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Flughafen Frankfurt-Hahn: Ryanair plant neue Strecken ab Sommer

Lautzenhausen : Nach dem Aus in Frankfurt: Ryanair plant neue Strecken ab Sommer

Der Sommerflugplan der irischen Fluggesellschaft könnte schon vieles verraten. Doch wie geht es - abgesehen von den Fragen nach Ryanair - überhaupt mit dem finanziell angeschlagenen Hunsrück-Flughafen weiter?

Die Frist ist abgelaufen. Bis Mittwoch, 12 Uhr, konnten Kaufinteressenten für den Flughafen Hahn Konzepte abgeben, was sie mit dem Flughafen vorhaben. Im Oktober vergangenen Jahres meldete der Flughafen Hahn Insolvenz an.

Wie viele Interessenten es gibt, welche Pläne sie vorgelegt haben, darüber schweigt der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Jan Markus Plathner. Und damit gibt es auch weiterhin keine Informationen wie es mit dem Hahn weitergehen wird, ob es weiterhin ein Flughafen sein wird oder ein riesiges Gewerbegebiet.

Ryanair hat Verbindungen am Flughafen Hahn mit dem Sommerflugplan aufgestockt

Von den Plänen eines neuen Investors wird es abhängen, ob Platzhirsch Ryanair weiter vom Hunsrück aus starten wird. Der Deutschland-Sprecher der Airline äußerte sich kürzlich zurückhaltend, was das künftige Angebot auf dem Hahn angeht. Man müsse abwarten, wie die Insolvenz verläuft, sagt er der Deutschen Presseagentur. Eine Anfrage unserer Redaktion zu möglichen Plänen auf dem Hunsrück-Flughafen ließ Ryanair bislang unbeantwortet. Schaut man sich allerdings den bereits buchbaren Sommerflugplan von Ryanair für den Hahn an, fällt auf, dass die Zahl der Flugziele wieder deutlich erhöht ist. So werden wieder Flüge nach London, Dublin, Alicante, Barcelona oder Bergamo angeboten – allesamt Ziele, die Ryanair bislang vom nahe gelegenen Frankfurter Flughafen anfliegt. Bekanntlich will die Airline ihre Basis dort im April schließen. Offenbar ist geplant, dass ein Teil der Flüge von Frankfurt zum Hahn verlegen will. Ist das etwa bereits ein Fingerzeig darauf, dass es weiterhin Flugverkehr im Hunsrück geben wird? Hat Ryanair womöglich schon mit einem möglichen Käufer des Flughafens verhandelt und sich dazu bekannt, weiter von dort zu starten?

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte kürzlich unserer Redaktion, dass man optimistisch sei, den Flugbetrieb auch im Februar aufrechterhalten zu können. Aber: „Eine dauerhafte Fortführung wird allerdings davon abhängen, ob wir gemeinsam mit den Beteiligten die Verluste verringern können und der Investorenprozess auch mit Blick auf notwendige behördliche Genehmigungen zeitnah abgeschlossen werden kann.“

Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Flughafens Hahn

Die Suche nach einem Käufer für den finanziell angeschlagenen Flughafen wird weiterhin überschattet von den Ermittlungen gegen fünf führende, frühere Mitarbeiter von verschiedenen Gesellschaften auf dem Hahn. Sie werden verdächtigt, zwischen Juli 2017 und Mai 2020 mit Untreue und bandenmäßiger Untreue bei Firmen „Vermögensverluste großen Ausmaßes“ verursacht zu haben. Drei dieser Beschuldigten sollen laut Staatsanwaltschaft in zwei Fällen Einnahmen von Gesellschaften entnommen und für sich selbst verwendet haben. Nach Informationen des SWR wird den drei Verdächtigen vorgeworfen, Gelder aus Parkautomaten rund um den Flughafen entwendet und in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Noch ist unklar, wie hoch der Schaden durch diese mutmaßliche Untreue ist.

Noch schwerwiegender erscheint ein weiter Vorwurf. Den vier Beschuldigten wird auch Subventionsbetrug vorgeworfen. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft Koblenz geht  es dabei um eine teils zu Unrecht beantragte staatliche Zahlung. Bei fünf betroffenen Hahn-Firmen bestehe der Anfangsverdacht, dass drei der Beschuldigten eine Insolvenz verschleppt haben, und zwar im Sommer und Herbst vergangenen Jahres. Damit könnte also das laufende vorläufige Insolvenzverfahren mit den Ermittlungen zusammenhängen. Fakt ist: Bereits im Juni vergangenen Jahres hatte ein Gläubiger Insolvenzantrag gegen die Flughafengesellschaft gestellt. Grund waren offenbar hohe Verbindlichkeiten der Frankfurt-Hahn GmbH. Kurzfristig wurde der Insolvenzantrag zurückgezogen. Im Oktober waren die Hahn-Betreiber dann zahlungsunfähig.

Seit 2017 war der Flughafen im Besitz des chinesischen Konsortiums HNA. Dieses hatte aber bereits Anfang vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet und steht seitdem unter staatlicher Aufsicht. Allerdings scheint die Flughafen Hahn GmbH bereits vorher in Zahlungsschwierigkeiten gewesen zu sein. Im vor zwei Jahren veröffentlichten Jahresabschluss für 2018 finden sich Hinweise, dass HNA  gegenüber den Hahn-Betreibern eine sogenannte Patronatserklärung abgegeben hat, mit der sie dieser zusichert, sie „bei Bedarf mit Liquidität“ auszustatten, damit „diese ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann“.