Franziska und der Landesvater

MORBACH/MAINZ. (iro) Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Diese Erfahrung machte die neunjährige Franziska Keller aus Morbach. Weil sie und ihre Gruppe beim Rheinland-Pfalz-Tag dem Ministerpräsidenten Kurt Beck nicht vorspielen durften, ärgerte sie sich nicht still, sondern schrieb an den Landesvater. Der war vom Brief offenbar so beeindruckt, dass er das Morbacher Mädchen zu einem Kinderfest nach Mainz einlud.

Franziska Keller ist neun und für ihr Alter sehr couragiert. Erstmals nimmt sie in diesem Jahr mit den Trommlern der "Modern Music School" aus Morbach und Idar-Oberstein am Rheinland-Pfalz-Tag teil. Die Vorfreude ist groß, doch in Speyer selbst ist die junge Musikerin enttäuscht. "Vor so vielen Menschen und besonders vor Ihnen zu spielen, es wäre eine Ehre für mich und die anderen Trommler gewesen", schreibt sie später an Kurt Beck. Als die Gruppe schließlich vor der Ehrentribüne ankommt, sei sie gleich weitergeschickt worden. So schnell sei alles gegangen, dass sie den Ministerpräsidenten nicht einmal gesehen habe. Franziska macht aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl: "Das fand ich sehr gemein." Später sieht sie im Fernsehen, dass andere Gruppen eben doch vor der Ehrentribüne tanzten und musizierten und macht sich ihren eigenen kindlichen Reim darauf: "Darf man das nur, wenn man Ihnen etwas schenkt?" Die junge Morbacherin schickt den Brief ab und legt noch Fotos von der Gruppe bei. Und dann wird es spannend: "Jeden Tag habe ich auf Antwort gewartet", erzählt sie dem Trierischen Volksfreund. Nach vier Wochen sei endlich Post gekommen. "Liebe Franziska, danke für Deinen lieben Brief und die schönen Fotos von eurem Festzugsbeitrag. Es tut mir wirklich sehr leid, dass Du mir nicht vorspielen konntest, aber die Ordner hatten den Auftrag, dafür zu sorgen, dass der Festzug zügig vorankommt. Ich weiß, dass sich einige, meist Erwachsene, nicht daran halten und deshalb solltest Du Dir das schlechte Beispiel nicht zum Vorbild nehmen", liest sie in Becks Antwort. Als kleines Trostpflaster lädt er Franziska und ihre Eltern zu seinem Kinderfest nach Mainz ein. Der Besuch in der Landeshauptstadt stimmt Franziska versöhnlich: "Es gab zu essen und trinken und ganz viele Sachen zum Spielen." Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: Der Gastgeber war nicht anwesend, sondern in Berlin. Aber immerhin: "Er hatte seine Frau geschickt, von der ich nach dem Fest ein Autogramm bekommen habe." Ebenso wie übrigens von Bildungsministerin Doris Ahnen und Fernsehkoch Johann Lafer. Doch Franziska wirft die Flinte nicht ins Korn: "Vielleicht sehe ich Herrn Beck beim nächsten Rheinland-Pfalz-Tag in Baumholder." Dort will sie jedenfalls wieder mit der Trommelgruppe auftreten.

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