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Forstamt Prüm blickt besorgt auf die Ereignisse des Jahres

Waldwirtschaft : Schwierige Zeiten für den Wald

Erst verwüsten Stürme die Wälder, dann trocknen sie aus, Borkenkäfer treiben ihr Unwesen und ab und an kommt eine Flut. Das Prümer Forstamt blickt auf ein schwieriges Jahr zurück.

Der ganze Ärger ging im Januar los, als die Stürme Burglind und Friederike über den 20♦000 Hektar großen Bezirk des Forstamts Prüm hinwegfegten. „Der Start war damit schon nicht leicht, zigtausende Kubikmeter Windwurf lagen in den Wäldern, doch was dann noch kommen sollte, stellt alles in den Schatten“, sagt Forstamtschef Peter Wind. Resigniert blickt er auf die vergangenen Monate: „Kaum hatten wir die gestürzten Bäume aus dem Wald geholt, kam die Trockenheit und schon fühlte sich der Borkenkäfer im eh geschwächten Wald pudelwohl.“

Jeweils im Herbst werde für das kommende Jahr geplant, wo aufgeforstet oder gefällt werde und wieviel Holz schließlich zur Vermarktung bereitstehe, sagt Wind. Rückblickend sei nach elf Monaten nur festzustellen: „Im Jahr 2018 war unser Forstwirtschaftplan nicht das Papier wert, auf das er gedruckt war.“

Das Problem ergebe sich einfach aus der Aktualität der Ereignisse: „Wenn Stürme gewütet haben, ist es für uns oberste Pflicht, das Wurfholz so schnell wie möglich aus dem Wald zu holen, es dann bestmöglich zu vermarkten und damit dem Borkenkäfer im Frühjahr möglichst wenig Raum zu brüten zu bieten“, sagt Wind. Als die Forstmitarbeiter aber im März mit den Aufräumarbeiten fertig waren, folgte gleich das nächste Ungemach.

„Ich erinnere mich gut dran: Ich spazierte im März noch durch die verschneite Schneifel und eine Woche später war der Sommer da – und ging nicht mehr“, sagt der Forstamtsleiter. Mit der Hitze und Trockenheit sei der Ärger dann erst richtig losgegangen. „Im Gegensatz zum ungefähr vergleichbaren Jahr 2003 hat es aber wirklich gar nicht mehr geregnet. Hohe Temperaturen kann ein Wald noch wegpacken, durchgehende Dürre wiederum ist aber ein richtiges Problem – gerade bei so einem hohen Fichtenbestand wie bei uns.“ Etwa 60 Prozent im Bezirk sind mit Fichten bepflanzt.

Die tellerförmigen Wurzeln machten sie besonders empfindlich, leider nicht nur gegen Dürre, sondern auch gegen die Fluten, die im Juni über die Eifel hereinbrachen. „Man könnte nun denken: Endlich Wasser! Aber davon hatten wir nichts. Der dürre Boden konnte es nicht aufnehmen, die Maßen spülten sie eher noch mehr aus und schon fielen wieder die Fichten.“

Hinzu sei noch eine außergewöhnlich hohe Zahl an Früchten gekommen, die an allen Pflanzen zu finden waren. „Sie resultierten aus dem Vorjahr und stressten die Bäume zusätzlich. Dass sich der Borkenkäfer bei den hohen Temperaturen noch bestens vermehrt, war dann fatal.“ Statt zwei Generationen auszubilden, was schon schlimm genug ist, kamen die Käfer in diesem Jahr auf drei Fortpflanzungszyklen. „Geschwächte Bäume plus sehr viele der kleinen Biester. Und schon geht das Spiel aus dem Frühjahr von neuem los.“

Sobald ein befallener Baum, der nicht selbstständig gegen die Brut mit Harz ankommt, entdeckt wird, gilt es für die Forstmitarbeiter schnell zu reagieren. „Das Holz muss raus aus dem Wald. Arbeit, die wir eigentlich geplant hatten, blieb so wieder liegen, und trotzdem gibt es ein riesiges Überangebot an Holz, das schnell vermarktet werden muss.“

Und nicht nur die Eifel habe diese Probleme gehabt, sondern ganz Mitteleuropa. „Es mag hart klingen, aber die Holzpreise sind im freien Fall. Unser Glück ist, dass wir ein dichtes Netz an holzverarbeitenden Betrieben haben, die zwar wenig zahlen, aber immerhin noch das Holz verarbeiten können. Andere Regionen wie der Westerwald sind noch härter getroffen.“

Alles in allem könne man das Kind nur beim Namen nennen, sagt Wind: „Das Jahr war dramatisch bis katastrophal.“ Die Spätfolgen wiederum müsse man nun in den kommenden Jahren ausbaden. „Kranke, befallene Bäume sind ein Resultat, aber eben auch die Hinfälligkeit unserer Wirtschaftspläne. Sie basieren auf einem Zehn-Jahresplan, der jetzt natürlich hinten und vorne nicht mehr passt“, sagt Wind.

„Wir sind getrieben vom Tagesgeschäft. Würden wir uns nur um den Staatswald kümmern, wäre es vielleicht einfacher, aber 60 Prozent sind in privater Hand. Gibt es Wurfholz, Fluten oder Käfer, müssen wir die Besitzer ansprechen oder im schlimmsten Fall noch ausfindig machen. Mit neun Revierleitern ist das eine Herkulesaufgabe.“ Wind rechnet mit einem ebenfalls schwierigen Jahr 2019. „Wir können nur hoffen, dass es kühler bleibt.“

Forstamt Prüm blickt besorgt auf die Ereignisse des Jahres
Foto: Peter Wind
Forstamt Prüm blickt besorgt auf die Ereignisse des Jahres
Foto: Peter Wind
Forstamt Prüm blickt besorgt auf die Ereignisse des Jahres
Foto: Fritz-Peter Linden
 Bernhard Thies (links) und Peter Wind vom Forstamt Prüm sichten Käferspuren.
Bernhard Thies (links) und Peter Wind vom Forstamt Prüm sichten Käferspuren. Foto: Fritz-Peter Linden
 Sichtbare Spuren: Der Borkenkäfer im Schneifelwald am Schwarzen Mann.
Sichtbare Spuren: Der Borkenkäfer im Schneifelwald am Schwarzen Mann. Foto: Fritz-Peter Linden

Weitere Infos im Internet unter:
www.wald-rlp.de/de/forstamt-pruem