Frau vom Fach für Meistermann-Neustart

Frau vom Fach für Meistermann-Neustart

Neue Chance für das ehemalige Georg-Meistermann-Museum in Wittlich: Dr. Caroline-Theresia Real übernimmt die befristete Aufgabe, die Dauerausstellung mit Werken des Künstlers neu zu konzipieren und die geplanten Jubiläumsschau vorzubereiten.

Wittlich. Georg Meistermann wäre in diesem Jahr 100 Jahre geworden. Stadt und Stiftung der Stadt Wittlich besitzen bedeutende Werke des Künstlers. Sie der Öffentlichkeit auf neue Art zu zeigen und eine Jubiläumsschau ab Herbst zu organisieren, das ist nun Aufgabe von Dr. Caroline-Theresia Real.

Der halbjährige Werkvertrag mit der Kunsthistorikerin kam über eine Empfehlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg zustande, zu dessen Fundus Teile des schriftlichen Nachlasses Meistermanns gehören. 1981 zeigte das Museum beispielsweise eine Übersichtsausstellung zum 70. Geburtstag des für Glasarbeiten bekannten Mannes. Seine Arbeiten in Wittlicher Besitz will Caroline-Theresia Real stil- und kulturgeschichtlich in sein Gesamtschaffen einordnen, sagte sie gestern an ihrem ersten offiziellen Arbeitstag. Gezeigt werden sollen unter anderem auch Werke, die bislang im Depot verschwunden waren.

Als eines ihrer allgemeinen Ziele nennt die Kunsthistorikerin: "Kunst ist etwas für alle, man muss sie verständlich machen. Damit habe ich Erfahrung." Sie ist unter anderem auch studierte Pädagogin mit Schwerpunkt Museumsarbeit, die sie nicht nur aus der Theorie kennt. Ein elitärer Anspruch sei ihr fern.

Neben vielen anderen Ideen wolle sie ein Augenmerk auf die herausragende Technik der Glasarbeiten legen, die ihre Ursprünge im Mittelalter hätten und die Meistermann modern und zum Teil avantgardistisch eingesetzt habe: "Meistermann ist ja schon ein bekannter Name. Eventuell muss man ihn ein bisschen abstauben, damit er vielleicht ein bisschen mehr glänzt."
Meistermann-Schau ist ein Neustart

Bürgermeister Joachim Rodenkirch sagte, die Stadt wolle sich mit der Verpflichtung Reals weiter im kulturellen Bereich positionieren und zeigen, "dass die Räder hier nicht stillstehen, und wir hier die Dinge nicht ohne fachliche Perspektive machen." Das war ein Punkt des zurückliegenden Streits der Stadt mit den Meistermann-Erben. Unter anderem hatte der Stadtrat die Stelle des Kulturamtsleiters, eines Meistermann-Enkels, ersatzlos streichen lassen und zur Vermeidung eines langjährigen Rechtsstreits dem Wunsch der Erben nachgegeben, den Namen "Georg-Meistermann-Museum" für das Alte Rathaus aufzugeben.

Die künftige Meistermann-Schau ist in jedem Fall ein Neustart: Da die bisherige Dauerausstellung sowieso der Sonderschau "Der Glanz peruanischer Hochkulturen" Platz gemacht hat, wird bereits das Wiedersehen mit Meistermanns Werken danach die Handschrift der Kunsthistorikerin tragen.

Meinung

Für Mensch und Kunst

So wie's war, wird's nimmermehr: Im Ex-Meistermann-Museum hat der Besucher über Jahre kaum eine Überraschung erlebt. Eine Neukonzeption zu Zeiten des Kulturamtsleiters gab es nicht, die Schau präsentierte sich als "alte Schule": Werke an der Wand erklären sich nun einmal nicht selbst und ziehen niemand "magisch" an. So bringt man Mensch und Kunst nicht zusammen, ein Ziel eines Museums. Selbst der freie Eintritt führte nicht zu besonderem neuen Interesse an Meistermanns Kunst. Im Kontrast dazu stand überzogenes Hochjubeln der Qualität der Schau, Taubheit gegenüber Kritik, Stichwort "Leuchtturm". Das alles wird Meistermanns Kunst nicht gerecht, deren Ruf zu Unrecht gelitten hat. Ein guter Neustart ist wünschenswert. s.suennen@volksfreund.de

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