Frauen an den Tisch

HIMMEROD. (red) Im Alltag tummeln sich in der Regel Männergestalten auf der Orgelempore und verteidigen hartnäckig ihr Reich gegen das weibliche Geschlecht. Die zweite Halbzeit Orgelkonzerte in der Abtei Himmerod ist in diesem Jahr daher bewusst den Frauen vorbehalten.

Erfreulicherweise nimmt die Zahl junger Frauen zu, die sich dem Instrument Orgel widmen. Dabei steigt auch die Zahl derer, die bei renommierten Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet werden. Die vier Damen, die zwischen dem 31. Juli und 25. September in Himmerod zu Gast sein werden, haben alle erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen und sich gegen ihre männliche Konkurrenz behaupten können. Zum Auftakt spielt am 31. Juli die 1978 in Antwerpen geborene Els Biesemans, zu deren Erfolgen Preise in Vilnius, Paris und Tokio zählen, ein Programm mit belgischer und französischer Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, unter anderem Werke von Franck (Pièce héroique), Jongen, Alain und Duruflé (Toccata op. 5). Längst ein Superstar der Orgel ist - zumindest in Deutschland Iveta Apkalna aus Riga. Wo sie auftritt, begeistert sie Publikum wie Kritiker gleichermaßen. Welche Organistin kann von sich schon behaupten, mit einem langen Beitrag in einem bekannten Kulturmagazin der ARD gewürdigt worden zu sein. Wenn Iveta Apkalna am 28. August höchst virtuose Musik von Hakim, Vasks, Eben (Walpurgisnacht), Escaich (Evocation II) sowie Liszts filigrane "Vogelpredigt des Heiligen Franziskus" und Regers fulminante Choralfantasie über "Halleluja! Gott zu loben" darbieten wird, werden die Zuhörer auch die seltene Gelegenheit haben, das Geschehen am Spieltisch auf Leinwand zu verfolgen. Ein eher klassisches Orgelprogramm bietet dann am 11. September Mareile Schmidt aus Köln (Jahrgang 1982) mit Werken von Bach (Toccata und Fuge d-Moll), Mendelssohn Bartholdy, Messiaen (zwei Sätze aus "L'Ascension") sowie abschließend das berühmte "Carillon de Westminster" von Louis Vierne. Mareile Schmidt ist Schülerin von Johannes Geffert an der Kölner Musikhochschule. Meisterwerke der Orgelliteratur bietet zum Abschluss der Konzertreihe Linda Sítková aus Tschechien am 25. September. Fünf Preise in fünf Jahren zeichnen diese junge Musikerin, die derzeit in der Klasse von Professor Jon Laukvik in Stuttgart studiert, bereits aus. Ihr Konzert beginnt mit Bachs großartiger Fantasie und Fuge g-moll und reicht über Mendelssohn Bartholdy und Vierne zum Großmeister der französischen Orgelsymphonie, Charles-Marie Widor. Dessen sechste Symphonie bildet einen würdigen Schlusspunkt der diesjährigen Reihe, die unter dem Motto "Young Person's Guide to the Organ" ganz dem organistischen Nachwuchs vorbehalten ist. Konzertbeginn ist jeweils 15 Uhr bei freiem Eintritt. Infos unter: www.abteiorgel.de.