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Flugplatz Trier-Föhren
Hetzerather fordern Strafen für Falschflieger

  Statt über Hetzerath (oben am Bildrand) zu fliegen, sollen die Piloten nach dem Start vom Flugplatz Trier-Föhren vor der Ort­schaft nach rechts in Richtung der A 1 abdrehen. Das scheint aber nicht allen Piloten zu gelingen.
Statt über Hetzerath (oben am Bildrand) zu fliegen, sollen die Piloten nach dem Start vom Flugplatz Trier-Föhren vor der Ort­schaft nach rechts in Richtung der A 1 abdrehen. Das scheint aber nicht allen Piloten zu gelingen. FOTO: Portaflug
Hetzerath/Föhren. Nicht alle Piloten scheinen den Start nach Vorschrift vom Flugplatz Trier-Föhren zu beherrschen. Einwohner klagen über Lärm. Von Christian Moeris

Hetzerather Bürger gehen regelmäßig in die Luft, weil andere in die Luft gehen. Denn keine 1000 Meter  von der Ortsmitte entfernt, liegt der Flugplatz Föhren, und die Piloten dort halten sich nicht immer an die Regeln, wie Ortsbürgermeister Werner Monzel erklärt.

Problem „Wenn sie beim Start über Hetzerath fliegen, was leider oft vorkommt, dann sind sie schon verkehrt.“ Denn die Flugrouten seien verbindlich. „Aber viele Piloten halten sich nicht daran.“ Anders als bei der Landung sei es den Piloten beim Start verboten, über Hetzerath zu fliegen.  „Die müssen sich an die vorgeschriebene Platzrunde halten.“ Nach dem Start auf dem Flugplatz, dessen Startbahn in Richtung Hetzerath weist, sollen die Piloten in der Luft vor der Ortschaft nach rechts über die A 1 abdrehen. „Gerade der Start ist oftmals sehr laut“, sagt Monzel, „weil die Piloten richtig Gas geben müssen, damit die Maschinen an Höhe gewinnen.“ Beim Landeanflug, der über Hetzerath erlaubt sei, seien die Maschinen dagegen kaum zu hören, da dabei kaum Motorleistung gefragt sei.

Beschwerden Doch die Beschwerden über die Falschflieger beim Flughafenpersonal, sagt der Ortsbürgermeister, seien bislang allesamt im Sand verlaufen. „Es ist nie was passiert. Niemand wird zur Rechenschaft gezogen.“ Jedesmal wenn er auf dem Flugplatz anrufe, gehe zudem eine Diskussion los, wobei stets auf Flughafenseite behauptet werde, niemand sei verkehrt geflogen. Dem Ortsgemeinderat wurde das zu bunt. Monzel: „Wer sich dauerhaft nicht an die Flugrouten hält, der muss zur Rechenschaft gezogen werden und Bußgeld bezahlen.“ Um die Angelegenheit und die Zuständigkeit für die Ahndung von Verstößen zweifelsfrei zu klären, hat der Ortsgemeinderat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis liegt jetzt vor.  „Verstöße gegen die erlaubten Flugrouten müssen geahndet werden. Die Föhrener müssen das an die Luftfahrtbehörde in Mainz weitergeben und können das nicht abtun.“ Das sei mit diesem Gutachten nun endlich geklärt.

Flugplatz Doch vom Tisch ist die Sache damit noch lange nicht. Der TV hat Volker Klassen, Geschäftsführer der Flugplatz Trier GmbH, um eine Stellungnahme gebeten. Gibt es viele Falschflieger, die beim Start versehentlich über Hetzerath fliegen? Und was unternimmt die Flugplatzleitung dagegen? Klassen will sich gegenüber der Presse nicht zu den Vorwürfen von Seiten der Hetzerather äußern. „Einem Gespräch mit der Ortsgemeinde und dem Luftfahrtamt verweigern wir uns aber nicht. Dazu würden wir auch gerne zunächst mal das Gutachten lesen“, sagt Klassen. „Wir können uns gerne mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen und uns darüber unterhalten. Wir sind gesprächsbereit und nehmen uns der Sache an.“

Pilot Der TV hat Pilot Bernhard Heller, der seit 15 Jahren  tagtäglich in Föhren ist, um eine Einschätzung der Situation gebeten. Heller sagt, für 99,9 Prozent der Piloten sei es kein Problem, beim Start die vorgeschriebene Route, die vor Hetzerath nach rechts über die A 1 führe, einzuhalten.  „Alle Platzpiloten können das, wobei wetterbedingt nur fünf Prozent der Starts in Richtung Hetzerath gehen. Bei ortsfremden Piloten kommt es schon mal vor, dass sie beim Start länger geradeaus fliegen müssen, wenn die Sicherheit für den Start das erforderlich macht. Das sind jedoch Einzelfälle.“

Diese Abweichung von der Platzrunde sei allerdings erlaubt, sagt Heller, wenn die Sicherheit das erfordere. „Wenn man den Start von Föhren jedoch vor Ort trainiert, wie wir es mit unseren Flugschülern machen, kann man die vorgeschriebene Route gut einhalten.“

Dabei müssten die Piloten förmlich kurz nach dem Abheben einen Haken schlagen. „Hier darf jedoch niemand zu riskanten Manövern gezwungen werden. Aber gerade die Gastpiloten, die wie alle Piloten darauf getrimmt sind, geradeaus zu fliegen und die Sicherheit vorgehen zu lassen, weichen gezwungenermaßen von der grünen Route schon mal etwas ab.“ Mit seinen Flugschülern, sagt Heller, trainiere er sogar noch eine engere und von Hetzerath weiter entfernte Abflugroute. „Unsere Flugschule hat noch keine einzige Beschwerde erhalten.“

Lösung Doch das Problem lasse sich nicht rechtlich mit Gutachten oder Gerichtsprozessen lösen, meint Heller.  „Das verhärtet eher noch die Fronten. Gute Nachbarschaft muss anders gehen. Ich sehe mich in dieser Sache als Vermittler und konstruktive Kritik ist ja wichtig. Nur wird sich das Problem einzig und allein durch Kommunikation zwischen den Beteiligten lösen lassen. In der Vergangenheit haben wir auf dem Flugplatz  auch alle Unstimmigkeiten im Gespräch klären können. Das bekommen wir auch jetzt wieder hin.“

Luftfahrtbehörde Die Luftfahrt- und Luftsicherheitsbehörde für Rheinland-Pfalz will sich nach Karneval zu der Problematik äußern. Der TV hat die Behörde um eine rechtliche Einordnung gebeten und gefragt, ob die Platzrunde für die Piloten verbindlich ist und Abweichungen davon geahndet werden müssen.