Foto-Ausstellung zeigt außergewöhnliche Tattoos in Morbach

Fotografie : Wenn Trauer unter die Haut geht

Eine Foto-Ausstellung zeigt außergewöhnliche Tattoos in Morbach. Der Hospizverein hat das bundesweit bekannte Projekt in den Hunsrück gebracht.

„Früher hieß es loslassen, heute geht es mehr darum, einem verstorbenen Menschen einen neuen Platz im Leben zu geben,“ erzählt Birgit Steinmetz vom Morbacher Hospizverein. Steinmetz zählt zu den Organisatoren der Foto-Wanderausstellung „Trauertattoo“, die derzeit in der Gärtnerei Berg in Morbach zu sehen ist. Die Bilder, die die Fotografin Stefanie Oeft-Geffahrt aus Halle in den vergangenen Jahren von den unterschiedlichsten Menschen gemacht hat, beweisen diesen Trend offenbar. Viele Menschen, die einen schweren Verlust verarbeiten müssen, entscheiden sich zum Beispiel für ein Tattoo.

„Mit der Ausstellung wollen wir das Thema in die Öffentlichkeit bringen. Es geht ja darum, einem verstorbenen Menschen einen neuen Platz im Leben zu geben. Das kann ein Tattoo sein, ein Gegenstand oder ein Ort wie etwa der Friedhof,“ erklärt Steinmetz. Sie vergleicht eine solche Situation mit einem Mobile: Ein Teil fehlt plötzlich, wodurch das ganze System ins Schwanken gerät. Aber irgendwann stellt sich wieder ein Gleichgewicht ein, auch wenn die Lücke bleibt. Auf die Angebote der vielen Hospizvereine und Initiativen in Deutschland soll auch der Welthospiztag am 12. Oktober aufmerksam machen, den die Ausstellung zeitlich umrahmt.

Rund 100 Menschen folgten einem Aufruf der Fotografin Stefanie Oeft-Geffahrt, die das Projekt gemeinsam mit der Trauerbegleiterin und Fernsehjournalistin Katrin Hartig vor einigen Jahren initiierte. So sagt die 23-jährige Jennifer, die ihr Modell stand, dass ein Tattoo eine bleibende optische, nach außen getragene Verbindung zu ihrer verstorbenen Mutter darstellt.

Das Tattoo kann Liebeserklärung und Brücke zum Verstorbenen sein, wie für den 51-jährigen Jürgen: „Unsere Trauer hat uns ja auch dahin geführt, dass sich unsere Meinung über Tattoos komplett geändert hat“, sagt der um seine Tochter trauernde Vater. Er war einer der Teilnehmer an den Foto-Shootings, die die Initiatorinnen quer durch Deutschland führten – zwischen Magdeburg und Bremen, zwischen Leipzig und Münster. Die Ausstellung berührt, weil sie sehr authentisch wirkt. Bei jedem Foto steht ein längerer Text, der die Geschichte des Tattoos erläutert, häufig sogar mit vollem Namen der Betroffenen. Die Motive sind völlig unterschiedlich. Manche haben sich den Namen stechen lassen, andere wählten ein eher abstraktes Motiv.

Besonders bewegend ist das Foto von einem Tattoo von Kerstin Hau, die ihr Kind verloren hat. Sie ließ sich den Handabdruck ihres Sohnes Charlie stechen. Er starb im Alter von drei Jahren.

Ausstellung „Trauertattoo“ bis 15. Oktober in der  Gärtnerei Berg, Morbach, Eintritt kostenlos, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag 8 bis 14 Uhr.

Mehr von Volksfreund