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Frauen sitzen selten auf dem Chefsessel

Frauen sitzen selten auf dem Chefsessel

Was das Verhältnis von Frauen und Männern in den Verwaltungen der Verbandsgemeinden (VG) und des Landkreises Bernkastel-Wittlich betrifft, haben die Frauen zwar deutlich aufgeholt. Führungspositionen sind jedoch in der Regel mit männlichen Kollegen besetzt.

Bernkastel-Wittlich. In fünf von acht VG-Verwaltungen im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind die Frauen in der Überzahl. Auf den ersten Blick eine positive Entwicklung. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass Teilzeitstellen ohne größere Aufstiegschancen zu 95 Prozent von Frauen besetzt sind. Zudem sind weibliche Abteilungs- oder Fachbereichsleiter noch immer die Ausnahme - trotz der Existenz von Frauenförderungsplänen für den öffentlichen Dienst. Büroleiter und Bürgermeister finden dafür ganz unterschiedliche Argumente. Ein Überblick über die Situation in den Rathäusern des Landkreises:

VG Traben-Trarbach: Von den 32 Beschäftigten sind 18 Frauen (elf arbeiten in Teilzeit). Im Vergleich zu anderen VGn ist der Anteil weiblicher Führungskräfte recht hoch: Von fünf Abteilungsleitern sind zwei weiblich. Laut Ulrich K. Weisgerber, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, hat die VG mit dieser Quote ihre "Hausaufgabe erledigt". Dennoch gehöre "das gesamte System auf den Prüfstand". Auch Männer würden nicht umhin kommen, über eine veränderte Rollenverteilung in der Gesellschaft nachzudenken. Dass dies einigen schwer falle, liege "auch an einem gewissen Bequemlichkeitsfaktor".

VG Bernkastel-Kues: Bei der Verbandsgemeinde sind 31 Frauen (zehn in Teilzeit) und 43 Männer beschäftigt. Alle sechs Abteilungsleiter sind männlich, zwei von drei Beigeordneten weiblich. Bei der Besetzung von Führungspositionen wird laut Büroleiter Heiner Gilles "nach Leistung, nicht nach dem Geschlecht entschieden". Die Frauen, die sich für Führungspositionen eigneten, seien aus privaten Gründen ausgeschieden oder hätten auf eigenen Wunsch Teilzeit-Positionen angenommen. Bei der Größe der Verwaltung könnten allerdings Führungspositionen nicht mit Teilzeitkräften besetzt werden.

VG Neumagen-Dhron: Die Frauen (13) sind gegenüber den Männern (zwölf) leicht in der Überzahl. Auch von den vier Bereichsleitern ist eine weiblich, zudem leitet eine Frau die Verwaltung. In der Vergangenheit habe man sechs Stellen neu besetzt, davon vier mit Frauen, sagt VG-Bürgermeisterin Christiane Horsch. Dies liege auch daran, dass "die weiblichen Bewerberinnen sich im Hinblick auf Leistung, Eignung und Befähigung gegenüber den männlichen Bewerbern durchsetzen können". Auch der Anteil weiblicher Führungskräfte nehme stetig zu, "da die jungen Frauen nach einer Erziehungspause sofort in den Beruf zurückdrängen".

VG Kröv-Bausendorf: Die Verwaltung hat keine Angaben gemacht.

Stadt Wittlich: Bei der Stadtverwaltung sind von 81 Mitarbeitern 49 weiblich. Unter den sechs Abteilungsleitern ist eine Frau. Für Bürgermeister Joachim Rodenkirch eine positive Entwicklung: Noch vor einigen Jahren habe es kaum Frauen in führungsnahen Positionen bei der Stadtverwaltung gegeben. "Heute sind 60 Prozent der Beschäftigten Frauen. Sie nehmen die gleichen Aufgaben wie die Männer war und haben die gleichen Aufstiegschancen." Zudem besitze die Verwaltung einen Frauenförderplan, bei allen Stellenbesetzungen würden der Personalrat und die Gleichstellungsbeauftragte beteiligt.

