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Fotofallen für Wolf und Luchs im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Natur : Wann taucht der nächste Wolf im Nationalpark auf? Fotofallen sollen Nachweis erleichtern

Nach dem sicheren Nachweis vom Frühjahr will das Nationalparkamt genauer wissen, ob Wölfe oder Luchse durch das Schutzgebiet im Hunsrück streifen. Dabei sollen spezielle Fotofallen helfen. Wie die funktionieren, woran man die Raubtiere erkennen kann und was eigentlich bei einer Sichtung passieren würde.

Wölfe sind in der Eifel schon häufiger gesichtet worden und haben dort ihre Spuren hinterlassen. Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald dagegen gab es in diesem Frühjahr erstmals einen unbestreitbaren Nachweis dafür, dass dort ein Wolf durch die Wälder gestreift sein muss. Zunächst hatte ein Tier eine Fotofalle am Erbeskopf bei Deuselbach ausgelöst. Wegen der schlechten Qualität der nächtlichen Aufnahme konnte es allerdings nicht zweifelsfrei als Wolf identifiziert werden. Die Analyse einer Kot-Probe, die ein Wanderer bei Hüttgeswasen/Thranenweier entdeckte, erbrachte dann allerdings den definitiven Nachweis, dass ein männlicher Grauwolf in dem Schutzgebiet unterwegs gewesen war.

Seither ist zwar laut dem für die Parkverwaltung zuständigen Nationalparkamt kein Wolf mehr dort gesichtet worden, aber die Behörde und das Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLUWO) aus Trippstadt wollen solche Nachweise offenbar nicht weiter dem Zufall überlassen und genauer erforschen, ob solche großen Raubtiere durch den Nationalpark ziehen.

Aktuell laufe dazu ein Fotofallen-Monitoring, teilte das Nationalparkamt jüngst in einer Pressemitteilung mit. Gemeinsam mit dem Koordinationszentrum bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt hat die Abteilung für Wildtiermanagement das Konzept dazu entwickelt. „Geplant sind etwa 60 Fotofallen, die teilweise schon installiert sind“, berichtet Anja Schneider, beim Nationalparkamt zuständig fürs Wildtiermonitoring. Es handele sich um spezielle Kameras, die schon früher für Bestandsaufnahmen bei Rot- und Rehwild genutzt wurden. „Wir haben sie jetzt aber umgestellt an Wege und Forststraßen“, schildert Schneider. Denn beide sogenannten Großkarnivoren (lateinisch für „Fleischfresser“) nutzten gern bereits „ausgetretene Pfade“.

Ausgelöst werden die Fotofallen durch einen Sensor, der auf Wärme und vor allem auf Bewegung reagiert. „Die Kameras machen ein Bild, sobald sich im näheren Umfeld etwas bewegt“, erklärt Schneider. Das bedeute auch, dass sehr viel Bildmaterial auszuwerten sei. „Wir müssen da schon alle vier Wochen zum Auslesen der Fallen vorbeischauen“, sagt die Expertin fürs Wildtiermanagement. Dabei unterstützten sie fünf Park-Ranger, die ohnehin regelmäßig im Gebiet unterwegs seien.

  Dieses Foto einer Wildkamera, das im April 2021 im Nationalpark Hunsrück Hochwald  aufgenommen wurde, brachte die Experten auf die richtige Spur. Ob darauf tatsächlich ein Wolf zu sehen ist, konnte allerdings nicht geklärt werden.
Dieses Foto einer Wildkamera, das im April 2021 im Nationalpark Hunsrück Hochwald  aufgenommen wurde, brachte die Experten auf die richtige Spur. Ob darauf tatsächlich ein Wolf zu sehen ist, konnte allerdings nicht geklärt werden. Foto: Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft

Doch worauf kommt es eigentlich bei den Aufnahmen an, um die Raubtiere zweifelsfrei erkennen zu können? Beim Luchs sei das relativ einfach, sagt Anja Schneider. „Man erkennt ihn leicht am Fellmuster mit den schwarzen Flecken.“ Auch die Größe und die Haarpinsel am Ende der Ohren seien gut erkennbare Merkmale. Beim Wolf sei die Indentifizierung anhand eines Fotos schwieriger: „Da müssen mehrere charakteristische Merkmale zu erkennen sein – Ohren, Schnauze, Schwanz.“ Bei der Aufnahme aus dem Frühjahr sei es dafür schlicht zu dunkel und das Tier zu weit von der Kamera entfernt gewesen.

Und wie wahrscheinlich ist ein erneuter Wolf-Nachweis im Nationalpark? Schwer zu sagen, meint Schneider. Wölfe gingen häufiger allein auf Wanderschaft und legten dabei Tausende Kilometer zurück. „Es kann sein, dass einer auch mal für ein paar Jahre im selben Gebiet bleibt.“ Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass sich der im Frühjahr identifierte Grauwolf noch in der Gegend befinde. Ein Luchs dagegen brauche einen „Nachbarn“, also einen Artgenossen in der Nähe, weshalb sich auch Jungtiere auf der Suche nach einem Revier nicht so weit von ihrem Ursprungsort entfernten. Allerdings läuft seit 2016 ein Wiederansiedlungsprojekt für Luchse im Pfälzer Wald: „Und der ist ja nicht so weit entfernt.“ In der Region sind zudem schon Luchse gesichtet worden. Im März dieses Jahres gelang einem Jagdpächter ein Bildnachweis von einem Exemplar der kleinen Raubkatze an der Wildbrücke über die A1 bei Greimerath (Kreis Bernkastel-Wittlich).

Sollten die Fotofallen tatsächlich demnächst einen Wolf oder Luchs ablichten, dann gäbe es aus Sicht des Nationalparkamts zunächst keinen größeren Handlungsbedarf. „Es sind Wildtiere, die den Menschen genauso meiden wie etwa Rehe oder Wildschweine“, sagt Anja Schneider. Sollte sich irgendwann ein ganzes Wolfsrudel im Nationalpark niederlassen, dann müssten sicher Hinweise kommuniziert werden. Etwa, dass Hunde besser angeleint werden sollten. Oder auch dazu, wie man sich beim Kontakt mit einem neugierigen Jungtier verhalten sollte (siehe Info). „Im Moment ist so etwas nicht geboten. Zumindest bei uns wäre eine Begegnung reines Glück.“

Was die Aufnahmen der Fotofallen betrifft, versichert das Nationalparkamt im Übrigen, dass diese ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken dienten: „Die Überwachung menschlicher Aktivitäten ist in keinem Falle beabsichtigt.“ Da die Fotofallen auf Kniehöhe angebracht seien, sei es unwahrscheinlich, dass Bilder von Spaziergängern oder Jägern aufgezeichnet würden. Falls doch, würden solche Aufnahmen „dem Datenschutz entsprechend unverzüglich gelöscht“.

Die Fallen seien vor Diebstahl gesichert. Falls ein Besucher eines der Geräte unabsichtlich beschädigen sollte, bittet das Amt darum, dies möglichst schnell zu melden. „Genauso freuen wir uns über Hinweise auf die Anwesenheit von Großkarnivoren im Nationalparkgebiet.“ Sichtungen, Kotfunde, Spuren, Wildtierrisse oder Lautäußerungen durch einen Wolf oder Luchs könnten über die Telefon-Hotline 06306/911199 gemeldet werden.