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Forstamt Idarwald geht neue Wege: Folienpolter zur Holzlagerung

Forst : Holzpolter statt Bombenpaletten

Wohin mit dem vielen Fichtenholz, das derzeit keine Abnehmer findet? Das Forstamt Idarwald geht an der ehemaligen Bahnstation Zolleiche bei Hinzerath neue Wege.

Derzeit macht der Wald den Förstern und Waldbesitzern keine rechte Freude. Denn durch Borkenkäfer und Winterstürme ist soviel Fichtenholz auf dem Markt, dass es kaum Abnehmer dafür gibt und wenn, dann nur zu extrem niedrigen Preisen. „Die Holzmärkte sind übersättigt. Die Waldbesitzer und Forstleute müssen Alternativen suchen, um ihre verderbliche Ware vor Qualitätsbeeinträchtigungen zu schützen und für die Holzindustrie verwertbar zu halten“, sagt Forstdirektor Gerd Womelsdorf, Leiter des Forstamtes Idarwald.

Doch wie lagert man Holz? Üblich sind Nasslagerplätze, an denen das Holz feucht gehalten wird. Dadurch können sich Insekten und Pilze nicht vermehren.

„Diese stehen aber heute nicht mehr ohne weiteres und überall und schon gar nicht in der ausreichenden Größe zur Verfügung“, erklärt der Forstmann weiter. Deshalb beginnen die Arbeiter des Forstamts Idarwald damit, am ehemaligen Verladebahnhof Zolleiche bei Hinzerath die Holzstämme in Folie einzupacken. Gleise und Bahnsteige waren dort im Kalten Krieg verlegt worden, um den US-Streitkräften das Verladen von Bomben aus den umliegenden Munitionslagern auf Züge zu ermöglichen.

Das Lagern in Folie sei die einzige Alternative zur Nasslagerhaltung, die eine mehrjährige Qualitätserhaltung möglich macht, sagt Womelsdorf. Zu diesem Zweck wird an  der Bahnstation „frisches, starkes und somit das wertvollste Fichtensägeholz“ in Fünf-Meter-Längen angefahren und in Mengen von je rund 300 Festmetern gepoltert und luftdicht in Folien verpackt.

Das sorgt dafür, dass es im Innern der Folienpolter zu Gärprozessen kommt, die den Sauerstoff aufbrauchen und eine Anreicherung mit Kohlendioxid bewirken. So wird einer Vermehrung von Holzschädlingen oder dem Wachstum holzzerstörerischer Pilze entgegengewirkt. Die Forstleute hoffen, auf diese Weise das Holz über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren konservieren zu können.

Das Einpacken des Holzes muss äußerst sorgfältig erfolgen. Die Folie darf nicht beschädigt werden, sagt Womelsdorf. Alle paar Wochen müssen die Polter geprüft werden, ob sie noch dicht sind. Löcher müssten geflickt, schlimmstenfalls das Holzpolter geöffnet und das Fichtenholz verkauft werden.

„Die größten Probleme könnten dabei durch Mäuse entstehen“, so Womelsdorf weiter. „Wobei wir davon ausgehen, dass hier an der Bahnstation die Nager weniger aktiv sein werden als im Feld oder auf gewachsenem Waldboden“.

Die Fläche an der Zolleiche bietet Raum für die Lagerung von circa 10 000 Festmeter Fichten-Sägeabschnitte. Das Forstamt beabsichtigt, dort rund 30 Polter à 300 Festmeter anzulegen und das Holz mehrere Jahre liegen zu lassen.

Die Kosten für die Einlagerung betragen rund 20 Euro pro Festmeter. Womelsdorf hofft, dass der derzeitige Preis für Fichtenholz von 50 Euro pro Festmeter für beste Qualitäten in den kommenden Jahren wieder anzieht und sich verdoppelt. Anfang 2018 betrug der Preis für einen Festmeter Fichte rund 100 Euro.

Interessant am Folienlager sei die Tatsache, dass es im Gegensatz zum Nasslager keinerlei naturschutz- oder wasserrechtliche Genehmigungen braucht. Zudem könne das Forstamt einzelne Folienpolter verkaufen, was die Flexibilität im Verkauf erhöhe, sagt Forstamtsleiter Womelsdorf.