VG Wittlich-Land: 57 Prozent der 61 Beschäftigten sind weiblich, alle vier Abteilungsleiter sind männlich. Laut VG-Bürgermeister Christoph Holkenbrink ist jedoch die "wichtige Position" an der Spitze der VG-Werke von einer Frau besetzt. Holkenbrink hält es für schwierig, die "häufig von Frauen gewünschte Teilzeitarbeit in Führungspositionen im operativen Bereich umzusetzen". Seit 2000 habe die VG im gehobenen Dienst sieben Personen eingestellt, davon vier Frauen. Insofern steige "die Wahrscheinlichkeit, dass bei uns Frauen in Führungsposten gelangen".

VG Manderscheid: Auch in Manderscheid haben die Frauen (16) diese Nase vorn vor den Männern (elf). Alle vier Fachbereichsleiter sind allerdings Männer. VG-Bürgermeister Wolfgang Schmitz: "Fast alle qualifizierten Frauen haben neben ihrem Beruf auch Familie. Dies erfordert viel Zeit und hat teilweise dazu geführt, dass notwendige Aus- und Fortbildungslehrgänge nicht absolviert wurden." Generell gebe es für Frauen und Männer die gleichen Aufstiegschancen.

VG Thalfang am Erbeskopf: Das Verhältnis Frauen (17) zu Männern (17) ist ausgeglichen. Die vier Fachbereichsleiter sind männlich. Laut Michael Suska, Fachbereichsleiter Organisation/Finanzen, ist "die Chancengleichheit grundsätzlich gewährleistet". Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie führe "zu unterschiedlichen Entwicklungsverläufen", die von der Verwaltung nicht steuerbar seien. Zudem würden Führungspositionen erst in größeren Zeitabständen frei. Im Fall einer anstehenden Neubesetzung gelte jedoch "das Prinzip der objektiven Auslese orientiert an den Grundsätzen der Gleichbehandlung und Qualifizierung".

Einheitsgemeinde Morbach: Von 50 Mitarbeitern sind 22 Frauen, 28 Männer. Alle Leitungsfunktionen sind mit Männern besetzt. Als Grund für die "Unterrepräsentation von Frauen in Führungsfunktionen" nennt Bürgermeister Gregor Eibes die Tatsache, dass Frauen in den vergangenen Jahrzehnten gezwungen waren, zwischen beruflicher Karriere und Kindern zu entscheiden. Die Kindererziehung habe "in vielen Fällen dazu geführt, dass ein entsprechender Aufstieg im Beruf einfach nicht mehr möglich war." Dagegen helfe nur, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Landkreis Bernkastel-Wittlich: Die Kreisverwaltung ist zu fast 60 Prozent mit Frauen besetzt (198 der 336 Beschäftigten) und wird mit Landrätin Beate Läsch-Weber von einer Frau geleitet. Von 25 Führungskräften sind fünf weiblich. "In der Kreisverwaltung besteht eine geringe Fluktuationsrate, auch bei den Führungsfunktionen", begründet die Landrätin. Aufstiegsmöglichkeiten gebe es erst bei den nächsten Ausschreibungsverfahren. Im Vergleich zu 2001 habe sich der Frauenanteil an den Geschäftsbereichsleitern verdoppelt (auf ein Drittel), der Anteil an den Fachbereichsleiter-Posten um 50 Prozent erhöht. In den nächsten zehn Jahren werde sich das Personal wegen der demografischen Entwicklung erheblich verändern. Dies biete "eine große Chance auch für die Mitarbeiterinnen". Die Kreisverwaltung unterstützt Frauen und Männer gezielt bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, etwa durch 35 verschiedene Teilzeitmodelle, flexible Arbeitszeiten mit Jahresarbeitszeitkonto, familienorientierte Urlaubsregelungen, mehr als 30 Telearbeitsplätze, Teilzeit für Führungskräfte und Elternzeitgespräche.