorhanden



Er kenne viele Kollegen, die händeringend nach Auszubildenden suchen, sagt Uwe Petry. Der Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in Veldenz bildet zurzeit unter anderem eine Deutsche mit osteuropäischem Migrationshintergrund im Verkauf aus. "Die Beste, die ich bisher hatte", sagt der Bäckermeister, obwohl er zu Beginn mit Ressentiments der Kunden zu kämpfen hatte.
Wichtig, nicht nur für Ausbildungssuchende mit Migrationshintergrund: Fleiß und Ausdauer. Cihat Yildiz sagt: In der fünften und sechsten Klasse habe er sich hängen lassen. Doch dann habe er begriffen, dass die Schule wichtig für ihn sei. Der Sohn türkischer Einwanderer wurde Klassenbester, machte die Mittlere Reife und ging anschließend für ein Jahr an eine kaufmännische Privatschule. "Ich habe nur zwei Bewerbungen geschrieben", sagt er. Nach dem Abschluss als Automobilkaufmann studiert der 21-Jährige nun berufsbegleitend Betriebswirtschaft. "Die meisten merken gar nicht, dass ich Türke bin. Die Kunden merken das meist erst, wenn sie meinen Namen auf dem Vertrag sehen", sagt er in akzentfreiem Deutsch.
Schwerer hatte es dagegen Selcan Sabun. Zwei Jahre lang bewarb sich die wie Yildiz in Deutschland geborene Tochter türkischer Eltern erfolglos. "Das ist schon deprimierend. Man gibt die Hoffnung fast auf", sagt die 20-Jährige. Für die junge Frau war wichtig, sich gut beraten zu lassen. Das Bewerbungsschreiben beispielsweise müsse perfekt sein. Mit Hilfe des Jugendmigrationsdienstes der Caritas hat Sabun seit August eine Ausbildungsstelle im Einzelhandel. Wie Yildiz habe sie keine Akzeptanzprobleme bei Kollegen und Kunden, sagt sie. teu
Extra

Die Interkulturelle Woche ist eine Initiative unter anderem der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche. In diesem Jahr gab es in rund 500 Kommunen mehr als 4500 Aktionen. "Einwanderer machen Mut zur Ausbildung", kurz Emma, war Abschluss-Veranstaltung der Interkulturellen Woche in Wittlich. Sie wurde organisiert vom Arbeitskreis Integrationspartner Wittlich, einem Zusammenschluss von 18 Organisationen, der unter anderem Orientierungshilfen für Zuwanderer bietet. teu