Frauen in der Überzahl

WITTLICH. Schöne neue Räume, muntere Besucher, ein neuer Name und ein neuer Vorsitzenden: Was der "Begegnungsstätte für Jung und Alt" jetzt noch fehlt, sind ein paar Vorhänge und ein Waffeleisen.

"Nein, es ist nicht nur das", gesteht Werner Fuhrmann auf seinem Rundgang durch die neuen Räume der "Begegnungsstätte für Jung und Alt" im Haus der Vereine. Beim neuen Vorsitzenden der Awo der Stadt Wittlich sind noch mehr Wünsche offen. Da ist zum Beispiel der Computer, für den er Zuschüsse bei der Stiftung der Stadt beantragt hat. Da sind vor allem ein paar mehr engagierte Mitmenschen, die den aktiven Frauen unter die Arme greifen. Immerhin sind die schon recht betagt: Kaum einer der überwiegend weiblichen Besucher zählt weniger als 70 Lenze. Und Fuhrmann wünscht sich mehr Gäste: aktive genauso wie andere. Heute ist Mittwoch. Das Kaffeekränzchen ist im Auflösen begriffen - der Singkreis formiert sich. Henriette Knopp spielt bereits die ersten Takte am Klavier im Nebenraum. Die Gruppe setzt zu einem fröhlichen "Hoch auf dem gelben Wagen" an. Da geht die Tür auf. "Ah, die Anni. Schön!", wird sie von Fuhrmann begrüßt. Noch während sie ihre Jacke abstreift, hat sie bereits in das muntere Liedchen eingestimmt. Ähnlich geht es hier viermal die Woche zu: bei der Bastelgruppe, Gymnastik, wenn Brettspiele, Skat oder Rommé angesagt sind und beim gemütlichen Beisammensein. Bei schönem Wetter werden auf der riesigen Terrasse Sonnenschirme aufgestellt, Kuchen und Schnittchen dort genossen, und geraucht wird ohnehin nur draußen. Dafür hat Inge Lanus gesorgt, eine der fleißigsten Mitarbeiterinnen. Sie ist nicht die Einzige mit Atembeschwerden, und bald ist das Rauchen in Gemeinschaftsräumen sowieso verboten, meint sie: "Dann kann man sich ruhig beizeiten dran gewöhnen." Die klaren Ansprachen zeichneten den Umgang miteinander aus, sagt Lanus: "Hier sind wir ehrlich." Die Aktiven von der Awo schmieden große Pläne. Wer beizeiten anruft, wird von Werner Fuhrmann abgeholt und zurück gebracht. Er kümmert sich um Sponsoren für einen eigenen Bus, der den Bringdienst besser regeln könnte. Mit dem Bürgermeister hat er schon gesprochen. "Der hat uns zugesichert, dass er sich für einen stündlichen Bus einsetzt, wenn die Arbeiten im Konversionsgebiet mal abgeschlossen sind." Als es im Sommer so heiß war, hat er Papier auf die Scheiben im Bastelraum geklebt - Vorhänge wären halt klasse, sagt er. "Ja, und ein Waffeleisen!", ruft es aus der Küche. Eines ist gerade kaputt gegangen, und mit dem einzig verbliebenen müssen die hungrigen Gäste ziemlich lange auf ihre Waffel mit heißen Kirschen warten. Nikolaus- und Weihnachtsfeier sind in Vorbereitung, die nächste gemeinsame Fahrt in die Umgebung wird schon geplant, und man bemüht sich um einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt, wo die zahlreichen Bastelarbeiten, die hier entstehen, in Bares umgesetzt werden sollen. Fuhrmann: "Vielleicht wird's ja noch was mit unseren Vorhängen!"