Flurbereinigung in Malborn umstritten
Malborn-Thiergarten · Bei dem Thema Flurbereinigung scheiden sich in Malborn die Geister. Während der Gemeinderat seine Entscheidung verteidigt und Mitarbeiter des Dienstleitungszentrums ländlicher Raum (DLR) die Notwendigkeit der Bodenreform verdeutlichen, sträuben sich zahlreiche Grundbesitzer gegen eine Neuordnung.
Malborn-Thiergarten. Zwei Aussagen von Ewald Haas vom DLR spiegeln die Stimmung der jüngsten Gemeinderatssitzung in Malborn wieder. Zum einen beschreibt er die landwirtschaftlichen Verhältnisse: "Agrarstrukturelle Mängel sind da, keine Frage." Zum anderen fragt er sich, wie die Meinung der Landwirte und Grundbesitzer aussieht: "Ich kann nach dem heutigen Abend keine Aussage über die Akzeptanz treffen." Haas war gekommen, um dem Malborner Gemeinderat und den rund 20 Bürgern im Zuschauerraum die Vorgehensweise bei der künftigen Bodenneuordnung zu erklären.
Im November 2010 hatte der Malborner Gemeinderat mit einer Zweidrittel-Mehrheit die Einleitung einer Flurbereinigung für die Acker- und Wiesenflächen beschlossen. Bereits 2005 hatte das DLR 230 Grundbesitzer in Malborn angeschrieben, um die Akzeptanz einer möglichen Flurbereinigung zu überprüfen. Das Ergebnis: 63 Eigentümer antworteten seinerzeit. Von denen sprachen sich fünf für und 27 gegen eine Neuordnung aus. Die anderen 31 hatten in dieser Frage keine Meinung geäußert.
Neue Richtlinie des Ministeriums
In einer Sitzungsunterbrechung, in der die Zuschauer Gelegenheit zu Fragen und zur Diskussion hatten, äußerten diese ihr Unverständnis über diesen Widerspruch. "Damals sprachen sich die Eigentümer dagegen aus, jetzt ist der Gemeinderat dafür, warum?", fragte ein Zuhörer. Eine Zuschauerin sagte, dass alle Anwesenden im Publikum gegen eine Bodenreform seien, warum, sagte sie nicht. Eine Eigentümerin weist auf den ideellen Wert eines vererbten Grundstückes hin. Andere Zuschauer befürchteten, schlechtere Grundstücke als bisher zu erhalten. Dem widersprach Haas: "Grundstücke werden nur im gleichen Wert getauscht." Auch die Entfernung von der Ortslage spiele eine Rolle. Der Rohplan wird nach der Neueinteilung wieder den Eigentümern vorgestellt. Diese haben dann die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen.
Zuschauer Ansgar Brück befürwortet die Flurbereinigung. Jedoch kommt sie für ihn 30 Jahre zu spät, da in den vergangenen Jahren viele Drainagen nicht mehr gepflegt wurden. Dadurch seien viele Äcker feucht und die Flächen in einem schlechten Zustand. Der Sinn der Maßnahme sei für ihn verfehlt. Hier machte Haas klar: "Die Trockenlegung von feuchten Gebieten wird im Rahmen der Flurbereinigung nicht gefördert. Das kann nur auf eigene Rechnung geschehen."
Die entstehenden Kosten der Flurbereinigung trägt das Land zu 85 Prozent. Die restlichen 15 Prozent sind normalerweise der Eigenanteil der Grundbesitzer. In Malborn würden diese Kosten die Jagdgenossenschaft übernehmen, so dass die Landeigentümer in Malborn für die Bodenneuordnung keine Ausgaben haben.
Das Gemeinderatsmitglied Thomas Steinmetz ist Landwirt und hatte sich im November bei der Abstimmung über die Bodenreform enthalten, da ursprünglich die Waldflächen der Gemeinde im Flurbereinigungsverfahren enthalten sein sollten. Jetzt ist der Wald herausgenommen worden und Steinmetz für die Bodenneuordnung: "Die Bewirtschaftung der Stücke ist katastrophal", sagt er. Die Zuschnitte seien schlecht, man verfahre bei der Bewirtschaftung viel Zeit und Sprit. Auch Haas warb für die Neuordnung. "Bei größeren Stücken können Eigentümer die Pachtpreise moderat anheben."
Der weitere Zeitablauf derFlurbereinigung ist unklar. Der Grund liegt in einer neuen Richtlinie des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten. Das hat laut Haas verfügt, dass der zuständige Staatssekretär und nicht mehr das DLR für die Einleitung des Bodenordnungsverfahrens zuständig ist. cstDie landwirtschaftlich genutzte Fläche in Malborn umfasst 420 Hektar. Die durchschnittliche Größe eines Besitzstückes beträgt bei Ackerflächen 0,8 Hektar, bei Grünflächen 1 Hektar. Im benachbarten Hilscheid liegen die durchschnittlichen Flächengrößen bei 2,4 Hektar für Ackerflächen und 1,7 Hektar bei Grünflächen. cst