1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Französisch-Projekt in Bernkastel-Wittlich wird eingestellt

Bildung : Kein Bonjour mehr in der Kita: Französisch-Projekt in Bernkastel-Wittlich wird nicht fortgesetzt

Das Französischprojekt, das Muttersprachler in den Kitas des Kreises umsetzen, wird im Juli eingestellt. Es wird durch das neue Kita-Zukunftsgesetz gekippt.

Lea und Hannah sind im Hof des Kindergartens eifrig am Malen. Sie haben mit Silvie Immick, deren Muttersprache französisch ist, in den vergangenen Wochen das Thema „L´escargot“ (die Schnecke) gehabt. Dabei haben sie auf Französisch Lieder von der kleinen Schnecke gesungen und Schnecken aus Salzteig gebacken, die sie jetzt bunt anmalen. Silvie Immick, die seit 2006 mit 19,5 Stunden in der Kita Klausen ist, erzählt, wie die Kinder dabei spielerisch lernen: „Beim Backen hören und sprechen sie über die Zutaten wie ,la farine’, das Mehl, oder ,le sel’ für das Salz.“

Weiter sagt sie: „Und beim Malen wiederholen wir die Farben. Auch die Zahlen kann man immer wieder einbauen. Wichtig ist mir, dass das alles spielerisch abläuft und kein Druck aufgebaut wird“, so die gebürtige Lothringerin. Neben der Sprache sind auch Kultur und Bräuche immer wieder Themen, so werden an Maria Lichtmess Crêpes gebacken und es gibt an Dreikönigstag einen Königskuchen, indem eine Bohne mit verbacken ist. Ursprüngliches Ziel des Projekts „Lerne die Sprache deines Nachbarn“ war: „Kindern soll die Möglichkeit gegeben werden, zu erfahren und zu entdecken, dass es viele verschiedene Sprachen gibt, die alle dieselbe Funktion erfüllen, sowie Lust am Lernen von Sprache zu entwickeln“, wie es in einer Bildung- und Erziehungsempfehlung des Landes von  2018 heißt.

Doch damit soll es nach diesem Kindergartenjahr im Juli vorbei sein. Dann tritt das Kita-Zukunftsgesetz in Kraft.  „Das Projekt kann aufgrund der Gesetzesänderung in der bisherigen Form mit einer eigenständigen Förderung nicht mehr fortgeführt werden.

Eine Möglichkeit wäre, dass die Kindertagesstätten in ihrer Konzeption einen vergleichbaren Schwerpunkt setzen, und mit ihrem Regelpersonal ein vergleichbares Angebot umsetzen, erklärt Manuel Follmann, Sprecher der Kreisverwaltung.  Momentan wird „Lerne die Sprache des Nachbarn“ in den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues und Wittlich-Land in fünf Kitas angeboten. 460 Kinder profitieren davon. Gekostet hat es insgesamt pro Jahr 140 000 Euro. 60 Prozent wurden von Land und 40 Prozent vom Landkreis und den Trägern der Kitas finanziert. Im Jahr 2015 waren noch zwölf Kitas dabei.  Follmann: „Da es im Laufe der Jahre immer schwieriger wurde, vakante Stellen nach den formalen Anforderungen, Muttersprachler mit arbeitsrelevanter Berufserfahrung zu finden, konnte das Programm nicht mehr an allen Kitas fortgeführt werden.“

Die Eltern der Kinder bedauern das Auslaufen des Projekts sehr. Christina Gräwen-Erz meint: „Sprachen sind der Grundstein für den beruflichen Werdegang. Gerade bei uns in der Region, mit Luxemburg, Frankreich, Belgien ist das wichtig. Das stelle ich selbst immer wieder bei meiner Arbeit bei der Firma Hochwald im Export fest.“ Sophia Heidweiler, 19 Jahre, die zu den ersten gehört hat, die in der Kita von dem Angebot profitiert haben, erinnert sich noch heute gerne daran: „Wir haben mit Silvie gesungen, Croissants gebacken, und es war in den Alltag der Kita integriert. So hat sie sich später auch an Sprachen herangetraut. Der Spaß daran ist mir bis heute geblieben.“

Wie es mit den Fachkräften an den Kitas weitergeht, die oft schon über einen langen Zeitraum dort arbeiten, ist noch ungewiss. Wenn die Personen eine pädagogische Qualifikation haben, können sie im Rahmen des Personalschlüssels und wenn Stunden frei sind, weiterbeschäftigt werden. Anderenfalls sucht man nach Ausnahmegenehmigungen mit Jugendamt und den jeweiligen Trägern.